Hightech-Material

Das Glas fürs Internet


Bitterfeld. Es sieht aus wie ein riesiges, klobiges Glasrohr. Doch das Teil hat es in sich: Dies ist das Material des Internet-Zeitalters – Quarzglas für die schnellen Glasfasernetze. Klaus Richter, Mitarbeiter von Heraeus Quarzglas, misst den wuchtigen, rund 200 Kilogramm schweren Zylinder noch einmal nach. „Alles in Ordnung“, stellt er fest. Die Maße stimmen genau.

7.000 Kilometer aus einem Zylinder

Seit 1992 produziert der Technologie-Konzern Heraeus in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) hochreines synthetisches Quarzglas. Die hier gefertigten Zylinder, die innen hohl sind, werden an Glasfaser-Hersteller vor allem in China und den USA geliefert.

Es ist das Vormaterial für die Ummantelung: In der Glasfaser-Fabrik wird der rund drei Meter lange Zylinder mit einem Kern aus lichtleitendem Glas versehen – und dann, bei 2.000 Grad Celsius, auf die unglaubliche Länge von rund 7.000 Kilometern gezogen. In dieser am Ende haardünnen Leitung hält das Bitterfelder Hightech-Glas die Telefon- und Daten­sig­nale in der Faser.

Der Chemiepark ist für Heraeus der „ideale Standort“, wie Werkleiter Christian Nasarow sagt. Denn er bietet wichtige Verbundvorteile. Ausgangsstoffe für die Quarzglas-Fertigung, wie etwa Silizium-Tetrachlorid, sowie ausreichend Energie werden gleich „um die Ecke“ produziert – das spart Transporte und Kosten. „Zudem finden wir hier Fachleute für unser Werk“, sagt Nasarow.

Rund ein Viertel des Welt-Bedarfs

Rund 400 Mitarbeiter beschäftigt Heraeus in Bitterfeld. Die Fertigung ist kräftig gewachsen: Im Jahr 2005 ging vor Ort ein zweites Werk in Betrieb, das nach einem neu entwickelten Herstellungsverfahren arbeitet. Das erlaubt die Produktion der Glasfasern zu deutlich geringeren Kosten als üblich.

Qualität wird hier ganz groß geschrieben. Das synthetische Quarzglas besteht aus hochreinem Silizium-Dioxid – mit nur wenigen Verunreinigungen je eine Milliarde Teile des eigentlichen Materials.

Der Aufwand für die Herstellung ist beträchtlich, berichtet Heraeus-Marketingmanager Bernhard Franz: „Aus Silizium-Tetrachlorid gewinnen wir bei sehr hohen Temperaturen Silizium-Dioxid.“ Das setzt sich in Form winziger Quarzglas-Partikel auf einem Träger ab – es entsteht poröses, kreideartiges Glas. Das wird nun getrocknet und dann bei etwa 1.700 Grad zu einem transparenten Körper geschmolzen.

Der Standort Bitterfeld produziert auf diese Weise rund ein Viertel des Welt-Bedarfs an hochreinem synthetischen Quarzglas für den Hanauer Familienkonzern (weltweit 13.300 Mitarbeiter). „Es darf gerne auch etwas mehr sein“, meint Christian Nasarow. In Bitterfeld sei noch viel Platz für Werkerweiterungen.

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Schlagwörter: Internet Chemie

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