Ausbildung

Das gewisse Etwas


Fingerspitzengefühl: Fachkräften liegt der Beruf oft „im Blut“

Marl. Manchmal muss man Talente erst wecken: „Irgendwann während der Ausbildung kamen wir zum Schweißen“, erzählt Anlagenmechaniker Patrick Wessel. Es stellte sich sehr schnell heraus, wer ein Händchen für diese Arbeit hat. Wessel hatte eines. Der heute 25-Jährige wurde im Jahr 2004 Landesbester im Schweißen. Seine Spezialität: das Wolfram-Inertgas-Schweißen.

Damit lassen sich sehr saubere und hochwertige Schweißverbindungen herstellen, etwa bei Apparaten und Rohrleitungen. Die sichere Hand, um eine gleichmäßige Naht hinzubekommen, aber auch das Wissen um die Zusammensetzung der Materialien bringt Wessel heute als Ausbilder Jugendlichen im Ausbildungszentrum der Infracor im Industriepark Marl bei.

Dort wird der Nachwuchs für die meisten Firmen im Chemiepark qualifiziert. Zwar ist er kaum älter als seine Zöglinge, aber sie respektieren sein Können.

Gespür und Erfahrung nötig

„Es reicht nicht, ein paar Grundlagen zu haben und dann angelernt zu werden“, weiß auch Antonius Kappe, der für die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung zuständig ist. „Es gehören Gespür und Erfahrung dazu!“ Die Chancen für die angehenden Fachkräfte stehen so gut wie nie, fast jeder wird übernommen.

 

Warum aber Kenntnisse vertiefen und Können perfektionieren, wenn der Kampf um den Job an Bedeutung verliert? Da hat Kappe gute Argumente im Köcher: Neben dem Ehrgeiz voranzukommen und mehr zu verdienen, ist es vor allem „das Interesse, den Dingen auf den Grund zu gehen“ sowie „die Anerkennung der Kollegen“.

„Studium? Zu theoretisch!“

„Bist du die …?“, fragen die Lehrlinge, wenn Christiane Paul im Labor auftaucht. Ja, ist sie. Die beste Chemielaborantin 2010 in Nordrhein-Westfalen, einer der besten Prüflinge überhaupt.

Schon in der Schule fand die junge Frau es faszinierend, wie Moleküle miteinander reagieren. Für sie ist das nicht schwierig, sondern spannend. Angetan hat es ihr die moderne Analysetechnik: „Der Gas-Chromatograf findet in einer winzigen Probe unendlich viele Stoffe!“, berichtet sie begeistert.

Jetzt arbeitet die frischgebackene Laborantin bei der Evonik-Tochter Fluid Verfahrenstechnik im Industriepark an der Entwicklung eines neuen Öls für Klebstoffe und Dichtungen mit. Ein Job, der ihr Spaß macht: „Da rostet der Kopf nicht ein“, sagt sie und lacht. Ein Studium reizt Christiane Paul allerdings nicht: „Zu theoretisch! Ich will nicht nur am PC sitzen und Prozesse simulieren.“

Ähnlich geht es Schlosser Manuel Chmielewsky. Vor ihm liegt ein altes Schätzchen, ein Verdichtergehäuse aus den 60ern-Jahren. Geschickt baut er ein Ventil aus.

„Verdichter komprimieren Gase, setzen sie also unter Druck“, erklärt er routiniert, „die werden hier in vielen Produktionsprozessen angewandt.“ Chmielewsky gehört zu einem Serviceteam, das im Chemiepark Pumpen und Verdichter wartet sowie Störungen behebt. „Man hört schon oft am Klang, was nicht stimmen könnte“, erklärt der Profi. „Alte Hasen“ kennen sogar alle Maschinentypen auf dem Gelände.

Den Schlosser motiviert, wenn der Chef nach getaner Arbeit Einsatz und Qualität lobt: „Händedruck und Dankeschön – das reicht schon.“

 

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