Hier geht’s aufwärts

Das Geschäft mit Treppenliften boomt: Zu Besuch beim Marktführer Lifta

Kerpen. Der akkubetriebene Elektromotor surrt leise. An einem schmalen Rohr zieht sich der Treppenlift Stufe für Stufe in einem Kerpener Einfamilienhaus empor – mit zehn Zentimetern pro Sekunde: Höchstgeschwindigkeit! „Für uns ist das Schneckentempo. Für unsere Kunden aber eine neue Stufe der Mobilität“, sagt Techniker Toni Leone, der den wendigen Stuhl der Firma Lifta installiert.

Das Kölner Unternehmen ist in einem Markt unterwegs, in dem es seit Jahren aufwärtsgeht. Grund: die stetig alternde Bevölkerung. So flossen allein im vergangenen Jahr mehr als 3,5 Milliarden Euro aus dem Budget der Pflegeversicherung in Hilfsmittel wie Rollatoren, erhöhte Toilettensitze oder Spezialmatratzen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 2,7 Milliarden Euro. Davon profitieren auch die Hersteller von Treppenliften.

„Wir wachsen im zweistelligen Prozentbereich“, sagt Geschäftsführer Hartmut Bulling. Etwa 115.000 Geräte, die ähnlich wie eine Bergbahn funktionieren, hat das Familienunternehmen seit seiner Gründung 1977 installiert. Das sind 40 Prozent aller Treppenlifte in deutschen Haushalten.

„Raus aus ihrem Haus, in dem sie seit vielen Jahren leben, wollen die Leute eben nicht. Ein Lift löst dieses Problem“, sagt Techniker Leone, der im rheinischen Kerpen nach zwei Stunden Installation den Stuhl auf Jungfernfahrt schickt.

Tatsächlich werden mittlerweile nach Zahlen des Statistischen Bundesamts etwa zwei Drittel der mehr als 2,7 Millionen pflegebedürftigen Senioren in den eigenen vier Wänden betreut. Da wird die Treppe oft zu einem unüberwindlichen Hindernis im Alltag.

„Wir verkaufen über die Lifte ein Gefühl von Sicherheit und Lebensqualität“, sagt Lifta-Geschäftsführer Bulling. Die Kundschaft ist im Schnitt 75 Jahre alt und lebt im Eigenheim, am Rande einer Großstadt. Dort wird manche Installation spontan zu einer Produktvorführung: „Oft habe ich bei einem Termin neugierige Nachbarn im Flur stehen“, sagt Leone. Dabei sind immer öfter Zuschauer mittleren Alters. So sind Anbieter wie Lifta in einer komfortablen Situation. Durch den demografischen Wandel wächst die Kundschaft automatisch. Schon 2030 wird jeder vierte Deutsche über 65 sein und sich Gedanken über Hilfsmittel für seine alltäglichen Handicaps machen.

Toni Leone will so lange nicht warten. Der 32-Jährige will schon früher mit einem eigenen Treppenlift vorsorgen. Sein Vorteil: „Einbauen kann ich mir ihn ja selbst.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang