Ab nach draußen!

Das Geheimnis der unverwüstlichen Tischtennis-Platten


Lauterbach. Klick, klack: Hin und her saust der Pingpong-Ball. Seit 20 Jahren belagern Schüler des Ful­daer Dom-Gymnasiums eine schier unverwüstliche Tischtennis-Platte auf dem Schulhof. Hergestellt hat sie Maillith im osthessischen Lauterbach – der einzige Betrieb dieser Art in Europa.

In den Fertigungshallen riecht es nach Lösungsmitteln. Hier produzieren 16 Mitarbeiter neben Tischtennisplatten Halfpipes für Skate-Anlagen, Tennis- und Kletterwände. Viele Anlagen stehen in Spanien, ein paar Tischkicker schafften es sogar bis nach Chile.

Die Spielgeräte sind so gefragt, weil sie Jahrzehnte unter freiem Himmel ohne Abnutzungsspuren überstehen. „Wir arbeiten mit Polymerbeton“, verrät Geschäftsführerin Sabine Wendorff. „Der wird nicht mit Wasser und Zement wie herkömmlicher Beton gebunden, sondern mit Kunstharz.“ Der Vorteil: „Der Werkstoff hat so gut wie keine Poren“, sagt Betriebsleiter Carsten Grüner. „So kann kein Wasser eindringen.“

Platten aus normalem Beton wären schon nach kurzer Zeit rau und uneben, da Regenwasser eindringt. Sinkt die Temperatur unter null Grad, friert es und vergrößert dabei sein Volumen.

Der robuste Werkstoff steckt auch in den Waschbecken auf Aida-Kreuzfahrtschiffen

„Das sprengt die obere Schicht einer solchen Platte ab“, so Grüner. Bei seinen Geräten sei das unmöglich. „Die sind 100-prozentig glatt“, versichert er. Grund dafür ist eine Art Schutzlack aus Kunstharz („Gelcoat“): „Der ist fest mit dem Polymerbeton verbacken“, erklärt Chefin Wendorff. Außerdem schützt er vor Chemikalien und UV-Strahlen.

Und so geht’s: Mitarbeiter spritzen das Kunstharz in große Edelstahlformen. Ist es ausgehärtet, wird der angemischte Polymerbeton in die Form gefüllt. Jetzt glätten und trocknen lassen. In nur zwei Stunden ist eines der sechs Einzelteile einer Tischtennisplatte fertig.

Rund 1.000 solcher Platten verlassen jährlich das Werk. Sie stehen in Parks, Schwimmbädern oder auf Schulhöfen. Das schwerste Modell wiegt 500 Kilo, der Preis liegt bei 1.500 Euro.

Doch es muss nicht immer eine komplett neue Platte sein: „Wir setzen auch verwitterte Modelle instand“, sagt Carsten Grüner. „Das ist für Gemeinden viel günstiger als eine neue Platte – und hält ewig.“

Auch Waschbecken aus Polymerbeton gehören zum Programm. Damit begann in den 70er-Jahren alles. Auf Hochglanz poliert, lässt sich das Material kaum von normaler Keramik unterscheiden. Man findet die Becken inzwischen weltweit, unter anderem auf Aida-Kreuzfahrtschiffen.

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