Ungewöhnliches Pilotprojekt

Das „Förderjahr M+E“ bei Audi: Eine Chance für den Einstieg


Neckarsulm. Erol Genc ist erst 22 Jahre alt. Doch er war schon am Rande der Hoffnungslosigkeit. Seit er 2006 den Hauptschulabschluss „mit mäßigen Noten“ bestanden hatte, hing er in der Warteschleife ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. „Da ist vieles schiefgelaufen, und von zu Hause bekam ich keine Unterstützung“, sagt er dazu.

Doch im „Förderjahr“ hat Genc wieder Mut gefasst: Seit Dezember 2012 wird er beim Autobauer Audi in Neckarsulm auf eine Ausbildung in einem Metall- oder Elektroberuf vorbereitet, zusammen mit elf anderen Jugendlichen.

„Ich bin überrascht, wie gut ich jetzt bin“

Über das Förderjahr haben die Tarifparteien im Mai 2012 einen gesonderten Tarifvertrag geschlossen. Es soll jungen Menschen in schwierigen Situationen helfen, den Einstieg in eine Ausbildung zu finden. In der Startphase machen Audi, Daimler und Porsche mit.

„Wir halten es für sehr wichtig, benachteiligten Jugendlichen eine Zukunft zu geben – deshalb beteiligen wir uns am Förderjahr“, so begründet der Leiter des Audi-Bildungswesens, Ulrich Eritt, das Engagement.

Yesim Cetin (20) ist eine von drei weiblichen Teilnehmerinnen des Pilotprojekts bei Audi. Schon zweimal hatte sie sich nach dem Hauptschulabschluss hier beworben – dann besuchte sie die kaufmännische Berufsschule, fiel aber bei der Prüfung zur Mittleren Reife durch. Über das Förderjahr fand sie nun den Weg in den gewerblichen Bereich. Und sie strahlt: „Ich bin selbst überrascht davon, wie gut ich jetzt bin. Die Arbeit mit Metall liegt mir einfach besser.“

Audi wählte die Teilnehmer aus einem Pool von 80 Bewerbern aus, in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit Heilbronn.

Die Voraussetzung für eine Teilnahme am Förderjahr ist ein Schulabschluss. Außerdem müssen die Bewerber auch Engagement zeigen: „Jeder, der hier ist, musste uns überzeugen, dass er sich das wirklich zutraut. Denn das Programm erfordert Einsatz und Ausdauer“, so Ausbildungsleiter Eritt.
Drei Tage in der Woche werden die jungen Menschen in der Ausbildungswerkstatt von Trainer Julian Steinbach angeleitet. Er weiß, unter welchem Druck die Jugendlichen stehen: „Sie müssen jetzt sehr viel lernen und sich beweisen.“

Einen Berufsschultag in der Woche schreibt der Tarifvertrag zum Förderjahr ebenso vor wie einen weiteren Tag für die sozialpädagogische Betreuung. Die übernimmt Sozialpädagogin Simone Rieß vom Bildungsträger BBQ Berufliche Bildung in Heilbronn.

Die Teilnehmer lernen, sich zu präsentieren

Die sozialpädagogische Betreuung unterstützt die Jugendlichen bei der Bewältigung des Schulstoffs. Und hilft ihnen dabei, sich zu präsentieren und im Team zu arbeiten. „Betrieb, Schule und sozialpädagogische Betreuung sind sehr gut miteinander verzahnt“, sagt Rieß. „Das ist wirklich das Besondere bei diesem Projekt.“

Wer alles Ende August bei Audi in eine Ausbildung startet, steht noch nicht fest. Doch Ausbildungsleiter Eritt gibt die Richtung vor: „Wenn im Herbst alle Teilnehmer einen Ausbildungsplatz haben, dann war das Förderjahr für uns ein Erfolg.“

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