Hier gewinnen alle

Das Förderjahr beim Metallschläuche-Spezialisten Witzenmann macht fit für die Ausbildung

Pforzheim. Bevor Ziver Aktas (23) beim Unternehmen Witzenmann anfing, hatte er schon einige Runden gedreht, viele Bewerbungen geschrieben und sich mit befristeten Jobs durchgeschlagen – ohne Perspektive.

Was ihm fehlte, waren außer guten Schulnoten das Selbstbewusstsein und die Unterstützung von zu Hause: „Meine Eltern konnten mir nicht helfen, sie sprechen kaum Deutsch“, sagt er dazu.

Seit Oktober 2013 macht der 23-Jährige mit den türkischen Wurzeln jetzt ein „Förderjahr“ bei dem Spezialisten für flexible Metallschläuche in Pforzheim. Förderjahr bedeutet, Aktas bereitet sich auf eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer vor: „Das ist ein großes Glück für mich. Denn hier im Betrieb fühle ich mich sehr wohl“, sagt der junge Mann. In dem Projekt, das Arbeitgeber und Gewerkschaften im Mai 2012 beschlossen haben, sollen Menschen wie Ziver Aktas und der aus Russland stammende Robert Zverev (19) zum Zuge kommen: benachteiligte Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.

„Wir sehen das als einen Akt der gesellschaftlichen Verantwortung. Es ist sinnvoll, junge Menschen an eine berufliche Tätigkeit heranzuführen und damit eine Perspektive für eine gesicherte Existenz zu bieten“, sagt Gerhard Flöck, Geschäftsführer bei Witzenmann.

Im Stammwerk in Pforzheim sind 1.600 Mitarbeiter beschäftigt

Das tarifvertraglich geregelte Förderjahr startete zunächst bei den großen Autokonzernen, die genügend Jugendliche aufnehmen konnten, um eine eigene Berufsschulklasse zu bilden – eine der Voraussetzungen für dieses neue Förderinstrument. Doch gerade für kleinere und mittlere Betriebe ist es interessant, diese Möglichkeit zu nutzen, um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken.

Mit dem Förderjahr-Netzwerk Pforzheim, dem sich bisher zehn Unternehmen aus dieser Region angeschlossen haben, gelang es, den „Tarifvertrag Förderjahr“ hier umzusetzen.

Nach einer Einführung in die Grundlagen der Metallbearbeitung kamen Ziver Aktas und Robert Zverev in den Betrieb. Hier werden sie in jeweils zwei Produktionsbereichen geschult; Arbeits- und Ausbildungsfähigkeit werden getestet und trainiert. Montags unterstützen Mitarbeiter des Bildungsträgers BBQ sie bei der Bewältigung des Schulstoffes, außerdem wird soziales Verhalten geübt. Dienstags lernen alle Teilnehmer zusammen in der Berufsschule. Für die beiden jungen Männer ist das Ziel klar: Ab Herbst wollen sie bei Witzenmann in eine Ausbildung starten. Das Unternehmen, das am Stammsitz 1.600 Mitarbeiter beschäftigt und derzeit 70 Azubis in zehn Lehrberufen ausbildet, hat dafür zwei Plätze reserviert, entschieden wird im Sommer.

Ziver Aktas spannt gerade ein neues Schlauchteil ein, es wird mit einem Schutz aus Kunststoff überzogen. Er strahlt. Auch wenn er sich in der Schule noch schwertut, so ist er sich doch sicher: „Bei Witzenmann bin ich richtig.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang