Arbeitswelt

Das Fitness-Studio im Schuh


Bei Poppe & Co. ist die Gesundheitsquote überdurchschnittlich gut

Gießen. Bitte die Strümpfe aus- und die Hose hochziehen. Dann barfuß einige Meter auf und ab. Stefan Größer (17), Auszubildender im ersten Lehrjahr bei Poppe & Co., befolgt die Anweisungen von Schuhtechniker Michael Staudt. Der Blick des Fachmanns gilt dem Vor- und Rückfuß von Stefan. „Du hast einen Hohlfuß“, stellt der Schuhtechniker sofort fest. „Das Kahnbein steht raus, die Zehen sind sehr gerade.“

Noch ge­nauer ist der Blick des Computers. Er scannt Stefans Füße. Schnell folgt die Diag­nose. „Einlagen werden helfen“, empfiehlt der Schuhtechniker. Stefan, der angehenden Elektroniker Fachrichtung Betriebstechnik, bekommt die orthopädischen Hilfen für seine Sicherheitsschuhe von seinem Arbeitgeber. Staudt: „Die Einlage wirkt wie ein Fitness-Studio im Schuh.“

Unterstützung bei der Fitness

Die Gesundheit der Mitarbeiter ist Poppe & Co. be­sonders wichtig. Deshalb arbeitet der Betrieb mit einem örtlichen Orthopädie-Fachgeschäft zusammen.

Das Unternehmen ist in der deutschen Kautschuk-Industrie kein Einzelfall: Der Krankenstand lag in 2008 im Durchschnitt aller Kautschukbetriebe bei 5,4 Prozent. Das hat der Arbeitgeberverband ermittelt. „Dieses Niveau haben wir seit Jahren“, sagt Verbandsinge­nieur Ulrich Kanz.

Dazu tragen auch die Ar­beitsmodelle und Entlohnungs-Systeme bei. Wenn in der Gruppenarbeit das Ge­samt­ergebnis honoriert wird, dann ziehen alle an einem Strang.

Oft unterstützen die Betriebe   die Mitarbeiter auch bei unterschiedlichsten Fitness-Aktivitäten, sponsern den Betriebssport mit Trikots, Startgeld oder Pokalen.

So auch Poppe & Co.: Engen Kontakt pflegt das Unternehmen zu vier Fitness-Studios in Gießen. „Insgesamt sparen un­sere Mitarbeiter 20 Prozent des Monatsbeitrages“, sagt Poppe-Personalleiter Jörg Reschke.

Das zahlt sich aus: Der Anteil der Muskel-Skelett-Erkrankungen ist in den letzten Jahren stark gesunken.

Gespräche rund um die Krankheit

Gespräche helfen, die Gründe für die Erkrankungen he­rauszufinden. „In einem Drei-Phasen-Modell werden die Krankheitsgespräche geführt“, sagt Personalchef Reschke. Nach längerer Krankheit eines Mitarbeiters  werden  die Krankheitsursachen ge­mein­sam mit Personalleitung, Be­triebsrat und Fachvorgesetztem ermittelt. Bei Poppe spricht man übrigens nicht von Krankenstand, sondern von Gesundheitsquote. Und die liegt im Schnitt bei 96 Prozent. 

Vorbeugen will auch Stefan Größer. Der Besuch beim Orthopädie-Schuhtechniker ergab, dass seine rechte Schulter  tiefer  steht.  Das  Fitness-Studio will er nun häufiger besuchen.

Werner Fricke

Info: Poppe & Co.

Das Unternehmen ist seit 1911 Partner für Profile, Schläuche ohne Einlage und Schlauchringe/Flachdichtungen. Als ein führender Hersteller von Produkten aus Kautschuk und Kunststoff produziert die Firma unter anderem für diese Branchen:  Auto-Zulieferindustrie, Elektro- und Sanitärtechnik, Sektional-Rolltore, Schienenfahrzeuge, Maschinenbau sowie erneuerbare Energien.

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