Innovation

Das fällt nur den Bayern ein


Hinter jedem Unternehmen steckt eine gute und erfolgreiche Idee

 

 

Erlangen/Gersthofen/Augsburg. Es beginnt nicht immer in einer Garage. Und es führt nicht immer zu so viel Erfolg wie bei Bill Gates und seiner Firma Microsoft. Aber jede kreative Geschäftsidee bringt frischen Wind – und schafft Jobs. In Deutschland sorgten laut Zahlen der KfW-Bank im vergangenen Jahr Existenzgründer für 582.000 neue Vollzeitstellen.

 

 

 

Jochen Volkert begann 2003 mit einem mutigen Schritt. „Ich habe mein ganzes Geld zusammengekratzt und ein Jahr lang vom Einkommen meiner Frau gelebt“, erzählt er von der Gründungszeit seiner Firma Promeos. „Das war ein heißer Ritt.“

 

 

 

Heute beschäftigt er in Erlangen zwei Dutzend Mitarbeiter.Sein Unternehmen verkauft vor allem sogenannte Gas-Porenbrenner an Industriebetriebe. Sie arbeiten ohne offene Flamme und erhitzen stattdessen mit einem glühenden Keramik-Schaum. Die Vorteile: Die Brenner sind flexibel formbar und erzeugen in der Fläche gleichmäßige Wärme.

 

 

 

Manche bringen es zum Weltmarktführer

 

 

 

Was die heißen Ideen angeht, macht den Bayern eben niemand etwas vor. Die Zahl der Gewerbe-Anmeldungen je Einwohner ist hier in den vergangenen Jahren gestiegen. Und sie liegt zudem stabil über dem Bundesdurchschnitt (siehe Grafik). Hinter den Ziffern stecken viele kleine Ein-Mann-Betriebe – aber auch Gründer der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, die mit kreativen Ideen erfolgreich sind.

 

 

 

 

 

 

 

„Für Gründer in der Industrie ist die Nische der Weg zum Glück“, beschreibt Volkert das Erfolgsrezept seiner Firma. Viele Mittelständler hätten es mit dieser Strategie schon zum Weltmarktführer geschafft. „Für den Massenmarkt aber können junge Unternehmen oft nicht schnell genug wachsen“, warnt er.

 

 

 

Die Cadcon-Gruppe im schwäbischen Gersthofen ist schon nicht mehr ganz so klein wie Promeos. Sie wurde 1997 von zwei Gründern mit einer Handvoll Angestellter aufgebaut. Heute zählt die Belegschaft fast 500 Mitarbeiter. Die entwickeln und bauen Anlagen und Maschinen. „Am Anfang hatten wir lange Zeit nur zwei Kunden“, erzählt Stephan Völk, Mitarbeiter der ersten Stunde und mittlerweile einer der Geschäftsführer. „Aus heutiger Sicht war das viel zu risikoreich“, sagt er. Sein Rat an junge Unternehmen: „Sich schnell um viele Standbeine bemühen.“

 

 

 

Auf die richtigen Leute kommt es an

 

 

 

Cadcon steht inzwischen auf mehreren Füßen. Die Kunden stammen aus verschiedenen Branchen – etwa aus der Automobil-Industrie, der Luft- und Raumfahrt und der Medizintechnik. Mit flexiblen Mitarbeitern kann das Unternehmen Auftragsschwankungen in einzelnen Bereichen gut auffangen. „Geeignete Leute zu finden, war für uns deshalb immer besonders wichtig“, sagt Völk.

 

 

 

Auch für die Firma Explido Webmarketing war es nötig, schnell an gutes Personal zu kommen. Das Unternehmen in Augsburg wurde 2002 von fünf Partnern gegründet – und hat mittlerweile 125 Mitarbeiter. Das Kerngeschäft der Firma sind Dienste rund ums Internet: Suchmaschinen-Optimierung, Nutzer-Analysen oder Beratung zur Online-Werbung.

 

 

 

„Die Bodenhaftung nicht verlieren“

 

 

 

„Wir sorgen dafür, dass möglichst viele Besucher auf die Seiten unserer Kunden kommen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Matthias Riedle. „Und dort sollen sie nach Möglichkeit auch lange bleiben, sich wohlfühlen und viel einkaufen.“ Zu den Auftraggebern gehören zum Beispiel der Fahrzeug-Hersteller Audi, der Mobilfunk-Anbieter O2 und die Elektronikmarkt-Kette Conrad.

 

 

 

„Wir arbeiten in einer Wachstumsbranche“, sagt Chef Riedle. Wirtschaftlich schlechte Zeiten hat er bislang noch nicht erlebt. Es ging immer nur aufwärts. Aber darin liege auch eine Gefahr. „Man darf als junges Unternehmen nicht die Bodenhaftung verlieren und zu schnell wachsen – selbst wenn der Markt es hergibt“, rät der Unternehmer.

 

 

 

In einer wachsenden Firma sei es wichtig, Mitarbeiter häufiger selbst entscheiden zu lassen. Ein Chef von Hunderten Mitarbeitern könne nicht mehr wie in einem kleinen Team alles an sich ziehen – sonst habe man keine Zeit mehr für die strategischen Fragen. „Wir Gründer mussten lernen, Aufgaben abzugeben“, sagt Riedle.

 

 

 

 

 

INFO SELBSTSTÄNDIGKEIT

 

 

Deutsche sehen die Selbstständigkeit bisher eher kritisch. So lautet das Ergebnis des „Global Entrepreneurship Monitor 2010“, eines internationalen Existenzgründer-Vergleichs, der sich auf statistische Daten und Umfragen stützt.

 

 

 

● 2010 hatten in Deutschland 4,2 Prozent aller 18- bis 64-Jährigen innerhalb der vergangenen dreieinhalb Jahre ein Unternehmen gegründet oder standen gerade kurz davor. Damit liegt Deutschland unter 22 entwickelten Ländern auf Rang 18.

 

 

 

● Ein Viertel der Gründer gab an, den Schritt aus Mangel an einer Arbeitsalternative gemacht zu haben. Das ist im internationalen Vergleich ein Wert im oberen Drittel.

 

 

 

● Frauen waren zögerlicher als Männer. Sie gründeten nur rund jedes dritte Unternehmen. Deutschland liegt damit im Mittelfeld der Nationen.

 

 

 

● 44 Prozent der Deutschen fürchten, an einer möglichen Selbstständigkeit zu scheitern. In Griechenland, Spanien und Italien ist die Skepsis noch größer.

 

 

 

● Immerhin gut die Hälfte der befragten 18- bis 64-jährigen Deutschen beurteilt eine Unternehmensgründung als „attraktive berufliche Perspektive“.

 

 

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