Standpunkt

Das Ende eines Reizthemas


Die jahrelange Knappheit bei den Lehrstellen: vorbei!

Die Trendwende am Ausbildungsmarkt ist da. Nach zwei in etwa ausgeglichenen Jahren wurde aus der Lehrstellen- jetzt eine Bewerberlücke. Für die jungen Leute, die in absehbarer Zeit mit der Schule fertig sind, ist das eine gute Nachricht.

Als Spätfolge des Geburtenrückgangs sind es künftig die Betriebe, die um die Azubis wetteifern. Zumal zur Bewerber- eine wachsende Reifelücke erschwerend hinzukommt.

Schon 2009 konnte – bei nur geringem Überhang des Platzangebots – jeder fünfte Betrieb nicht alle Stellen besetzen, melden die Industrie- und Handelskammern. Jeder zweite beklagt inzwischen Ausbildungshemmnisse. Etwa einen Mangel an schulischem Können, an Leistungsstreben, Belastbarkeit und Einordnungsbereitschaft.

Und trotzdem: Von so manch einem, der es besser wissen müsste, wird die Situation verkannt.  Edeltraud Glänzer etwa, zuständiges Vorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, spricht im alten Trott von einer „dramatischen Lage am Ausbildungsmarkt“ – aus Bewerbersicht wohlgemerkt.

Dabei beruft sie sich auf Juli-Daten der Bundesagentur für Arbeit: 405.639 „betriebliche Ausbildungsplätze“ bei 511.228 „gemeldeten Bewerbern“.

Dazu sollte man wissen: Nur 60 Prozent der Firmen melden ihre freien Plätze der Behörde. Deshalb wurden bei vergleichbarer Julizahlenlage in den Vorjahren am Ende stets über 550.000 Ausbildungsverträge geschlossen. Ausdrücklich warnt die Behörde davor, die Monatsdaten voreilig zu interpretieren: „Aus der Entwicklung der rechnerischen Differenz zwischen gemeldeten Bewerbern und gemeldeten unbesetzten Ausbildungsplätzen lässt sich nicht unbedingt schließen, ob der Markt enger oder entspannter wird.“

Frau Glänzer zieht trotzdem ihre Schlüsse. Und wirft den Kammern „Zahlenspielerei“ vor, wenn diese für 2010 schon 50.000 unbesetzt bleibende Ausbildungsplätze voraussagen. „Positivmeldungen vom Lehrstellenmarkt“, meint sie, „müssen jungen Menschen, die sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, wie Hohn vorkommen.“

Ginge es ihr wirklich um die Betroffenen, würde sie ihnen Mut zusprechen – etwa so: „Liebe Bewerber, gebt nach ein paar Absagen nicht gleich auf, es gibt noch viele freie Plätze!“ Aber im Pflichtenheft der Vorstandsdame steht nun mal Unternehmensschelte.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Ausbildung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang