Ein Global Player mit Herz

Das Chef-Interview mit Manfred Bender von Pfeiffer Vacuum in Aßlar

Ob beim Verpacken von Kaffee oder in der Halbleiter-Industrie: Überall dort wird ein Vakuum benötigt. AKTIV sprach darüber mit Manfred Bender, Chef von Pfeiffer Vacuum in Aßlar. Wie man mit Leere Geld verdient.

Gibt alles für den luftleeren Raum: Manfred Bender mit einer gerade fertig montierten Vakuumpumpe. Foto: Sandro

Gibt alles für den luftleeren Raum: Manfred Bender mit einer gerade fertig montierten Vakuumpumpe. Foto: Sandro

Erfolgsfaktor Mensch: Manfred Bender im Gespräch mit Mitarbeitern. Foto: Sandro

Erfolgsfaktor Mensch: Manfred Bender im Gespräch mit Mitarbeitern. Foto: Sandro

Manfred Bender an der Galerie zur Produktion: „Vakuumtechnologie ist unser Kerngeschäft.“ Foto: Sandro

Manfred Bender an der Galerie zur Produktion: „Vakuumtechnologie ist unser Kerngeschäft.“ Foto: Sandro

Aßlar. Sie geben alles für den luftleeren Raum: die rund 2.400 Mitarbeiter weltweit von Pfeiffer Vacuum in Aßlar. Allen voran ihr Chef. AKTIV traf Manfred Bender, Vorstandsvorsitzender des an der Deutschen Börse notierten Spezialisten für Maschinen und Pumpen, die ein Vakuum erzeugen, zum Interview.

Auf Ihrer Homepage steht als Erstes: „Vakuum fürs Leben“. Brauchen wir wirklich luftleeren Raum?

Ja klar. 24 Stunden am Tag kommen wir alle mehr oder weniger direkt mit Vakuumtechnologie in Berührung. Es ist auch für mich immer wieder beeindruckend, wo unsere Technik überall im Einsatz ist.

Wo zum Beispiel?

Ein Vakuum wird beim Herstellen eines Spiegels, bei der Analyse von Trinkwasser, der Beschichtung einer Armatur, beim Verpacken von Kaffee, beim Testen von Airbags und natürlich in der Halbleiter-Industrie benötigt. Ohne Vakuumtechnik gäbe es keine Handys und keine modernen Bildschirme. Auch in der Forschung sind wir dabei, von der Krebstherapie bis zur Kernfusion.

Und diese Entwicklung kommt Pfeiffer Vacuum zugute?

Wir entwickeln und produzieren Pumpen und komplette Systeme, mit denen man ein Vakuum erzeugen kann. Und diese Maschinen werden mit fortschreitender Technik in der ganzen Welt immer mehr gebraucht. Also stehen wir gut da, konnten 2016 wieder ein gutes Ergebnis abliefern. Mit etwa 2.400 Mitarbeitern weltweit, davon fast 750 in Aßlar, haben wir unseren Umsatz um etwa 5 Prozent steigern können, auf rund 474 Millionen Euro. Wir arbeiten hart, glauben an uns und entwickeln die Produkte in enger Kooperation mit unseren Kunden. Das sind wichtige Erfolgsfaktoren.

Haben Sie keine Probleme?

Die Volatilität, das Auf und Ab am Markt, ist für uns eine große Herausforderung. 2016 zum Beispiel war die Nachfrage anfangs schwach. Das bereitete uns schon Bauchschmerzen. Wir haben dann den Druck rausgenommen und einfach normal weiterproduziert. Unser Mut zum Risiko zahlte sich aus, da plötzlich viele auf einmal bestellten und wir nur liefern konnten, weil wir vorproduziert hatten.

Welche Rolle spielt bei Ihnen der Mensch?

Ohne den Menschen geht bei uns gar nichts. Er ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. Wir setzen auf eine gute Qualifikation gepaart mit Erfahrung, Intuition und sozialen Kompetenzen. Bei uns gibt es viele Freiheiten, nicht nur bei den Arbeitszeiten. Man kann gut Ideen entwickeln, Vorschläge machen und Neues ausprobieren. Und man steht zu seinem Wort. Jeder weiß: Was zugesagt wird, gilt. Das war schon so, als ich vor 19 Jahren hier angefangen habe, und ich versuche, diesen Geist aufrechtzuerhalten.

Bekommen Sie denn noch ausreichend Nachwuchs?

Wir haben in der Region einen sehr guten Ruf. Viele junge Menschen bewerben sich um einen Ausbildungs- oder dualen Studienplatz. Und wer einmal da ist, bleibt in der Regel auch. Wir haben lange Betriebszugehörigkeiten, und die Mitarbeiter stehen loyal zu Pfeiffer Vacuum.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Wir wollen weiter wachsen. Wir haben gerade zwei spannende Unternehmen übernommen, Dreebit in Dresden, ein Spezialist für webbasierte Lösungen zur Optimierung der Serviceprozesse in Industrie und Forschung im Bereich der Vakuumtechnologie, und ATC in Indianapolis, USA, um uns als Marktführer im Bereich der zerstörungsfreien Prüfung zu etablieren. Zudem investieren wir kräftig in unsere Standorte, um unsere Kapazitäten auszubauen. Denn, wie schon gesagt, die Nachfrage steigt.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?

Ich bin begeisterter Familienvater und glaube an die Zukunft. Wir alle müssen dafür sorgen, dass auch unsere Kinder hier noch gute Arbeit finden. Und wir müssen unsere Werte bewahren. Wir leben in einer freien Gesellschaft, können uns frei entwickeln, die meisten haben einen Job und ihr Auskommen. Kurz gesagt: Es geht uns gut. Und das gilt es für die Zukunft bewahren.

Zur Person

Manfred Bender

  • 1965 in Gießen geboren, verheiratet, zwei Kinder
  • Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Gießen/Friedberg
  • Danach Tätigkeit in einem international agierenden Konzern in IT und verschiedenen kaufmännischen Bereichen
  • 1998 Wechsel zu Pfeiffer Vacuum als Direktor für Finanzen und Controlling
  • 2004 Finanzvorstand
  • 2007 Vorstandsvorsitzender

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