Keine Angst vorm Fliegen

Das Chef-Interview mit Christoph Ubach von Diehl Aerospace

Ob Airbus oder Boeing: Flugzeughersteller setzen auf die Komponenten von Diehl Aerospace in Frankfurt. AKTIV sprach mit Standortleiter Christoph Ubach über die Liebe zur Luftfahrt und den Standort Deutschland.

Komplettsystem: Christoph Ubach an der größten Flugzeugtür der Welt, einer Tür für den Airbus A380. Foto: Scheffler

Komplettsystem: Christoph Ubach an der größten Flugzeugtür der Welt, einer Tür für den Airbus A380. Foto: Scheffler

Entwicklungsarbeit: Diskussion über das neue Cockpit Display System CDS. Foto: Scheffler

Entwicklungsarbeit: Diskussion über das neue Cockpit Display System CDS. Foto: Scheffler

Produktion: Die Elektroniker Rolf Winter und Boris Weinsheimer (links) überprüfen Baugruppen für einen Cockpit-Rechner. Foto: Scheffler

Produktion: Die Elektroniker Rolf Winter und Boris Weinsheimer (links) überprüfen Baugruppen für einen Cockpit-Rechner. Foto: Scheffler

Frankfurt. Diehl Aerospace ist ein Partner der internationalen Luftfahrt-Industrie und gilt mit 1.300 Mitarbeitern bundesweit als Technologieführer für viele elektronische Systeme und Komponenten, die in einem Flugzeug gebraucht werden, vom Cockpit bis zur Kabine.

AKTIV war zu Gast bei Christoph Ubach, Standortleiter von Diehl Aerospace in Frankfurt und Chef von rund 400 Mitarbeitern.

Herr Ubach, haben Sie keine Angst vorm Fliegen?

Nein, noch nie gehabt. Ganz im Gegenteil. Mein Herz schlägt schon immer für die Luftfahrt, und das hat auch meine berufliche Entwicklung stark beeinflusst. Ein kurzer Ausflug in die Maschinenbaubranche hat mich übrigens ganz schnell wieder zur Fliegerei zurückgebracht und hierher zu Diehl Aerospace.

Was ist das Besondere an der Arbeit bei Diehl Aerospace?

Wir entwickeln und produzieren Systeme und Baugruppen für Flugzeughersteller wie Airbus, Boeing und Embraer. Wir sind der Technologieführer, zum Beispiel beim Türsteuerungs- und Überwachungssystem der A350 oder der A380. Auch bei der Kabinenbeleuchtung sind wir führend. Mit dem farbigen LED-System im Boeing Dreamliner lässt sich sogar der Jetlag beeinflussen. Unser Renner sind die Cockpit-Rechner. Sie unterstützen die Piloten beim Steuern des Flugzeugs. Da muss einfach alles funktionieren, weil davon Menschenleben abhängen können. Und das ist jedem Mitarbeiter bewusst.

Das ist sicher nicht immer einfach …

Nein, aber diese Herausforderung nehmen hier eigentlich alle gern an. Etliche sind schon viele Jahre dabei, manche 30 oder sogar 40 Jahre. Fast alle haben eine abgeschlossene Ausbildung, sehr viele sind Techniker, Meister und Ingenieure.

Wie klappt es mit dem Nachwuchs?

Noch finden wir neue Mitarbeiter, weil die Luftfahrt einen besonderen Reiz hat, aber es wird schwieriger. Wir bilden selbst aus und haben 2016 das Projekt „Wissenstransfer“ gestartet, damit das bestehende Know-how besser ausgetauscht wird, über alle Abteilungsgrenzen hinweg, aber auch zwischen Alt und Jung. Unser Wissen ist unser Kapital, und es darf nicht verloren gehen, zum Beispiel, weil Menschen in den Ruhestand wechseln.

Warum ist das so wichtig?

Wenn wir Technologieführer bleiben wollen und auch in Zukunft am Standort Deutschland produzieren möchten, geht das nur durch unser Know-how. Qualität, Flexibilität, Produktivität – all das ist eng damit verknüpft. Wir stehen unter enormem Kostendruck, denn den Flugzeugherstellern ist es völlig egal, wo ihre Zulieferer entwickeln und produzieren. Bei den Entwicklungskosten gehen wir aber in Vorlage und verdienen erst, wenn sich ein Flugzeug dann auch gut verkauft.

Darauf haben Sie aber wenig Einfluss, oder?

Leider. Nehmen Sie den Airbus A380. Er gehört zu den leisesten Flugzeugen überhaupt und ist bei den Passagieren sehr beliebt. Vielen Airlines ist aber der Treibstoffverbrauch zu hoch. Für die Tür der A380 waren wir erstmals als Systemanbieter unterwegs, haben die wesentlichen Komponenten entwickelt, vom „Auf“ und „Zu“ über die Notstromversorgung bis zu dem elektronischen System, das bei Bedarf automatisch die Notrutsche im richtigen Winkel ausfährt. Für so eine Entwicklung legt man schnell ein paar Millionen Euro vor. Deshalb würde ich mir wünschen, dass das Flugzeug mehr verkauft würde.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Unter anderem an einem Kabinenmanagement-System, das per Touch-Pad bedient wird und über das man sehen kann, ob die Toiletten noch okay sind, die Frischwasserversorgung noch ausreicht oder auch welcher Passagier sich gerade per App eine Currywurst bestellt hat.

Wo sehen Sie für die Zukunft die größte Herausforderung?

Die Welt und die Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld sind so enorm schnelllebig geworden. Schon übermorgen müssen wir ganz andere Dinge können als heute. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen im Hochlohnland Deutschland den Standort mit sicheren Jobs zu halten, ist schon eine Herausforderung, die wir nur bewältigen, wenn alle an einem Strang ziehen.


Zur Person

  • 1964 geboren in Cochem an der Mosel, zwei Kinder
  • Ausbildung zum Flugzeugmechaniker
  • Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen und berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre
  • 2010 Eintritt bei Diehl Aerospace in Frankfurt als Produktionsleiter
  • Seit 2013 Standortleiter Diehl Aerospace in Frankfurt
  • Er ist ehrenamtlich aktiv u. a. im Tarifpolitischen Ausschuss von Hessenmetall

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