Spezialist für Wasserleitungen

Das Chef-Interview bei Duktus: „Politiker sollten mehr Vertrauen in Unternehmer haben“

Besuch in der Welt des glühendes Eisens: Im Chef-Interview verrät Stefan Weber, Geschäftsführer von Duktus in Wetzlar, was den Reiz der Gießerei-Industrie ausmacht. Und er spricht Klartext in Richtung Politik.

Sorgt für anspruchsvolle Rohrleitungssysteme in der ganzen Welt: Stefan Weber. Foto: Scheffler

Sorgt für anspruchsvolle Rohrleitungssysteme in der ganzen Welt: Stefan Weber. Foto: Scheffler

Große Investition: Doreen Koppel und ­Stefan Weber vor dem neuen Kupolofen im Schmelzbetrieb. Foto: Scheffler

Große Investition: Doreen Koppel und ­Stefan Weber vor dem neuen Kupolofen im Schmelzbetrieb. Foto: Scheffler

Zwischenstopp: Das glühende Rohr kann erst nach Stunden weiterverarbeitet werden. Foto: Scheffler

Zwischenstopp: Das glühende Rohr kann erst nach Stunden weiterverarbeitet werden. Foto: Scheffler

Wetzlar. Offener Hemdkragen, lockerer Auftritt. Stefan Weber wirkt entspannt beim Gespräch mit Aktiv. Er ist Geschäftsführer von Duktus in Wetzlar, mit 300 Mitarbeitern einer der größten europäischen Anbieter von Rohrsystemen aus duktilem Guss – sie sind gusseisern und dennoch flexibel.

In Ihrer Welt geht es um glühendes Eisen. Ist das nur was für harte Männer?

Wenn man täglich mit den Grundelementen des Lebens zu tun hat, mit Feuer, Wasser, Erde und Luft, flößt einem das schon Respekt ein. Aber man muss kein harter Kerl sein, um hier zu arbeiten. Unser Geschäft ist von Männern dominiert, aber es begeistern sich auch Frauen für diese Arbeit. Die Leitung des Schmelzbetriebs hat zum Beispiel die Gießerei-Fachingenieurin Doreen Koppel.

Von der Industrie 4.0 sind Sie weit entfernt, oder?

Unsere Basis ist eher die Industrie 1.0. Das Erschmelzen von Eisen geht zurück bis in die Anfänge der Menschheit. Bis heute ist in einer Gießerei nichts bis ins letzte Detail berechenbar. Witterungsbedingungen wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit nehmen Einfluss auf den Guss. Es gibt keine Stücklisten als Basis für den Einsatz von Robotern, sondern hier geht es viel um das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter.

Klingt nicht sehr innovativ.

Innovativ sind wir vor allem im Anwendungsbereich. In Europa ist für unsere Branche kaum mehr Wachstum möglich, und die Situation wichtiger Abnehmerstaaten in Nordafrika oder dem Mittleren Osten für Trinkwasseranlagen ist schwierig. Wachstumspotenzial ist da, aber man braucht Durchhaltevermögen. Also bieten wir anspruchsvolle Lösungen für Rohrleitungssysteme, von der Wasserversorgung in der Wüste bis zur Turbinenleitung für Wasserkraftwerke oder für industrielle Abwässer. Für Kunden schnüren wir individuelle Gesamtpakete, und wir arbeiten an Spezialbeschichtungen, die das Material schützen.

Welche Rolle spielen da die Mitarbeiter?

Wir bieten wesentlich mehr Beratung als alle Wettbewerber. Also brauchen wir qualifizierte Mitarbeiter, die Lösungen verkaufen, während die anderen diese Lösungen umsetzen und für Innovationen sowie Produktivität und Qualität in der Fertigung sorgen.

Haben bei Ihnen nur gut Qualifizierte eine Chance?

Nein. Gerade in der Gießerei haben wir viele An- und Ungelernte und einen bunten Mix an Nationalitäten. Wir betreiben großen Aufwand, um sie anzulernen und fortzubilden. Auch sie leisten ihren Beitrag zur Produktivität. Viele mögen unsere raue Welt und sind über Generationen bei uns.

Wollten Sie schon immer in die Gießerei-Industrie?

Ich startete in der Chemie-Industrie und kam 2006 hierher. Damals war das noch die Buderus Gießerei. Der Kontrast von der sauberen Chemie zu einem Gießereibetrieb hätte größer kaum sein können. Aber ich wollte für anschaulichere Produkte verantwortlich sein.

Wie war der Weg von Buderus zu Duktus?

Vom Konzern zum eigenständigen Unternehmen mit Investoren? Nicht einfach. Veränderungen sind immer eine Herausforderung, aber ich nehme die gerne an. Wirklich schwierig ist es aber, so ein archaisches Produkt noch in Deutschland herzustellen, mit all den Widrigkeiten, den vielen Regulierungen und der Kostenstruktur, nicht zuletzt den extremen Energiekosten.

Wie ginge es besser?

Politiker sollten mehr Vertrauen in die Menschen haben. Deshalb weg mit Regulierungen, die die Arbeit nur schwerer machen. Wenn ich Mitarbeiter schlecht behandele, spricht sich das rum, und ich finde keine neuen, egal was ein Gesetz vorgibt. Ein Unternehmen ist nie fertig, es verändert sich ständig. Diese Veränderungen zu begleiten, manchmal auch anzustoßen, ist meine Aufgabe.

Warum engagieren Sie sich beim Arbeitgeberverband Hessenmetall?

Als Verband kann man viel mehr erreichen. Und wenn ich hinter etwas stehe, mache ich das mit vollem Einsatz. Also wurde ich bei Hessenmetall unter anderem Vorsitzender der Bezirksgruppe Mittelhessen und Mitglied des Landesvorstands. So kann ich dann auch mal einem Ministerpräsidenten sagen, was mir stinkt.

Wie schalten Sie ab?

Bei meiner Frau, in der Familie, beim Laufen in der Natur und neuerdings auch beim Tanzen.

     


Zur Person

  • 1967 in Würzburg geboren, verheiratet, Vater von drei Kindern
  • Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann
  • Geschäftsführer von Duktus
  • Mitglied im Vorstand des Arbeitgeberverbands Hessenmetall, Vorsitzender des M+E-Beirats und Vorsitzender der Bezirksgruppe Mittelhessen.

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