Besuch beim Spezialchemie-Experten Cabb

Darum ist Monochloressigsäure ein echtes Multitalent

Gersthofen. Futuristisch sieht es aus in der Produktion des Spezialchemie-Unternehmens CABB in Gersthofen: Bunte Rohrleitungen durchziehen die mehrstöckigen Gebäude. 200 Mitarbeiter produzieren hier 50.000 Tonnen Monochloressigsäure (MCE) pro Jahr.

Von dem Stoff selbst sieht und riecht man nichts, die Produktion läuft komplett automatisiert ab. Selbst bei der Abfüllung kommt die Belegschaft nicht mit der Substanz in Kontakt.

Diese Vorsichtsmaßnahme ist wichtig: Das Produkt ist gesundheitsschädlich, riecht stechend nach Essig und muss als Gefahrgut ausgewiesen werden. Doch der reaktionsfreudige Stoff ist in der Industrie begehrt: „MCE ist ein wichtiges Zwischenprodukt für die Herstellung verschiedenster Chemikalien“, erklärt Rainer Schaller, Werkleiter bei CABB.

Hier erweist sich die Säure als echtes Multitalent. Mit ihrer Hilfe entstehen zum Beispiel Medikamente, künstliches Koffein für Softdrinks oder pflegende Zusätze (Betaine) für Babyshampoos. Sie steckt aber auch als Bindemittel in Farben und Kleister oder verdickt Lebensmittel wie Eis oder Salatdressings. Die ebenfalls in Gersthofen aus dem Rohstoff hergestellte Glykolsäure benötigt man für Antifaltencremes und Reiniger.

Die Herstellung konnte am Standort ökologisch und ökonomisch optimiert werden

In den Endprodukten ist der Ausgangsstoff nicht mehr enthalten: Er wird bei der Verarbeitung komplett in andere Verbindungen umgesetzt. Zu Recht ist man am Standort stolz auf die Herstellung der nicht einfachen Chemikalie. Sie ist in einen ökologisch und ökonomisch optimierten Verbund integriert.

Das Verfahren erklärt Schaller so: „Zunächst brauchen wir Kochsalz und Strom für die Elektrolyse.“ Im ersten Schritt wird das Salz in Wasser gelöst, im zweiten die Sole gereinigt. „Anschließend wird die Lösung mithilfe der Elektrolyse in die Stoffe Chlor, Natronlauge und Wasserstoff zerlegt.“

Aus dem Chlor und zugekaufter Essigsäure entsteht die Monochloressigsäure. Wasserstoff und Natronlauge werden für weitere Syntheseschritte genutzt oder verkauft.

Auch Fichtennadel-Duft kommt aus Gersthofen

In großen Bahnkesselwagen verlassen neben der Säure rund 12.000 Tonnen Sonderprodukte das Werk. Etwa organische Chlorverbindungen, die man als Konservierungsstoff einsetzt. Oder Isobornylacetat: Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich „Fichtennadel“: „Dieser Duftstoff für Waschmittel oder Badezusätze entsteht aus einer Reaktion von Essigsäure mit Camphen“, erklärt Schaller. Er wird vor Ort aus einem Bestandteil von ätherischen Ölen, die in der Natur in Nadelbäumen vorkommen, synthetisiert.


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