Gießerei steht unter Strom

Darum braucht die Saulgauer Eisenhütte die Entlastung bei der Ökostrom-Umlage

Bad Saulgau. Es dauert nur etwa eine Stunde, bis in einem der beiden Elektroschmelzöfen der Saulgauer Eisenhütte vier Tonnen Schrott geschmolzen sind. Über 1.400 Grad heiß ist das flüssige Eisen. Um das zu schaffen, werden 2.600 Kilowattstunden Strom benötigt.

Das ist so viel, wie ein vierköpfiger Haushalt im ganzen Jahr verbraucht. Das Werk gehört, wie die anderen drei Standorte von Claas Guss, zu den Betrieben, die besonders viel Energie benötigen. Sie bekommen deshalb bei der Ökostromumlage einen Rabatt, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Doch die Ermäßigung ist heftig umstritten, weil Verbraucher und andere Unternehmen sie mitbezahlen müssen. Und die EU hat die Regelung im Visier, weil sie darin eine unzulässige staatliche Vergünstigung sieht.

Rabatt ist entscheidend für den Erhalt der Arbeitsplätze

Die Ökostrom- oder EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) wurde im Jahr 2000 eingeführt. Damit will die Politik den Ausbau von Energie aus Wind und Sonne vorantreiben.

Für einen Mittelständler wie Claas Guss mit knapp 500 Mitarbeitern, 100 davon im oberschwäbischen Bad Saulgau, ist der Rabatt allerdings lebensnotwendig. Klaus-Peter Knoll, in der Firmengruppe für Umwelt und Energie zuständig, rechnet vor: „Ohne die Vergünstigung müssten wir unsere Preise um 3 bis 3,5 Prozent erhöhen. Das werden wir am Markt nicht durchsetzen können.“

Denn die Konkurrenz im Ausland, egal ob in der Türkei, Indien, Frankreich oder den USA, kann billiger produzieren, weil die Energiekosten dort viel niedriger sind. EU-weit zahlen laut Europäischer Statistikbehörde Großverbraucher nur in Zypern und Dänemark mehr als in Deutschland. In den USA sind die Industriestrompreise nicht einmal halb so hoch wie bei uns.

Die Saulgauer Eisenhütte verbraucht pro Jahr über zehn Gigawattstunden Strom und musste dafür 2013 fast 1,7 Millionen Euro ausgeben. Das sind über 14 Prozent aller Kosten und mehr als 10 Prozent des Umsatzes.

Da macht sich jeder zehntel Cent Erhöhung für die Kilowattstunde gewaltig bemerkbar. Schon seit 2008 seien die Preise um fast ein Viertel gestiegen, so Knoll. Das liegt vor allem an den immer höheren Abgaben und Steuern.

Energieverbrauch soll um 4,5 Prozent sinken

Das Unternehmen sucht deshalb nach Wegen, um seinen Energieverbrauch zu senken. So soll in Bad Saulgau eine neue Steuerung der beiden Schmelzöfen 3 bis 4 Prozent einsparen. Und ein neues Energiemanagement-System, mit dem überall in der Produktion von Claas Guss festgestellt werden kann, wie viel Strom zu welchem Zeitpunkt verbraucht wird, soll weitere Einsparungen ermöglichen. 4,5 Prozent in den kommenden drei Jahren für alle Standorte sind das Ziel.

Doch trotz aller Einsparungen kann die Gießerei nicht auf die Entlastung bei der Umlage verzichten. „Würde die wegfallen, müssten wir wohl noch weiter rationalisieren, und das ginge wieder zulasten der Beschäftigten“, meint Knoll. Und das könne ja nicht im Sinne der Politiker sein.


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