Aus Afrika ins Allgäu

Dank des IdA-Projekts: Nigerianer qualifiziert sich bei Thöni für eine Ausbildung

Vinzent Eruotor will Maschinenführer werden. Er startete als Hilfskraft beim Gießereifachbetrieb Thöni. Nun wird er dort auf eine Lehre vorbereitet. Die Initiative „Integration durch Ausbildung und Arbeit“ (IdA) unterstützt ihn dabei.

Eifrig: Vor den Aluminium-Halden übt Vinzent Eruotor Staplerfahren. Foto: Puchner

Eifrig: Vor den Aluminium-Halden übt Vinzent Eruotor Staplerfahren. Foto: Puchner

Verstehen sich dank Wörterbuch: Geschäftsführer Ernst Pernklau mit dem Flüchtling. Foto: Puchner

Verstehen sich dank Wörterbuch: Geschäftsführer Ernst Pernklau mit dem Flüchtling. Foto: Puchner

Sprechen über seine Heimat: Der Nigerianer und IdA-Navigatorin Alina Dajnowicz. Foto: Puchner

Sprechen über seine Heimat: Der Nigerianer und IdA-Navigatorin Alina Dajnowicz. Foto: Puchner

Kempten. Roter Helm, Arbeitshandschuhe, festes Schuhwerk. So kurvt Vinzent Eruotor jeden Morgen erst einmal eine halbe Stunde auf dem Werkgelände herum: Das muss sein – zum Üben. Der 30-jährige Flüchtling aus Nigeria hat gerade den Gabelstapler-Führerschein gemacht. Die Firma Thöni in Kempten hat ihm das ermöglicht. Auch den Deckenkran in der Werkhalle kann der junge Mann aus Westafrika schon sicher bedienen.

Der Gießereifachbetrieb stellt am Standort Kempten mit etwa 50 Mitarbeitern Aluminiumbolzen her, aus denen zum Beispiel feine Metallprofile für den Automobil- und den Maschinenbau werden. Und er unternimmt einiges, um den Flüchtling zu unterstützen.

IdA-Navigatoren vermitteln zwischen Firma und Behörden

Das Ziel ist eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer, sie soll im Herbst beginnen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Auf diesem Weg begleitet Alina Dajnowicz den Flüchtling und die Firma Thöni. Als eine von sieben IdA-Navigatoren unterstützt sie Unternehmen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen – im Rahmen des Projekts „IdA 1.000“, das innerhalb des Programms „Integration durch Ausbildung und Arbeit (IdA)“ läuft.

Das Programm wurde vor gut einem Jahr aufgelegt: von den bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbänden bayme und vbm, der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sowie der Staatsregierung.

Ein erster Schritt für Eruotor hin zu einer Ausbildung ist, noch besser Deutsch zu lernen. Die Firma Thöni schickt ihn dazu auf Intensivkurse. „Zwei Wochen am Stück, das bringt schon was“, so Geschäftsführer Ernst Pernklau. Zudem hat man für den neuen Mitarbeiter alle wichtigen Arbeitsmittel fotografiert, auf Deutsch beschriftet und in Folie gebunden: Das selbst gemachte Nachschlagewerk ist immer griffbereit.

„Ein Bett und zwei Stühle, mehr hatten wir erst nicht“

Eruotor, ein Christ, kam 2014 nach Deutschland, mit seiner Frau Helen. Er flüchtete aus Nord-Nigeria, nachdem Terroristen seinen Vater getötet hatten. In der Region wütet die islamistische Terrorgruppe Boko Haram, die Christen sowie Muslime, die sich gegen die Terroristen stellen, verschleppt oder ermordet. Mehr als zwei Millionen Nigerianer sind auf der Flucht, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Eruotor hatte Glück: Er schaffte es bis nach Deutschland und wohnt jetzt in einer kleinen Wohnung im Allgäu.

Dort hat er Freunde und eine Arbeit gefunden. „Ein Bett und zwei Stühle, mehr hatten wir am Anfang nicht“, sagt der Vater von zwei kleinen Kindern, die beide hier geboren sind. Im Juli 2016 startete er bei Thöni, zunächst als Hilfskraft. „Herr Eruotor hat sich so gut entwickelt, dass wir ihn behalten und weiter qualifizieren wollen“, so Geschäftsführer Pernklau.

Doch das ist gar nicht so einfach. Viele bürokratische Hürden gilt es hier zu nehmen. Das weiß IdA-Navigatorin Alina Dajnowicz nur allzu gut. Sie berichtet: „Zuerst habe ich Kontakt zur Ausländerbehörde aufgenommen und die Firma dann beraten, welche Fördermöglichkeiten es gibt.“

Vorschriften, Stempel, Formulare: Der Vorgang füllt auch in der Thöni-Personalabteilung einen dicken Ordner. Das fängt bei der Aufenthaltserlaubnis an – das Asylverfahren ist noch in der Schwebe – und reicht bis zur Steueridentifikationsnummer. Die wäre für die Einordnung in die für Familien günstigere Steuerklasse 3 nötig. Was das Amt mangels Ausweispapieren bisher nicht ermöglicht.

„Die Behörden arbeiten nicht immer koordiniert, das ist aus meiner Sicht das Problem“, klagt Eruotors Chef Pernklau. Trotzdem ist er zuversichtlich: „Wir kriegen das alles schon hin.“ Er braucht Leute, die zupacken können, und lässt sich nicht entmutigen.

Der engagierte Nigerianer passt gut in die Firma – und zeigt durch seine aufgeschlossene Art, wie Integration trotz anfänglicher sprachlicher Hürden gelingen kann. Jüngst hat Pernklau einen weiteren Flüchtling eingestellt, dieses Mal aus Pakistan.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Eigentlich bin ich Maler. In Nigeria gab es in diesem Beruf Arbeit für mich. Zu Thöni kam ich zunächst als Hilfskraft.

Was motiviert Sie?

Im Herbst will ich eine Ausbildung in der Gießerei machen. Daher beschäftige ich mich mit Metall und habe schon einiges über die Abläufe hier gelernt.

Worauf kommt es im Job an?

Ein respektvoller Umgang miteinander ist wichtig. In der Firma sind viele Nationalitäten angestellt. Wir helfen uns gegenseitig.


Mehr zum Thema:

Über eine Million Flüchtlinge sind nach Deutschland gekommen. Welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt? Wie engagieren sich Betriebe und Verbände, damit aus Fremden Kollegen werden? Was bedeutet die Zuwanderung für die Staatsfinanzen?

aktualisiert am 15.12.2017

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