Härte und Elastizität bei Wind und Wetter

Damit Windräder lange halten: Leuna-Harze liefert Epoxidharze

Leuna. Sachsen-Anhalt ist Windkraftland. Mehr als 2.500 Windmühlen produzieren hier Strom. Sie liefern fast 30 Prozent der in dem Bundesland erzeugten elektrischen Energie. Und sie sorgen dort für Jobs: etwa am Magdeburger Produktionsstandort des Herstellers Enercon, wo mehr als 3.000 Mitarbeiter solche Anlagen fertigen – aber auch beim Unternehmen Leuna-Harze.

Denn dessen knapp 200 Beschäftigte stellen für die Rotorblätter der Windkraftanlagen wichtige Vorprodukte her – Epoxidharze. „Je nach Typ enthält so ein Blatt rund neun Tonnen Kunstharz“, berichtet Klaus-Peter Kalk (60), Operativer Leiter des Unternehmens.

Rotorblätter bestehen aus mehreren Lagen von Glas- oder Kohlenstofffasern, erklärt er. „Die werden mit Epoxidharzen verklebt und in Form gebracht.“ So können sie den gewaltigen Kräften von Wind und Wetter standhalten. Ein guter Teil der 45.000 Tonnen Epoxidharze, die die Firma im Jahr produziert, geht in diese Anwendung.

In knapp 20 Jahren eine viertel Milliarde Euro investiert

Auch in Schiffsanstrichen und Pulverlacken stecken die Harze. Und sie dienen als Material für Leiterplatten, als Vergussmasse in der Elektro-Industrie oder als gewichtsparender Werkstoff im Autobau. Der Markt wächst ständig. Und Leuna-Harze wächst mit: Der jährliche Umsatz übersteigt mittlerweile die Marke von 100 Millionen Euro.

„Wir gehören heute zu den führenden Produzenten in Europa“, betont Kalk. Und das nicht nur wegen der Menge. Unter dem Markennamen „Epilox“ bietet der Mittelständler Epoxidharz-Systeme für diverse Zwecke „von der Stange“ an. Und wenn ein Kunde einen Sonderwunsch hat, bekommt er ihn erfüllt – zum Beispiel ein Harz, das etwa 45 Minuten zum Aushärten benötigt. „Wir haben das Know-how dafür“, so Kalk. Auch kleinere Chargen – also „nur“ 10 oder 20 Tonnen – sind für die Firma kein Problem.

Ausgangsstoffe für die Epoxidharze sind die Chemikalien Bisphenol A und F sowie Epichlorhydrin. Die werden bei Leuna-Harze selbst hergestellt und dann in einem komplexen Prozess zu Grundharzen, zähflüssigen, durchsichtigen Flüssigkeiten, weiterverarbeitet.

„Neben unseren sechs Grundharzen stellen wir auch die zweite wichtige Komponente her, die Reaktivverdünner“, erläutert der Manager. Sie werden zugemischt und sorgen für die angestrebten Produkteigenschaften, etwa Flexibilität und Beständigkeit. Zudem ermöglichen sie es, Füllstoffe wie Sand oder Kreide in das Harz einzubinden und so dessen mechanische Belastungsfähigkeit zu steigern.

Weil Leuna-Harze viele Vorprodukte selbst fertigt, verleiht „diese Rückwärtsintegration uns große Flexibilität und Eigenständigkeit bei der Rohstoffversorgung“, sagt Kalk.

Seit der Firmengründung im Jahr 1995 ist in mehreren Ausbaustufen insgesamt eine viertel Milliarde Euro investiert worden. Nicht zuletzt auch in den Umweltschutz: Erst im September dieses Jahres erhielt Leuna-Harze einen Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt für ein neuartiges Abwasserreinigungssystem, das nicht nur Verunreinigungen entfernt, sondern auch eine wichtige Flüssigkeit zurückgewinnt. Die 10.000 Euro Preisgeld sollen für einen betriebsinternen Wettbewerb zur Energieeinsparung Verwendung finden.


Schon Gewusst?

Foto: Sturm
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Wie Epoxidharz hart wird

  • Fertig verarbeitetes Epoxidharz ist leichter als Stahl, zugleich aber mechanisch viel belastbarer. Eigenschaften wie Härte, Elastizität oder Säurebeständigkeit lassen sich beim Verarbeiten nach Wunsch einstellen.
  • Beim Verarbeiten wird das zähflüssige Epoxidharz mit einem Härter vermischt. Die beiden Flüssigkeiten reagieren miteinander: Ihre Moleküle vernetzen zu Kunststoffen – und härten dadurch aus.
  • Die Zeit für das Aushärten, die „Topfzeit“, lässt sich ganz nach Bedarf einstellen. Je nach Zusammensetzung und Temperatur kann das nur wenige Minuten oder sogar mehrere Stunden dauern.

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