Alternde Belegschaften

Damit das Wissen im Betrieb bleibt


Erfahrung als kostbares Gut: Die Sartorius-Mitarbeiter Matthias Eger und Tanja Mück stehen beispielhaft für den Wissenstransfer im Projekt „Lernpartnerschaft“. Foto: Werk

Sartorius organisiert Lernpartnerschaften der Generationen

Göttingen. Der Labor- und Prozesstechnik-Anbieter Sartorius AG in Göttingen reagiert auf die demografische Entwicklung. „Lernpartnerschaften“ heißt das Projekt: Wenn die ältere Generation in den Ruhestand geht, soll ein Großteil ihres Wissens im Unternehmen bleiben.

Der Anstoß dazu kam aus der Forschung und Entwicklung der Sparte Mechatronik. Dort arbeiten rund 100 Software-Entwickler, Physiker, Ingenieure und Elektroniker – sie entwickeln Laborinstrumente und -geräte für die Pharma-, Chemie- und Lebensmittel-Branche.

Jeder Dritte von ihnen ist älter als 50. Trotz enger Kontakte zur örtlichen Uni dauert es Jahre, bis Nachwuchsforscher die speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen erworben haben. Und der Arbeitsmarkt ist in diesem Segment leergefegt.

Wissenstransfer ist das A und O

Das Projekt Lernpartnerschaft steht deshalb auf zwei Säulen. Erstens sollen erfahrene Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen bleiben, um ihr besonderes Wissen und spezielles Können zur Verfügung zu stellen. Und zweitens sollen jüngere Mitarbeiter im Betrieb systematisch an die Erfahrung der älteren Generation herangeführt werden.

Das steht und fällt natürlich mit der Unternehmenskultur, betont Personalleiterin Kirsten Siedler: „Jeder, der hier arbeitet, weiß, dass Sartorius in einer ganz eigenen Weise tickt.“ Wer einmal da ist, wolle kaum noch weg. Und es gebe eine nicht unbedeutende Zahl von Spezialisten, die auch nach ihrer Pensionierung über Beraterverträge für das Unternehmen tätig sind.

Wer das verstehen will, muss 141 Jahre in die Vergangenheit gehen – zu Florenz Sartorius und dem wirtschaftlichen Umfeld, auf er sich bewegte. Er baute 1870 mit der „Feinmechanischen Werkstatt“ die Keimzelle des heutigen Weltkonzerns (4.500 Mitarbeiter in 110 Ländern, letztes Jahr 659 Millionen Euro Umsatz). Bevor er in seiner Firma hochpräzise Waagen und später auch Wärmekästen und astronomische Instrumente entwickelte, arbeitete er als „Universitätsmechanikus“ an der Georgia Augusta in Göttingen und baute in den Uni-Werkstätten Laborgeräte.

Der Wissenstransfer war von jeher das A und O. Mehrere Nobelpreisträger trugen zur Entwicklung der Firma bei. „Bis heute setzt Sartorius auf die Zusammenarbeit mit der Spitzenforschung“, betont Unternehmenssprecherin Petra Kirchhoff. Projektteams sind häufig international zusammengesetzt, viele Abteilungen überschreiten Standorte und Ländergrenzen.

Es gibt etwa die „Sartorius-WG“: Um hochqualifizierte, internationale Nachwuchskräfte zu fördern und früh an das Unternehmen zu binden, bietet Sartorius viele Praktikantenstellen an. Und damit die jungen Menschen aus aller Welt nicht allein im Hotel wohnen müssen, wurden in Göttingen zwei Wohnungen angemietet. Sie stehen voll möbliert für Wohngemeinschaften zur Verfügung.

Jeweils sechs Praktikanten können so während ihrer Zeit im Unternehmen zusammen wohnen. „Hier können sie sich besser kennenlernen und gemeinsam ihr Deutsch verbessern“, so Kirchhoff.

Viel Freiheit für den Einzelnen

Bei aller internationalen Ausrichtung sind die Göttinger dennoch weiterhin mittelständisch geprägt. „Bei Sartorius sind die Mitarbeiter nicht nur kleine Rädchen“, betont die Firmensprecherin.

Niemand wird auf eine Fachdisziplin festgelegt, sondern kann den Entwicklungsweg im Unternehmen selbst gestalten. So hat schon mancher Betriebswirt seinen Traumberuf im technischen Bereich entdeckt und dort Karriere gemacht. 

 

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