Verpackungen

Da steckt mehr drin, als man denkt


Ein Besuch bei Höhn zeigt, was Faltschachteln heute alles können müssen

Ulm. Mit irrem Tempo sausen die fertigen, aber noch ganz flach gedrückten Faltschachteln die letzte Runde auf ihrer Bahn. Druck, Stanze und Klebemaschine liegen schon hinter ihnen. Nun nur noch ein eleganter Looping – dann segeln sie ganz kurz durch die Luft und fallen mit unvermindertem Tempo genau in den Karton. Bis zu einer halben Million Faltschachteln pro Schicht werden beim Ulmer Verpackungsspezialisten  Höhn so produziert.

Das hohe Tempo und die enorme Stückzahl dürfen freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kleinen Schachteln es ganz schön in sich haben. „Kaum einer  kann sich vorstellen, wie viel gebündeltes Know-how in so einer Faltschachtel steckt“, erklärt Lothar Ruhnke, Chef der Höhn-Gruppe.

Ging es früher eigentlich nur darum, ein Produkt vor Schäden und vor Schmutz zu schützen, bietet die

so harmlos anmutende Faltschachtel heute noch ganz andere Möglichkeiten.

Hologramme und glänzendes Haar

Dabei geht es natürlich  zunächst ums Aussehen: Formen und Farben werden durch elegante Prägungen, raffinierte Stanzungen oder Heißfolienkaschierungen aufgewertet. Spezialeffekten durch Glitzer oder Hologramme sind heute kaum noch technische Grenzen gesetzt.

 

„Die Abbildung von makelloser Haut und glänzendem Haar auf  Faltschachteln für die Kosmetik-Industrie: Das ist eine Art Königsdisziplin, an die sich nur wenige Spezialisten wie wir herantrauen“, sagt Geschäftsführer Sebastian Haug.

Neben diesem optischen Anspruch muss eine Faltschachtel aber auch viele technische Anforderungen erfüllen. So wird bei Medikamenten der Name des Produktes in Blindenschrift eingeprägt. Oft werden Spezialverschlüsse integriert. Jede Schachtel muss präzise an die Produktionsbedingungen des jeweiligen Kunden angepasst werden.

Und natürlich sollten die Schachteln transport- und lagerfähig sein, stapelbar, automatengerecht – und am Ende: recyclingfähig. „Bei all dem muss natürlich auch der Preis noch stimmen“, weiß Ruhnke.

Bei Höhn wurde daher kräftig investiert: Seit 2000 gab das Unternehmen rund 20 Millionen Euro aus für neue Druckmaschinen, Stanzen und andere Geräte.

Die Abläufe wurden straffer. Ruhnke sagt: „Wir mussten rationalisieren, Produktivität und Qualität erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die Rechnung ging auf, wie zwei Beispiele zeigen.

Wurden früher in einer Stunde maximal 8.000 Bogen bedruckt, sind es nun fast doppelt so viele. Früher arbeiteten bei Höhn zwölf Drucker in zwei Schichten – heute sind es nur noch zehn, die sich im Dreischichtbetrieb abwechseln. Wobei die Zahl der gut 300 Menschen, denen die Firma Arbeit gibt, nicht weniger wurde.

Umsatz gestiegen

Die Modernisierung hat sich gelohnt: Viele neue Kunden ließen den Jahresumsatz zuletzt auf rund 30 Millionen Euro steigen. Und die Stammkunden aus dem Markenbereich halten Höhn weiterhin die Treue – einige schon seit mehr als 40 Jahren.

Texte: Maja Becker-Mohr

 

„Das Alter ist doch nicht wichtig“

Ein Jahr lang hat sie gesucht: „Ich hab mich beworben und beworben – bei Höhn hat es 2007 endlich geklappt.“ Und Christine Jäkl (57) ist hoch zufrieden mit ihrer Arbeit in der Kommissionierung: Hier werden Thekenaufsteller zusammengesetzt, Schleifchen um noble Schachteln geknüpft oder komplette Werbepakete geschnürt, vom Display bis zu den Prospekten.

Zuvor war Jäkl fast 30 Jahre bei AEG be-schäftigt. Als das Werk dichtmachte, verlor sie den Job – blieb aber optimistisch: „Man darf einfach nicht aufgeben“, findet sie. Der Erfolg: die volle Stelle bei Höhn.

„Frau Jäkl hat beim Vorstellungsgespräch einfach einen guten Eindruck gemacht – dann ist das Alter doch nicht wichtig“, erklärt Bereichsleiter Johannes Häberle.

 

Den Kunden Zeit und Nerven sparen: Rundum-Service – Internet inklusive

Etwa 300 Mitarbeiter hat die Höhn-Gruppe, 20 von ihnen arbeiten bei „Digital Litho“. In diesem Ulmer Betrieb werden digital angelieferte Daten für alle möglichen Zwecke aufbereitet: Ein Kunde kann damit von der Faltschachtel übers Display und Broschüren bis zum Internet­auftritt alles aus einer Hand bekommen.

Selbst den Versand von Broschüren übernimmt Höhn – oder auch den von Präsenten, die in der hauseigenen Kommissionierung stilgerecht verpackt werden.

Immer mehr Firmen setzen auf diesen Rundum-Service. „Denn das spart einem Kunden in der Summe Zeit, Geld und manchmal auch Nerven – und das ist viel wert“, weiß Geschäftsführer Sebastian Haug.

Ein Beispiel: Für eine große bayerische Brauerei entwickelte Höhn eine stabile und schön gestaltete Faltschachtel mit Platz für zwei Extra-Flaschen.

60.000 geschenkte Bierflaschen

Je eine angehängte Schachtel gab es dann pro Bierkasten als Präsent. „In der Kommissionierung hatten die 30 Mitarbeiterinnen alle Hände voll zu tun, als hier 60.000 Flaschen Bier verpackt  werden mussten“, erinnert sich Bereichsleiter Johannes Häberle.

Solche ungewöhnlichen Aktionen gibt es immer wieder. „Wir nehmen nicht einfach nur einen Auftrag an“, sagt Haug, „wir beraten den Kunden und suchen ge­meinsam mit ihm nach der besten Lösung.“

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang