Bildung

Da staunen die Lehrer…


Fit an Reglern und Ventilen: Azubis von AllessaChemie haben die Produktion im Griff

Frankfurt. Was für Laien wie ein technisches Wirrwarr aussieht, ist für Azubi Cevdet Ildiz sicheres Terrain. Im Technikum der Chemiefirma AllessaChemie in Frankfurt-Fechenheim zeigt er 120 Lehrern, wie man Zutaten für Farben, Waschmittel, Kosmetik oder den Pflanzenschutz herstellt.

Souverän hantiert der angehende Chemikant an Reglern, Ventilen, Kesseln und Schläuchen. „Sie kennen wirklich alle Apparate?“, staunt Chemielehrerin Alexandra Lutgen vom Gymnasium Eltville. „Na klar, sonst könnte ich sie ja nicht steuern und regeln“, meint Cevdet. Geduldig erklärt er, wozu man Druckluft einsetzt und wie man die Produktion von Staub befreit. Sein Publikum lernt viel – auf dem Lehrer-Fortbildungs-Wochen­ende der hessischen Chemieverbände.

Hauseigene „Fahrrad-Factory“

Nächste Station der Pädagogen ist das Labor. Hier zeigen die künftigen Chemielaboranten Paula Corba und Marcel Simon, wie man Schmerzmittel herstellt. „Wir haben hier insgesamt 117 Azubis“, erzählt Ausbildungsleiter Dieter Rohrer. Vor allem Chemielaboranten und Chemikanten.

28 Lehrstellen hatte Allessa letztes Jahr zu vergeben, satte 1.352 Bewerbungen flatterten dafür ins Haus. Rohrer: „Auf einen Ausbildungsplatz als Kaufmann kommen manchmal 150 Bewerbungen. Bei Chemikanten sind es nur 16.“

Das Unternehmen legt viel Wert auf eine eigene Ausbildung – auch in Zei­ten der Krise. Vorbildlich, findet Presse­sprecher Jürgen Funk vom Ar­beitgeberverband HessenChemie: „Wir dürfen auf diesem Feld nicht nachlassen. Denn da liegt unsere Zukunft.“

Um aus den jungen Leuten ein Team zu formen, geht AlessaChemie neue Wege. So gibt es seit März eine „Azubi-Fahrrad-Factory“. Der angehende Industriemechaniker Tobias Philipps erklärt: „Wir halten die 400 firmeneigenen Fahrräder in Schuss.“ Ihm gefällt der Berufseinstieg hier so gut, dass er täglich eine Stunde Anfahrt aus Mainz in Kauf nimmt.

Zusammen mit den anderen Azubis flickt er Schläuche, ersetzt Glühlämpchen – und nimmt auch Sonderaufträge an. Zum Beispiel wollte die Kantine neue Serviettenspender. „Dann überlegen wir, wie so ein Teil funktionieren könnte, bauen es und stellen es der Kantine in Rechnung“, erläutert Tobias das Prinzip.

Auch die Fahrrad-Reparatur ist nicht kostenlos. Rohrer: „Bisher haben wir die Arbeit außer Haus gegeben. Jetzt erledigen die Azubis das in Eigenregie. Eine wunderbare Übung für alle Beteiligten.“ Auch die Teilnehmer des Fortbildungswochenendes sind beeindruckt: „Jetzt kann ich meine Schüler besser beraten, wenn sie mich fragen, ob ,Industriemechaniker in der Chemie’ was für sie ist“, lautet das Resümee von Lehrer Michael Ahrens aus Eltville.

Hessen-Chemie bei Azubis vorbildlich

Welchen Stellenwert die Ausbildung in der chemischen und kunststoffverarbeitenden In­dustrie Hessens hat, zeigt die Zahl der Plätze: Sie stieg im vergangenen Jahr um 5 Prozent auf 1.486.

Das vom einschlägigen Tarifvertrag vorgegebene Ziel übertrafen die Firmen damit sogar um 16 Prozent. Das heißt: Die Branche bot den jungen Leuten 428 Plätze mehr als vereinbart.

 

 

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Schlagwörter: Schule

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