Arzneisicherheit

"Da sind wir in der Verantwortung"


Für Boehringer Ingelheim gehören Moral und Erfolg zusammen

Ethik und Geschäft – passt das zusammen? Bei den Banken hat das zuletzt nicht so geklappt. Auch für Pharma-Hersteller ist es oft eine Herausforderung, etwa wenn eine ge­fährliche Nebenwirkung entdeckt wird. Doch Moral macht erfolgreich. Das Beispiel Boehringer Ingelheim beweist es. AKTIV sprach mit Deutschland-Chef Engelbert Günster.

AKTIV: Kürzlich riet die Weltgesundheitsorganisation von einer Arznei ab – wie würde Boehringer Ingelheim da reagieren?

Günster: Die medizinische Sicherheit steht für uns an oberster Stelle. Zehntausende Patienten nehmen unsere Präparate Tag für Tag ein und vertrauen auf sie. Da sind wir in der Verantwortung, auch wenn wir zwölf Jahre Forschung und bis zu 1 Milliarde Euro in die Entwicklung der Arznei gesteckt haben. Rückschläge sind dabei möglich.

AKTIV: Das klingt nobel. Aber nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Günster: Vor zwei Jahren haben wir unser Hustenmittel „Silomat“ freiwillig vom Markt genommen, weil es in sehr seltenen Fällen Herzrhythmus-Störungen hervorrufen kann. Das hatten wir mit neu entwickelten Testmethoden festgestellt. Einige Wettbewerber mit ähnlichen Präparaten reagierten nicht sehr erfreut. Heute gibt es „Silomat“ wieder mit neuem Wirkstoff.

AKTIV: Nun bringt das nicht viel Umsatz. Auch Ihr Spitzenmedikament „Spi­riva“ zum Behandeln der Raucherlunge stand schon unter schwerem Nebenwirkungs-Verdacht. Damit setzen Sie 2 Milliarden Euro um. Hätten Sie da genauso reagiert?

Günster: Sicherlich. Wir mussten aber nicht. Denn wir konnten den Verdacht klar widerlegen. Zu der Zeit hatten wir gerade eine große vierjährige Studie mit fast 6000 Patienten abgeschlossen. Daher verfügen wir über harte Daten zur Sicherheit der Arznei, die wir den Behörden sofort vorlegten. Die US-Arzneibehörde hat kürzlich bestätigt, dass das Präparat sicher ist.

AKTIV: Diese Studien kosten zig Millionen Euro. Müssen Sie da ein neues Präparat nicht auf jeden Fall an den Mann bringen?

Günster: Sicher müssen wir die Arzneien bei den Ärzten bekanntmachen. Oft haben sie ja neue Wirkmechanismen. Dabei setzen wir auf Fakten. Wir laden Ärzte zu wissenschaftlichen Kongressen ein, aber wir zahlen ihnen keine Übernachtung im Luxushotel und kein Essen im Nobel-Restaurant. Und Werbegeschenke dürfen höchstens 5 Euro wert sein. Anders als über medizinische Fakten wollen wir nicht erfolgreich sein!

AKTIV: Ist Boehringer Ingelheim auch nach innen das „anständige Unternehmen“?

Günster: Umfragen zeigen das. 2008 landeten wir bei einem Dutzend Rankings weit oben auf dem Treppchen. Viele Beschäftigte arbeiten Jahrzehnte hier. Wir bieten über 100 Arbeitszeit-Mo­del­le, damit Familie und Beruf in Einklang kommen. Wir haben Kinderkrippen, eine solide Firmenrente und ein breites Sportangebot.

AKTIV: Boehringer-Forscher sind aber nicht deswegen so einfallsreich, oder?

Günster: Wohl eher, weil sie ihre Projekte regelmäßig direkt mit den Top-Managern besprechen können. Das  spornt an. Dann konzentrieren wir uns auf Gebiete, wo echte Fortschritte möglich sind, wie Krebs, Alzheimer, die Thrombose-Behandlung. Das kann auch Arbeitsplätze schaffen, wie jetzt in einer 60-Millionen-Euro-Anla­ge, die für ein neues Präparat entstand.

AKTIV: Also wächst Boehringer Ingelheim weiter?

Günster: Nein, 2010 erwarten wir Stagnation. Danach wollen wir wieder wachsen. Mit neuen Medikamenten aus unserer Forschung.

 

Info: Boehringer Ingelheim Gruppe

Boehringer Ingelheim ist das weltweit größte Pharma-Unternehmen in Familienbesitz. Es erforscht, entwickelt, produziert und vertreibt Arzneimittel. 41.300 Beschäftigte setzten im Jahr 2008 rund 11,6 Milliarden Euro um. 3700 Forscher arbeiten weltweit ständig an neuen Wirkstoffen. Boehringer investiert dafür 2,1 Milliarden Euro im Jahr. In Ingelheim, Biberach und Dortmund hat der Konzern 11.400 Beschäftigte sowie 740 Auszubildende.

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