Sozialer Einsatz

Corporate Social Responsibility (CSR): So übernehmen Firmen gesellschaftliche Verantwortung


Hameln. Bei Joel, Sammy, Antonia, Leonie und all den anderen Kindern geht es hoch her. Die Wasserpumpe im Innenhof steht an diesem Spätsommertag nicht still, im Sandkasten backen die Kleinen mit Hingabe Sandkuchen, die Wackelbrücke und die Rutsche sind ständig besetzt.

84 Kinder mit 17 verschiedenen Nationalitäten werden hier betreut, in einer Kindertagesstätte in Hameln. Von 14 Mitarbeitern. Die Verwaltung dieser großzügig ausgestatteten Einrichtung liegt in den Händen der Stadt. Getragen wird sie von der Eugen-Reintjes-Stiftung.

„Geld dort, wo es wirklich benötigt wird“

Die Stiftung wurde im Jahr 1962 von Eugen Reintjes (1884–1966) ins Leben gerufen. Der kinderlose Unternehmer hatte damals zwei Dinge im Blick: Er wollte sein Lebenswerk, den Schiffsgetriebehersteller Reintjes, auch nach seinem Tod in seinem Sinne weitergeführt sehen – und er wollte zugleich das Gesundheits- und Sozialwesen in der Stadt Hameln fördern. Beides ist gelungen. Das stiftungsgeführte Unternehmen gehört nach wie vor zu den weltweit führenden Playern im Markt, und die Stadt profitiert seit Jahrzehnten regelmäßig von erheblichen finanziellen Zuschüssen.

So wie Reintjes engagieren sich viele Firmen. „Corporate Social Responsibility“ nennen das die Fachleute – das heißt so viel wie „Unternehmen in der sozialen Verantwortung“. Laut Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geben zwei Drittel aller Unternehmen dafür freiwillig Geld aus, rund 11 Milliarden Euro pro Jahr. Man unterstützt vor allem das lokale Umfeld, in erster Linie Kindergärten und Schulen sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen.

In Hameln hat sich zwischen der Eugen-Reintjes-Stiftung und der Stadt ein enges Verhältnis entwickelt, das überregionale Beachtung fand. Reintjes-Geschäftsführer Christian Schliephack: „Die Stiftung ist stadtnah aufgestellt, die Oberbürgermeisterin im Kuratorium – sie hat die Hand am Puls der Zeit.“ Das ermögliche der Stiftung, das Geld dort einzusetzen, wo es wirklich benötigt wird.

Die Finanzierung zahlreicher sozialer Vorhaben wird von ihr langfristig sichergestellt, jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren. So startete die Stadt 2007 das Projekt „Familie im Zentrum“ (FiZ): Freizeit- und Kulturangebote, Hilfe und Beratung etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zum generationenübergreifenden Zusammenleben, interkulturelle Bildungsangebote und vieles mehr.

„Niederschwellige Angebote“

Umgesetzt wird es mit sieben dezentralen Familienbüros in den Kitas – und dem Eugen-Reintjes-Haus in der Hamelner Fußgängerzone: Der schmucke historische Fachwerkbau beherbergt ein Seniorenservicebüro, eine Kinderetage, Räume für Selbsthilfegruppen sowie für Wohlfahrts- und Sozialverbände.

Monatlich zählt man allein an diesem zentralen Anlaufpunkt gut 2.000 Besucher. „Wir lassen niemanden ohne Info wieder gehen“, sagt FiZ-Projektleiter Bernd Himler. Er setzt auf „niederschwellige Angebote“: In das Elterncafé in der Kita komme auch die türkische Mutter mit schlechten Deutschkenntnissen – „denn sie weiß, dass ihr trotzdem geholfen wird“.

Und er ergänzt: „Wer um die finanzielle Lage der meisten deutschen Kommunen weiß, der kann ahnen, dass wir in Hameln von vielen Städten beneidet werden.“

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