Raffinessen im Bad

Clevere Sanitär-Designs entwickelt Hewi in Nordhessen

Bad Arolsen. Schon mal beim Duschen ausgerutscht und spontan nach der Duschstange gegriffen? Gut, wenn die dann hält. Noch besser wäre ein unauffällig gestalteter Sitz, den Jung und Alt nutzen können. Solche und andere raffinierte Helfer entwickelt der Sanitär-Spezialist Hewi (550 Mitarbeiter) im nordhessischen Bad Arolsen und exportiert sie weltweit.

Bekannt ist zum Beispiel der „Türdrücker 111“: Die gebogene Kunststoff-Klinke verhindert, dass man abrutscht oder mit dem Ärmel hängen bleibt. Den Griff aus Polyamid gibt es in vielen Farben. „Das sieht nicht nur gut aus, sondern erleichtert zudem die Orientierung“, weiß Produkt-Designerin Lisa Hirschberg. Sie plant komfortable Bäder für alle Generationen: „Ich habe immer einen Zollstock in der Tasche, mit dem ich schnell mal ein fremdes Bad oder eine Toilette vermesse“, verrät sie.

In Deutschland muss ein Duschsitz 150 Kilo tragen, in den USA über 200 Kilo

Diskrete Helfer verstecken sich heute ganz unauffällig im modernen Bad. Wie ein Waschtisch, der sich im Stehen wie im Sitzen nutzen lässt. „An den integrierten Haltegriffen kann man sich hochziehen“, erklärt Hirschberg. „Benötigt man sie nicht, dienen sie als Handtuchhalter.“ Oder der Stützklappgriff neben dem WC: „Der verschwindet nach Gebrauch dezent an der Wand.“ Auch Normen spielen eine Rolle: „In Deutschland muss ein Duschsitz 150 Kilo tragen, in den USA über 200 Kilo.“

Die Fertigung erfolgt am benachbarten Standort Mengeringhausen. Hier setzt Andreas Fischer zum Beispiel robuste Toiletten-Bürsten zusammen. „Es ist schon eine Kunst, die Anlagen so einzustellen, dass die einzelnen Teile perfekt herauskommen“, sagt der Verfahrensmechaniker. 30 Jahre im Unternehmen haben ihn zum Meister im Umgang mit Spritzguss-Anlagen gemacht: „Temperatur, Tempo, dafür muss man das Gefühl haben.“

In einer anderen Halle prüft Melanie Winterberg einen Stützklappgriff, ihr Kollege Theodor Weber montiert einen Duschsitz. Sämtliche Rohstoffe, die dafür zum Einsatz kommen, kontrolliert Thorsten Plücker penibel: „Einfachen Spritzguss können viele“, meint der Leiter Materialentwicklung. „Bedeutsam sind aber die Qualität, die Rezeptur, die Technik und das Know-how!“

Weil sich die Kunden langlebige Produkte wünschen, müssen zum Beispiel alle verchromten Teile einen selbst entwickelten Test bestehen: „Wir schauen, wie das Material auf Seifenlauge oder Essig reagiert“, erklärt Plücker. Problematisch sind phosphorhaltige Reiniger: „Beim Putzen sollte man lieber zu Zitronensäure greifen“, rät der Experte.

Im Sortiment sind zudem Produkte mit starken Farben und Kontrasten. Das fördert im Alltag die Selbstständigkeit zum Beispiel bei Demenzkranken. Designerin Hirschberg: „Haltegriffe, WC-Bürsten, Zahnbecher – alles, was eine Funktion hat, wird farblich betont.“


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