Helle Köpfe sparen Millionen

Clevere Mitarbeiter senken beim Sprithersteller PCK den Energieverbrauch

Schwedt. Hell leuchtet nachts die PCK Raffinerie. Was manch einem wie Energieverschwendung vorkommen mag, schreiben Arbeitsschutz und Sicherheit vor. Sonst aber ist Energie wie bares Geld für den Riesenkomplex im brandenburgischen Schwedt – und soll daher nicht vergeudet werden.

Denn Experten sagen, dass etwa 40 Prozent der Raffineriekapazität in Europa in den nächsten Jahren vom Markt gehen wird. Nur wer massiv Kosten spart, kann auf Dauer bestehen. Bei der PCK haben Mitarbeiter und Geschäftsführung die Zeichen der Zeit erkannt und sich ein Programm auf die Fahnen geschrieben, um die Zukunft der Raffinerie zu sichern.

28 Millionen Euro für einen neuen Ofen

Vor allem die Energieeffizienz war lange ein Schwachpunkt bei dem 1.250-Mitarbeiter-Unternehmen. Auf zwölf Quadratkilometern Raffinerie-Fläche vermiesen lange Leitungswege und noch nicht ausgetauschte ältere, energiefressende Technik der PCK die Energie-Bilanz. Bei allen anderen Kennzahlen ist Schwedt spitze.

Richtig Schwung ins Energiesparen bringt seit 2010 das „PCK Energieeffizienz-Programm“. Verfahrensingenieurin Janine Richter vom Kraftwerk der PCK leitet es: „Über die Hälfte unserer Kosten fallen für Energie an – für Strom, Dampf, Wärme“, erklärt sie.

Sie und ihr Team gehen deshalb in allen Abteilungen den Energiefressern auf den Grund: „Wo zieht eine Pumpe, wo ein Motor zu viel Strom? Wo kann man eine Anlage mit geringerem Dampfdruck fahren?“ Das Team sammelt die Ideen aus der ganzen Belegschaft, bewertet sie und setzt die Erfolg versprechenden um.

Um wie viel Geld es geht, verdeutlicht die Ingenieurin so: „Fast ein Zehntel unseres Rohölverbrauchs benötigen wir für Energie.“ Allein beim großen Tüv der Raffinerie im Jahr 2013 realisierte PCK Projekte, mit denen sie ihre Wirtschaftlichkeit um rund 130 Millionen Euro verbesserte.

Ein Beispiel ist die gewaltige Aromizer-Anlage, in der die Oktanzahl erhöhenden Komponenten für Benzin hergestellt werden. Ihr Ofen arbeitete seit 1981 und entsprach längst nicht mehr dem Stand der Technik. Er wurde 2013 durch einen 28 Millionen Euro teuren neuen ersetzt. Auch der braucht stolze 66 Megawatt Energie, ist aber viel besser im Energieverbrauch und leistet viel mehr.

Und der Erfolg? „Wir haben unseren Energieverbrauch in den letzten fünf Jahren um 5 Prozent verringert“, berichtet Geschäftsführer Jos van Winsen. Das scheine nicht viel. „Aber das sind 25 Millionen Euro“, so der Manager. Das Engagement schone zudem Umwelt und Klima.

„Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, aber wir müssen hart weiter daran arbeiten“, betont van Winsen. Rohöl sei zurzeit zwar billiger, aber der Preis werde wieder steigen. „Zudem müssen wir CO2-Verschmutzungsrechte kaufen, um produzieren zu können.“ Dabei stehe die PCK bei schrumpfenden Märkten im harten internationalen Wettbewerb.

„Deshalb soll jeder Mitarbeiter beim Thema Energie mitdenken“, fordert van Winsen. Um die Kosten weiter zu senken, startete im vergangenen Herbst das Programm „Unsere PCK 2025“. Von Geschäftsführung und überder Hälfte der Beschäftigten rege besuchte Workshops sorgten für viel kreative Diskussionen. Van Winsen: „Nur so werden wir noch besser.“


Schon Gewusst?

Wie sparsam unsere Raffinerien sind

  • Wie sparsam Raffinerien mit Energie umgehen, lässt sich mit einem Indexwert (Kürzel „EII“) beurteilen, den die US-Unternehmensberatung Solomon Associates regelmäßig ermittelt.
  • Eine Raffinerie mit Standardverbrauch erhält dabei den Wert 100. Mehrverbrauch erhöht die Ziffer, Sparsamkeit senkt sie unter 100.
  • Nach dieser Einstufung sind Schwedt und Leuna global vorn: PCK liegt bei 88,9, Total bei 85,3.UR

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