Langzeitkonten

Clever sparen für die Zukunft


Wie Unternehmen den „Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie“ umsetzen

Ludwigshafen. Wie das Geld aus dem Demografie-Fonds verwendet wird, entscheiden Chef und Betriebsrat in jedem Unternehmen gemeinsam. Möglich sind Langzeitkonten,  Altersteilzeit, Teilrente, ein Berufsunfähigkeitsschutz sowie tarifliche Altersvorsorge. Bei der BASF fließt der Beitrag zusammen mit anderen Bausteinen auf ein sogenanntes „Wertkonto“, das bis November eingerichtet wird.

AKTIV sprach mit dem Personalchef Hans-Carsten Hansen und dem Betriebsratsvorsitzenden Robert Oswald. 

AKTIV: Was ist das „Wertkonto“, und wem gehört es?

Hansen: Das ist eine neue, zeitgemäße Sozialleistung, auf die jeder BASF-Tarifmitarbeiter Anspruch hat. Niemand außer dem Besitzer hat Zugriff auf das Konto, es ist ein ganz persönlicher Account.

AKTIV: Und wie viel ist drauf?

Hansen: Allein aus dem Demografie-Fonds, der bei uns jährlich 7 Millionen Euro ausmacht, zahlen wir jedem Tarifmitarbeiter 300 Euro pro Jahr. Dieser Betrag erhöht sich jährlich um die jeweilige prozentuale Tariferhöhung.

Zudem fließen betriebliche Leistungen wie bis­herige Dienstalters- oder Treueprämien in neuer Form ebenfalls auf das Konto. Die Mitarbeiter können weitere Entgeltbestandteile sowie Urlaubstage einbringen, um das Guthaben zu erhöhen.

AKTIV: Also ein großes Sparbuch. Was kann ich damit alles machen?

Oswald: Nur eine einzige Sache – die rentennahe Freistellung finanzieren. Und das ist großartig! Wir müssen künftig länger arbeiten, viele wollen das nicht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein BASF Mitarbeiter Jahrgang 1985 kann mit Hilfe des Wertkontos – bei Ausnutzung der Einbringungsmöglichkeiten – bis zu drei Jahre früher in Rente gehen. Bei voller Bezahlung!

AKTIV: Kann man auch schon vorher an sein Geld kommen?

Hansen: Nein, das ist aus­geschlossen. Ich kann mir mein Geld nicht vorher auszahlen lassen und auf die rentennahe Freistellung verzichten. Das hat steuerliche Gründe. Nur die rentennahe Freistellung ist steuerlich privilegiert.

Oswald: Mit dem Wertkonto wollen wir einen gleitenden Übergang zwischen der Arbeitsphase und dem Beginn der Rente ermöglichen.

AKTIV: Und wenn jemand das Unternehmen verlässt?

Hansen: Bekommt er das  Guthaben ausbezahlt, überträgt es auf die Deutsche Rentenversicherung oder nimmt es zum neuen Arbeitgeber mit. Im Todesfall wird es vererbt.

AKTIV: Wie sicher ist das Geld? Könnte es in Krisenzeiten verloren gehen?

Hansen: Nein, das Geld kann nicht verloren gehen, da der Wert der eingebrachten Beiträge zum Zeitpunkt der rentennahen Freistellung garantiert wird. Das persönliche Guthaben wird von einem Treuhänder verwaltet und ist somit insolvenzsicher.

Oswald: Ja, auf das Gut­haben vom Wertkonto kann man sich verlassen. Auch vor einer Finanzkrise wären die eingebrachten Beiträge abgesichert. 

Interview: Sabine Latorre

Langzeitkonten in anderen Unternehmen

Fresenius: Flexible Lebensplanung

Bad Homburg. Mitarbeiter des Gesundheitskonzerns Fresenius aus Bad Homburg können mit Hilfe des Langzeitkontos unterschiedliche Phasen des Berufslebens selber gestalten.

So lassen sich angesparte Zeit- und Geldguthaben etwa in Fortbildung investieren oder in die Pflege der Angehörigen. Sogar selbst gewählte Freistellungsphasen sind möglich, was besonders gegen Ende der Arbeitszeit nützlich sein kann.

Michael Lehmann, Per­sonal-Experte bei Fresenius: „Mit dem Langzeitkonto richten wir eine Straße mit verschiedenen Abfahrten ein, deren Hauptspur zur Rente mit 67 führt. Die Route kann jeder selber bestimmen.“

Ein interaktiver Langzeitrechner errechnet, wie viele Mittel man zur Erreichung des persönlichen Ziels einsetzen muss.

Bayer: Freiraum durch die „BayZeit“

Leverkusen. Der Chemie- und Pharma-Konzern Bayer aus Leverkusen hat schon länger ein Langzeitkonto. Über 30 Prozent der Bayer-Beschäftigten in Deutschland haben es auf freiwilliger Basis bereits eingerichtet.

„Wir bieten unseren Beschäftigten damit die Möglichkeit, ihre individuelle Lebensarbeitszeit flexibel zu gestalten“, so Richard Pott, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Bayer.

So macht „BayZeit“ etwa die bezahlte Freistellung vor Antritt der Altersrente möglich, aber auch längere Qualifizierungsmaßnahmen während des Berufslebens. Wenn es der Kontostand zulässt, ist zum Beispiel ein Sprachkurs im Ausland drin.

Wer das Plus auf dem Konto bis zum Renteneintritt nicht abruft, bekommt es als zusätzlichen Versorgungsbaustein der betrieblichen Altersversorgung.

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