Mittelstand

Clever: Der Trick auf der Baustelle


Familienbetrieb produziert Betonspritzmaschinen – die haben es in sich

Essen. Ganz schön pfiffig,  das „Mehrweg-System“ der Firma Clever & Co. Während für jeden Getränkehersteller die zu spülenden Flaschen nur lästiges Mittel zum Zweck sind, um weiter Bier, Wasser und Limo zu verkaufen, bedeutet das zurückkommende „Leergut“ für die Essener jede Menge Umsatz.

Statt schnöder Glasflaschen in Plastikkästen landen zentnerschwere Holzkisten in der Werkhalle der Elektro- und Maschinenfabrik. Voll mit sogenannten Zuteilern, die im rauhen Einsatz stark strapaziert wurden. Und nun aufgearbeitet werden.

Zuteiler sind das Herzstück einer jeden Betonspritzmaschine, die der 30-Mann-Betrieb herstellt. Das Bauteil schleust Spritzmaterial in deren Förderkammer – und von dort aus gelangt es mit Druckluft zur Spritzdüse.

Selbst in Australien im Einsatz

Die Clever-Trockenbetonspritzmaschinen sind weltweit gefragt: in Österreich, den Benelux-Staaten, der Schweiz sowie in Indien, Brasilien und Australien. Sie arbeiten im Berg- und Tunnelbau, helfen, steile Hänge mit Beton zu sichern – und sind dafür da, Hochöfen  feuerfest „auszukleiden“. Und sie arbeiten, im Gegensatz zu allen anderen Betonspritzmaschinen, fast staubfrei, betont Geschäftsführer Marc Flötgen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Beton zu verarbeiten. Da ist zum einen das sogenannte Nass-Spritzverfahren. Hier liefern Betonlaster fertiges, nasses Material an die Baustelle, das ohne Pause verarbeitet werden muss.

Anders beim Trocken-Spritzverfahren, für das die Clever-Maschinen gedacht sind: Dabei wird der Beton erst kurz vor Austritt aus der Düse mit Wasser benetzt. Das trockene Spritzmaterial kann deshalb per Schlauch bis zu 1,5 Kilometer auch an schwer zugängliche Stellen transportiert werden. Verarbeitet wird nach Bedarf, so dass Pausen möglich sind.

Die hohe Kunst dabei: ein  Materialstrom, der am Spritzkopf optimal mit Wasser vermischt wird. Und das, ohne viel Staub aufzuwirbeln.

Die Essener bauen aber nicht nur auf Betonspritzmaschinen. Die bringen jeden zweiten Umsatz-Euro. Die andere Hälfte entfällt auf Sondermaschinen wie Kartenkleber für Druckereien und auf Dreh- und Frästeile wie Zahnräder, Wellen und Bolzen.

„Nichts läuft bei uns auf Pump“

Zwar bekam auch Clever 2009 die Krise zu spüren; der Umsatz sank um 20 Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Doch das Minus hat der Betrieb gut verkraftet. Marc Flötgen, der erst vor wenigen Wochen den Staffelstab von seinem Vater Rüdiger übernahm: „Bei uns steckt kein Pfennig Fremdkapital drin. Nichts läuft auf Pump.“

Entlassungen? Kein Thema! Marc Flötgen: „Wir haben ein enges Verhältnis zu unseren Mitarbeitern. Einige sind schon seit Jahrzehnten bei uns. Die müssen bleiben.“

Er ist guter Dinge, dass es jetzt wieder aufwärtsgeht. Dank des Exports: Seit 2009 gehen Betonmaschinen auch nach Polen und seit 2010 ebenso nach Frankreich. Nun will die Firma  Spanien „erobern“.

 

Manchmal der Zeit voraus …

Wer hat’s erfunden, das Autolicht, das auch beim Abbiegen die Fahrbahn ausleuchtet? Clever! Die Firma entwickelte Anfang der 50er-Jahre das „Kurvenlicht“ und montierte es an Adenauers Staatskarosse. Die Entwicklung war ihrer Zeit weit voraus. Und verschwand, leider, wieder in der Schublade.

Wie reinigt man Fensterlamellen? Clever entwickelte in den 90er-Jahren eine „Lamellen-Waschmaschine“, die auch in Serie ging.

Wie kommen tonnenschwere Druckzylinder vom Keller in die Druckerei? Mit einem speziellen Paternoster. Die Essener bauten ihn für einen heimischen Betrieb.

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