Hightech für Asien

Chinas Textil-Industrie kauft Rundstrickmaschinen auf der Schwäbischen Alb


Albstadt. Da hat auch der schnellste Handstricker keine Chance: 19 Millionen Maschen pro Minute schafft eine der Hightech-Rundstrickmaschinen von Mayer & Cie. So eine Anlage rattert 24 Stunden am Tag, damit sich die Anschaffung rechnet. Sie produziert in dieser Zeit Stoff für 5.000 T-Shirts.

Die meisten dieser Wunderwerke der Technik stricken mittlerweile nicht mehr auf der Schwäbischen Alb, wo Mayer & Cie. heute noch seinen Stammsitz hat. Sondern in der Türkei, in China, Indien und anderen asiatischen oder in südamerikanischen Staaten.

„Anfang der 70er-Jahre hatten wir noch 300 Kunden im Umkreis von Albstadt und einen Inlandsumsatzanteil von 30 Prozent“, erinnert sich der geschäftsführende Gesellschafter Rainer Mayer. Heute setzen hierzulande nur noch Nischenanbieter oder Stricker mit höchsten Qualitätsanforderungen Mayer-Maschinen ein – etwa der Wäschehersteller Mey im Nachbarort Albstadt-Lautlingen.

Deshalb wächst der Umsatz des  schwäbischen Maschinenbauers nur noch im Ausland. Hier jedoch kräftig: In den letzten zwei Jahren stieg er um 20 Prozent auf 72 Millionen Euro.

Die Hightech-Maschinen erfüllen fast alle Wünsche: Rundgestrickt werden beispielsweise Stoffe für Shirts und Funktionswäsche, Inlays für Sportschuhe, Sitzbezüge für Autos, Drahtmatten für Windschutzscheiben oder Beschichtungen für medizinische Stoffe.

Sie stricken sogar Matratzenüberzüge mit Goldfäden für russische Milliardäre. Das technische Know-how von Mayer & Cie. steckt im hochpräzisen Strickkopf und in der Elektronik der Maschinensteuerung. Das Familienunternehmen muss nicht nur innovativ sein, sondern auch flexibel: „Die meisten unserer Kunden bestellen sehr kurzfristig“, so Mayer.

Meistens geht es um die Erweiterung von Kapazitäten. Gerade in China sitzen viele Lohnstrickereien. Wenn die einen zusätzlichen Auftrag bekommen, wollen sie möglichst schnell die neue Maschine geliefert bekommen. Auf diese Marktsituation hat sich Mayer & Cie. eingestellt: Die Hightech-Maschinen werden in Albstadt gebaut. Preisgünstigere Rundstrickmaschinen kommen vom Produktionsstandort in Tschechien. Und speziell für China wird ein Maschinentyp in Schanghai montiert, bei dem jedoch der Strickkopf auch aus Albstadt kommt.

„Mit unseren günstigen Maschinen wollen wir den asiatischen Markt erobern. Und uns mit bewährter Qualität gegen die chinesischen und taiwanesischen Wettbewerber durchsetzen“, sagt Mayer.

In Albstadt ist die Zahl der Mitarbeiter weiter gestiegen

Denn auch die ausländischen Stricker achten zunehmend auf Qualität. Deshalb werden sie, so das Kalkül von Mayer & Cie., künftig auch die effizienteren Maschinen aus Albstadt kaufen. Bisher geht die Rechnung auf: Im Jahr 2011 hat Mayer & Cie. insgesamt 860 Maschinen verkauft. Letztes Jahr waren es bereits 1.030 und im laufenden Jahr werden es voraussichtlich 1.200 sein.

Das sichert auch in Albstadt die Arbeitsplätze. Dort sind heute rund 280 Mitarbeiter beschäftigt, 40 mehr als vor zwei Jahren.

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