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Chemie vom Feinsten


Solvay Bernburg stellt unter anderem hochreines Wasserstoffperoxid her

„Nicht nur sauber, sondern rein“ – der alte Ariel-Reklameslogan passt auf wenige Branchen so gut wie auf unsere: Viele chemische Betriebe stellen hochreine Vorprodukte her, die überall in der Industrie gebraucht werden. AKTIV hat zwei von ihnen besucht – sehr unterschiedliche.

Bernburg.  Renate Zimmermann wirkt hoch konzentriert, wie sie da im Labor arbeitet. Sie ist komplett in Reinraum-Kleidung eingepackt. Sie greift hinter die Scheibe – und  hantiert dort in einer völlig staubfreien Atmosphäre. So werden Fremdpartikel von den Produktproben ferngehalten. „Hier muss man noch mehr das Produkt vor dem Menschen schützen als umgekehrt“, sagt sie.

Zimmermann ist Laborantin im Solvay-Werk Bernburg (Sachsen-Anhalt) – und prüft dort Proben von hochreinem Wasserstoffperoxid. „Schon eine Haarschuppe, die sich hier ins Labor verirrt, würde alle Tests zur Makulatur machen“, erklärt sie.

Eine begehrte Trophäe

Hochrein bedeutet, dass sich unter einer Billion Teilen der Chemikalie nur wenige Fremdpartikel finden dürfen. Was das heißt, verdeutlicht  Produktionsleiter Matthias Dabrunz so: „Das ist vergleichbar mit einem Stück Würfelzucker in der Rappbode-Talsperre.“ Der Stausee im Harz fasst 110 Millionen Kubikmeter Wasser!

Warum diese extreme Reinheit? „Man braucht es etwa in der Pharma- und Lebensmittel-Industrie für die  Desinfektion, vor allem zum Ätzen und Reinigen von Halbleitern und Photovoltaikzellen“, erklärt Dabrunz.

Seinen Schreibtisch ziert das dicke Lob eines Kunden: die Trophäe „World Class Supplier 2008“ vom Chip-Her­steller Global Foundries Dresden, früher AMD.

In normaler Reinheit kommt Wasserstoffperoxid vor allem als Bleichmittel bei der Papierherstellung zum Einsatz. Seine Produktion, aus Wasserstoff und Sauerstoff, ist ein komplexer Prozess. „Bei uns arbeiten daran knapp 40 Mitarbeiter“, berichtet Werkleiter Thomas Müller. „Im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr, an einer weitgehend automatisierten Anlage.“

Bis zu 70.000 Tonnen können so im Jahr produziert werden. Die anschließende Reinigung benötigt mehrere Stufen, etwa Prozesse wie Ionenaustausch, Filtration und Absorption. Wasserstoffperoxid ist bei weitem nicht das einzige, was Solvay Bernburg (Umsatz 2009: 117 Millionen Euro) herstellt. Hauptprodukte des Werks mit 400 Mitarbeitern, inklusive 40 Azubis, sind Soda und Natriumbicarbonat-Produkte etwa für die Glas-, Waschmittel- und Pharma-Industrie. Die Rohstoffe dafür, Kalkstein und Salz, werden nur wenige Kilometer entfernt gefördert.

Platz für weitere Ansiedlungen

Soda-Herstellung ist sehr energieaufwendig. Deshalb ist Werkleiter Müller froh, dass die Energieanlage Bernburg (EAB) auf dem Gelände seit 2010 günstig Dampf erzeugt: Der mehrheitlich zur Tönsmeier-Gruppe gehörende Betrieb verwertet Ersatz­brenn­stoffe im Heizkraftwerk. „Das ist ein entscheidender Vorteil für unseren Standort. Es bedeutet Preisstabilität – und damit Sicherheit für unsere Arbeitsplätze.“

Dies und andere Standort-Vorteile, etwa die Bahnanbindung, möchte Müller mit anderen teilen. Vier Hektar stehen dafür zur Verfügung.

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