Universität

Chemie studieren? Aber ja!


Für Emanuel Beck ist es ein spannendes Fach, das viele Berufswege ermöglicht

Stuttgart. „Was machst du? Chemie? Oh Gott, das habe ich in der Schule abgewählt!“ So reagieren viele Freunde von Emanuel Beck, der an der Uni Stuttgart-Vaihingen im sechsten Semester Chemie studiert. Er versteht die Aufregung nicht: „Ein spannendes Fach, mir macht es  Spaß. Im Beruf hat man viele Möglichkeiten.“

Die Organische Chemie hat es dem jungen Mann besonders angetan: „Da hantiert man mit Kolben und großen Apparaturen, setzt Rührer und Feuer ein, überall zischt und dampft was“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Und ergänzt mit einem Zwinkern: „So stellt man sich Chemie eben vor.“ Dazu gehören aber auch Mathe und Physik: „Viel mehr, als ich vorher dachte“, gesteht Beck.

Die Lehre hilft beim Studium enorm

Bei aller Freude an der Chemie ist das Studium kein Zuckerschlecken: „Da muss man sich hinsetzen und lernen. Aber das klappt gut!“ Der engagierte Student bringt schon einiges an Erfahrung mit: Er hat  eine  abgeschlossene  Ausbildung als Chemielaborant. „Das hilft mir in der Praxis enorm“, berichtet Beck. Gelernt hat er beim Textilchemie-Spezialisten CHT R. Beitlich in Tübingen.

Dort kam er in einige Abteilungen: „Das war super. Ich habe Textil-Hilfsmittel hergestellt. Und in der Produktion mit Kesseln gearbeitet, die 20 Tonnen und mehr fassen“, erzählt der Student.

Am Ende der Ausbildung war für ihn aber klar: Da geht noch mehr! Beck: „Nach der Schule hatte ich einfach nicht genug Motivation für ein Studium. Da wollte ich erst einmal richtig arbeiten.“

Inzwischen begeistert ihn die Uni so sehr, dass er gerne in die Forschung gehen möchte. Nach zehn Semestern will er mit dem Studium fertig sein, dann noch eine Promotion draufsetzen: „Mit einem Titel hat man sehr viel mehr Chancen“, sagt er. Der Meinung ist auch Peter Menzel, Chemie-Professor an der Uni Hohenheim: „Im Moment sind die Aussichten für Chemiker gut, für Lehrer sogar exzellent. Auch die Krise wird daran nicht viel ändern“, schätzt er.

Der jährliche Bedarf an Chemikern liegt in Deutschland bei etwa 1500. Von denen stellt die Chemie-Industrie etwa 500 ein. Firmen suchen meist Organiker oder Kunststoff-Chemiker. Ohne Doktortitel gibt es Stellen in Marketing, Vertrieb, Produktion oder Produktsicherheit und bei Behörden.

Menzel legt Wert darauf, dass den jungen Leuten die Chemie Spaß macht: „Man braucht für das Studium wirklich Durchhaltevermögen. Die Schulnote ist gar nicht so wichtig.“

Jetzt will der Student andere begeistern

Emanuel Beck ist mit seiner Studienwahl jedenfalls zufrieden. So sehr, dass er nebenher im Schüler-Labor „Fehling-Lab“ Experimentierkurse für Kinder gibt: „Vielleicht kann ich ihnen die Begeisterung für Naturwissenschaft vermitteln. Bei mir hat das damals eine Lehrerin geschafft. Mein Interesse an Chemie hat bis heute nicht aufgehört.“

Info: Das Chemiestudium

Das neue Chemiestudium umfasst sechs Grundsemester in den Fächern Analytik, Anorganik, Physikalische Chemie und Organik. Biochemie, Technische und Theoretische Chemie sind Wahlfächer. Es folgen vier Semester mit einem Schwerpunkt-Fach oder einer Fächer-Kombination wie etwa Chemie plus Betriebswirtschaft. Den Abschluss bildet das Diplom (Master). Gute Infos gibt es bei der Gesellschaft deutscher Chemiker unter www.gdch.de/bub/studium.htm

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Schlagwörter: Schule

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