Wachstum aus der Dose

Chemie-Hersteller Tunap in Sachsen mit Spezial-Sprays für Auto und Industrie erfolgreich

Lichtenau. Hunderte Weißblechdosen drängeln sich vor der Abfüllanlage. Leise klappernd verschwinden sie, um am anderen Ende als fertige Spraydosen aufzutauchen. Wie das funktioniert, erklärt Mitarbeiter Ray Heinrich: „Zunächst wird der Wirkstoff eingefüllt, dann die Dose mit einem Ventil abgedichtet. Das flüssige Treibgas kommt in die Flaschen, und am Ende setzen wir den Sprühkopf drauf.“

Spray-Produktion bei der Firma Tunap im sächsischen Lichtenau – da ist Tempo nötig. Über 200.000 Aerosol-Flaschen, wie es im Fachjargon heißt, füllt die Fabrik am Tag. „Letztes Jahr haben wir gut 53 Millionen ausgeliefert“, berichtet Werkleiter Jens Georgi. Und 2015 werden es wieder einige Millionen mehr sein.

Das Werk mit 85 Beschäftigten und je nach Auftragslage ein, zwei Dutzend Zeitarbeitern ist gut ausgelastet. Rund um die Uhr von Montag bis Freitag, manchmal auch sonnabends, wird abgefüllt: jede Menge Sprays für den Einsatz in Autos oder Industrie, außerdem Kosmetik und Haarlack.

Schon seit 1965 werden hier Aerosole hergestellt

Zum Tunap-Sortiment gehören beispielsweise: unbedenkliche Wartungssprays für Lebensmittelmaschinen, Ventil-Reiniger fürs Auto, Desinfektionsmittel für Klimaanlagen und Substanzen zum Abdichten von Kühlern. Viele der Wirkstofflösungen, die bis zu 15 Ingredienzen enthalten, werden vor Ort im Werk in riesigen Ansatzkesseln gemixt. Andere kommen per Tanklaster, allen voran die Treibgase, etwa Kohlendioxid, Propan oder Butan.

Schon seit dem Jahr 1965 werden hier in Lichtenau Aerosole hergestellt, 1997 kam das Werk zu dem Familienunternehmen Tunap-Gruppe, das im bayerischen Wolfratshausen seinen Sitz hat. „Ein Glücksfall für uns“, findet Werkleiter Georgi, der Anfang der 90er hier als Kaufmannslehrling ins Berufsleben startete.

Denn Tunap fährt auf der Überholspur. Seit Jahren wächst der Umsatz zweistellig. 2014 hatte die Gruppe 850 Mitarbeiter und erwirtschaftete 241 Millionen Euro Umsatz. Die Produkte aus den vier Werken in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind weltweit gefragt. Einer der Gründe für den Erfolg: die große Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Techniker tüfteln auf Kundenwunsch spezifische Lösungen aus. „Und wir arbeiten immer mit neuesten Technologien“, ergänzt der Lichtenauer Werkleiter Georgi. Das Wachstum bringt Investitionen. Gerade entsteht hier ein neues Lager; zudem wird die Fabrik auf die Fertigung von Technik-Sprays ausgerichtet.

Die Kosmetik-Linie dagegen geht an ein neu erworbenes Werk in Österreich – unterstützt durch das Know-how von Jens Georgi, der dort jetzt öfters nach dem Rechten schaut.


Schon gewusst?

Wie die Spraydose funktioniert

  • Spray ist eine Mischung aus Treibgas und Tröpfchen des Wirkstoffs, etwa Farbe oder Reiniger. Der Fachbegriff ist Aerosol.
  • So ein Aerosol hat den Vorteil, dass es den Wirkstoff aus der Dose gleichmäßig verteilt: selbst in verwinkelte Ecken.
  • Das klappt aber nur, weil die Sprayflasche nicht komplett mit dem Mix aus flüssigem Treibmittel und flüssigem Wirkstoff gefüllt wird.
  • So bleibt oben in der Spraydose immer etwas Treibgas. Beim Druck auf den Sprühkopf und Öffnen des Ventils treibt es die Flüssigkeit durch das Steigrohr aus der Dose.
  • Das Treibmittel verdampft sofort, übrig bleibt der Wirkstoff auf der besprühten Fläche.

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