Ausbildung

„Chemie als Herausforderung“


Wie ein Arbeitgeber-Vorsitzender das Azubi-Problem sieht

Wie kann die Chemie den Nachwuchs sichern? Antwort gibt Andreas Hungeling. Der Geschäftsführer von PCK ist Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes Nordostchemie.

AKTIV: Allein 2009 fiel die Azubi-Bewerberzahl im Osten  um 26 Prozent. Ein Problem?

Hungeling: Ja. Und wir ha­­ben nicht nur weniger Köpfe in den zehnten Klassen, sondern auch weniger Qualität. Das ist kein Vorwurf an die Jugend: Mangelnde Ausbildungsreife liegt am Bildungssystem.

AKTIV: Was tun?

Hungeling: An den Schulen müssen die MINT-Fächer, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ausgebaut und interessanter vermittelt werden. Da bieten wir gern Hilfe an. Doch wir hören, dass man sich mancherorts in der Chemie-Stunde mehr mit Seidenmalerei beschäftigt als mit Kohlenwasserstoffen. Das verbaut uns als Industrie und auch den jungen Menschen Möglichkeiten.

AKTIV: Wie kann man speziell das Interesse an Chemie wecken?

Hungeling: Unser Verband ist sehr engagiert in der Lehrer-Fortbildung, er unterstützt den Chemie-Unterricht vieler Schulen und sponsert den Wettbewerb „Chemkids“. Aber wir kämpfen mit Klischees: Zu viele glauben, wir verdreckten die Umwelt und gingen fahrlässig mit riskanten Stoffen um. Natürlich haben wir gefährliche Anlagen und gefährliche Stoffe – aber wir haben sie im Griff. Sonst würden wir das nicht machen.

AKTIV: In die Chemie zu gehen, ist also gerade deshalb cool?

Hungeling: Das ist eben die Herausforderung: das potenziell Gefährliche auf hohem Niveau und sehr professionell zu betreiben. Chemie ist nichts Dreckiges, sondern anständige, gut bezahlte Arbeit – und das in einem extrem zukunftsfesten Umfeld.

AKTIV: Müssen nicht auch die Firmen beim Thema Nachwuchswerbung neue Wege gehen?

Hungeling: Das tun sie. PCK Schwedt hat jetzt die ersten Azubis, die zugleich an der Fachhochschule Merseburg ein Bachelor-Studium absolvieren. Das kann gute Leute für die Chemie überzeugen. Eine andere Möglichkeit ist, einen Notenschnitt bei der Ausbildung zu definieren, mit dem man garantiert eine Festanstellung bekommt.

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