Familienunternehmen

Chefin in der Lehre


Sie arbeitet am detaillierten Einblick: Marion Schmidbauer, Tochter von Firmenchef Bernhard Schmidbauer, macht ab September eine Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin Feinblech. Foto: Weigel

Unternehmertochter Marion Schmidbauer lernt von der Pike auf

Hebertsfelden. Golf spielen, ein Luxus-Auto fahren, pompöse Partys feiern – das mag so manche Promi-Tochter eines Firmenchefs machen. Marion Schmidbauer läuft lieber mit ihrem Hund durch den Wald. Und fährt anschließend mit ihrem roten Mini in die Firma ihrer Eltern: die Schmidbauer GmbH Blechverarbeitung in Hebertsfelden im Landkreis Rottal-Inn.

„Ich muss Ahnung von Technik haben“

Ab September wird Schmidbauer (22) ihre bisherige Büro-Arbeit gegen Blaumann und Winkelmesser eintauschen: „Weil ich unser Unternehmen weiterführen will, mache ich ab September eine Lehre zur Konstruktionsmechanikerin Feinblech“, sagt sie. „Denn ich muss Ahnung von der Technik haben, wenn ich Kunden beraten oder Preise mit ihnen verhandeln werde.“

Schon heute trägt die Steuerfachangestellte Verantwortung: Sie leitet das Nebengeschäft Modellbau. Es ist aus einem Hobby ihres Vaters entstanden, des Firmenchefs Bernhard Schmidbauer (48). Alle Fragen zu Personal, Einkauf, Lager und Versand der 56.000 Modellautos, Bausätze und Rennbahnen gehen über Marions Tisch.

Die Idee, sich für die Firmennachfolge fit zu machen durch eine Lehre in einem Metallberuf – die hat sie im Gespräch mit ihrem Vater entwickelt. „Natürlich traue ich ihr die Gesamtleitung der Firma zu“, sagt Bernhard Schmidbauer und zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. „Sie muss ja nicht alle Maschinen selbst bedienen, sondern Verständnis für die Zusammenhänge und Prozesse haben.“

Die Blechbearbeitung ist aus dem Betrieb ihres Großvaters entstanden. Der begann 1949 mit einer Werkstatt für Transformatoren und Spulen. Sein Sohn Heinrich führt den Betrieb weiter. 1989 kommt das Geschäft mit Gehäusen hinzu, unter der Führung von Bruder Bernhard.

Heute verarbeiten insgesamt 50 Mitarbeiter jährlich rund 650 Tonnen Blech zu Gehäusen aller Art: für Transformatoren oder Steuerungsteile von Solaranlagen, aber auch zu Schaltschränken oder Regalsystemen, zum Beispiel für Ladeneinrichtungen.

BWL findet sie zu abstrakt

Mit Marion ist nun die dritte Generation am Start. Außer auf das Fräsen, Stanzen, Pulverbeschichten und Montieren von Metallblechen freut sie sich auch auf die Berufsschule: „So lerne ich die Grundlagen und sehe nicht nur, wie bei uns Prozesse ablaufen.“

Das Fachabitur zu machen und Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu studieren, hat sie überlegt – und verworfen. „Ich brauche kein abs­traktes  Wissen.  Um  für  unseren Betrieb das Beste rauszuholen, muss ich wissen, was bei uns technisch möglich ist.“

Nach den dreieinhalb Jahren Lehre will Marion Schmidbauer wie eine Sachverständige nach innen und außen wirken. Dass mancher im Betrieb sie schon von klein auf kennt, empfindet sie nicht als Nachteil: „Respekt muss auf allen Ebenen da sein. Die Meinung unserer Mitarbeiter wird geschätzt. Und das wird so bleiben.“

Auch wenn sie schon heute die Verantwortung spürt, die auf sie zukommt: Allein fühlt sie sich nicht. „Ich bin auf die Erfahrungen unserer Belegschaft angewiesen. Mit ihrem und meinem Wissen werde ich mit Sicherheit die richtigen unternehmerischen Entscheidungen treffen.“

Eva Schröder

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Bisher bin ich Steuerfachangestellte. Daran interessieren mich die Ergebnisse von Berechnungen. Wenn man durchschaut, was hinter denen steckt, bekommt man einen guten Überblick. Den will ich bald auch in der Technik haben. Deshalb mache ich jetzt die Metall-Lehre. 

Was gefällt Ihnen besonders?

Die Vielfalt, die in den Blechtafeln steckt, aus denen wir unsere Gehäuse machen. Wo die dann überall eingesetzt werden, ist toll.

Worauf kommt es an?

Herzblut in eine Sache zu stecken. Und dranzubleiben, auch wenn es mal schwierig ist. Denn wer sich nicht selbst führen kann, kann auch niemand anderen führen.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang