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Sauberes Wasser für Schwimmbäder und Kreuzfahrtschiffe

Chef-Interview mit Wolfram Kuhn von Herborner Pumpentechnik

Wer in einen Pool springt, verdankt den ungetrüben Spaß oft Anlagen von Herborner Pumpentechnik. AKTIV sprach mit Geschäftsführer Wolfram Kuhn. Der verriet uns, dass er eigentlich gar nicht Chef werden wollte.

Spezialität für die Kläranlage: Wolfram Kuhn mit einer Rohabwasserpumpe. Foto: Scheffler

Spezialität für die Kläranlage: Wolfram Kuhn mit einer Rohabwasserpumpe. Foto: Scheffler

Endmontage: Industriemechaniker Jonas Stöcker und Wolfram Kuhn mit einer Schwimmbadpumpe. Foto: Scheffler

Endmontage: Industriemechaniker Jonas Stöcker und Wolfram Kuhn mit einer Schwimmbadpumpe. Foto: Scheffler

Herborn. Ob es um sauberes Wasser in Schwimmbädern geht, um Kläranlagen oder auch den Transport von Abwasser auf Kreuzfahrtschiffen: Die Herborner Pumpentechnik übernimmt die Vorreiterrolle bei der Entwicklung von Pumpentechnologien – seit fast 150 Jahren. AKTIV sprach mit Wolfram Kuhn, dem Geschäftsführer des Unternehmens, über die hohe Kunst der Pumpentechnik.

Herr Kuhn, gehen Sie oft ins Schwimmbad?

Schwimmen hat mir noch nie viel Spaß gemacht. Aber ich habe viel mit den Schwimmbadbauern zu tun. Fast alle deutschen und über 70 Prozent aller Schwimmbäder in Mitteleuropa setzen auf unsere Pumpentechnik. Und auch eines der größten Spaßbäder der Welt, der Aqua-Park auf Yas-Island in Abu Dhabi. In den USA, dem Land der Pools und Spaßbäder, bauen wir gerade einen eigenen Montage-Standort auf.

Was ist das Besondere an Ihren Pumpen?

Wir suchen immer neue Lösungen und verstehen uns als Innovationsführer. Der Trick ist ein ausgeklügeltes Baukastensystem rund um unsere Pumpen. Auf der Grundlage unserer Erfahrung entwickeln wir branchenspezifische Lösungen, die effizient arbeiten und sehr wirtschaftlich sind. Dazu gehören auch spezielle Beschichtungen, zum Beispiel für besonders glatte Oberflächen, oder Materialien, die die Pumpen widerstandsfähiger machen, etwa gegen Chlor oder Sole, also sehr salzhaltiges Wasser.

Klingt sehr speziell.

Ja. Pumpen müssen einfach immer einwandfrei funktionieren. Auf einem vollbesetzten Kreuzfahrtschiff kann es eklig werden, wenn die Abwasserpumpen nicht mehr funktionieren. Noch anspruchsvoller wird es bei der US-Navy. Die Pumpen müssen zum Beispiel extrem vibrationsarm sein, damit man die Schiffe nicht orten kann, und sie müssen nachweisbar das 28-Fache der Erdbeschleunigung aushalten, damit sie auch bei größter Belastung nichts abreißen kann.

Welche Rolle spielen bei all dem Ihre Mitarbeiter?

Wir sind hier ein eingeschworenes Team. Der über Jahre bewährte anständige Umgang miteinander trägt Früchte, und die Mitarbeiter bringen gute Leistung. Aber es wird schwieriger, trotz eigener Ausbildung und der Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen geeigneten Nachwuchs zu finden. Wir konnten schon Ausbildungsplätze nicht besetzen, weil die Qualifikation der Bewerber nicht zu den Anforderungen passte, zum Beispiel bei IT-Berufen. Anderen Firmen in der Region geht es ähnlich. Wenn das so weitergeht, wird die Digitalisierung im Mittelstand daran scheitern, dass nicht genug Menschen programmieren können.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung bei Ihnen bereits?

Wir sind da schon gut dabei, ob es um die Steuerung der Pumpen beim Kunden geht oder um unsere eigene Produktion. Mannlose Fertigung ist für uns ein alter Hut. Wir investieren pro Jahr rund 1 Million Euro, in neue Maschinen und Anlagen, aber auch in 3-D-Druck oder die Einführung eines Barcode-Systems in der Gießerei, dem Herzstück unserer Produktion. Die haben wir auf Ein-Stück-Fertigung umgestellt, um noch flexibler zu sein und schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Haben Sie nach dem Einstieg in den USA weitere Länder im Blick?

Ja. Der Mittlere Osten reizt mich. Um zu wachsen, muss man sich neue Märkte erschließen und Zeit und Geld investieren. Ich bin heute noch dankbar für den Mut meines Onkels, 1955 bei der Navy anzuklopfen – bis heute ein wichtiger Kunde.

Wollten Sie immer Chef werden?

Nein, obwohl ich direkt vom Gründer Heinrich Hoffmann abstamme. Mein Onkel überredete mich 1989, es wenigstens mal zu probieren. Jetzt bin ich mit 57 Jahren immer noch da und hab wohl was richtig gemacht. Aktuell schaue ich nach geeigneten Nachfolgern in der Familie. Sie müssen das Unternehmen in allen Facetten verstehen lernen. Das braucht alles seine Zeit. Und die nehmen wir uns.

Zur Person

Wolfram Kuhn

  • Geboren 1960 in Wetzlar, verheiratet, zwei Töchter
  • Maschinenbau-Studium an der Universität Siegen
  • 1986 Entwicklungs-Ingenieur in Automotive-Unternehmen
  • 1989 Einstieg bei Herborner Pumpentechnik, 1991 als technischer Geschäftsführer
  • Seit 1996 alleiniger Geschäftsführer
  • Mitglied des Vorstands der Bezirksgruppe Mittelhessen von Hessenmetall

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