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Technik für gute Luft in der Flugzeugkabine

Chef-Interview mit Ulrich Raab von Nord-Micro

Für den richtigen Druck in Flugzeugkabinen sorgt Technik aus Frankfurt. Dank der Systeme von Nord-Micro können Passagiere in jeder Flughöhe atmen. AKTIV sprach mit dem Chef Ulrich Raab über eine faszinierende Branche.

Im Fachgespräch: Ulrich Raab (rechts) und Industriemechaniker Darijo Kozic, der das Auslassventil eines Kabinendrucksystems für eine Boeing 787 montiert. Foto: Scheffler

Im Fachgespräch: Ulrich Raab (rechts) und Industriemechaniker Darijo Kozic, der das Auslassventil eines Kabinendrucksystems für eine Boeing 787 montiert. Foto: Scheffler

Im Service: Zwei Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten an Hochleistungsgebläsen. Foto: Scheffler

Im Service: Zwei Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten an Hochleistungsgebläsen. Foto: Scheffler

In Ordnung: Ulrich Raab und Mitarbeiter Stefan Kilp bei Reparaturarbeiten. Foto: Scheffler

In Ordnung: Ulrich Raab und Mitarbeiter Stefan Kilp bei Reparaturarbeiten. Foto: Scheffler

Frankfurt. Nord-Micro in Frankfurt ist mit 480 Mitarbeitern und einem Umsatz von 180 Millionen Euro in 2017 der Weltmarktführer für Kabinendruckregel- und Belüftungssysteme in Flugzeugen. Dank dieser Systeme können Passagiere in Flugzeugen in jeder Lufthöhe atmen. AKTIV sprach mit dem promovierten Ingenieur Ulrich Raab, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Nord-Micro, über seine Begeisterung für Druck in der Welt der Luftfahrt-Industrie.

War eine Stelle in der Luftfahrt-Industrie von jeher Ihr Traum?

Nein. Im Studium habe ich mich auf Regelungstechnik spezialisiert, und bei Nord-Micro war nach meinem Abschluss eine passende Stelle frei. Ziemlich schnell war ich dann in die Entwicklung des Airbus A 330 eingebunden, der Ende 1992 erstmals abhob. Nachdem ich dann zwei Jahre auf der Piste bei Airbus in Toulouse verbracht und Kerosin gerochen habe, war für mich klar, die Luftfahrt ist meine Welt.

Was ist das Besondere daran?

Die Luftfahrt-Industrie ist eine kleine Branche, mehr eine Gemeinschaft. Jeder kennt jeden, und es schweißt zusammen, wenn man gemeinsam ein Flugzeug baut. Wir sind in jedem neueren großen Flieger dabei. Mindestens vier von fünf Flugzeugen auf der Welt sind mit Systemen von uns ausgerüstet.

Was sind das für Systeme?

In der üblichen Reiseflughöhe von etwa 10.000 Metern beträgt der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre ein Fünftel der Menge am Boden. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnte da kein Mensch überleben. Das Problem lösen Systeme, die den Kabinendruck regeln und Luft austauschen. Es sind sicherheitskritische Geräte, das heißt, sie müssen immer 100-prozentig funktionieren. Und genau dafür sorgen wir.

Hört sich nach ziemlichem Druck an für alle, die daran arbeiten …?

Sicherheit ist oberstes Gebot, und dafür tragen wir die Verantwortung, das ist keine Frage. Aber wir können damit umgehen. Jeder bei uns weiß, worauf man besonders achten muss. Aus- und Weiterbildung, aber auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter sind darauf ausgerichtet. Aber wir haben auch weiteren Druck.

Nämlich?

Bei jedem neuen Produkt gehen wir in Vorlage mit vielen Millionen Euro. Wir verdienen erst, wenn sich ein Flugzeug gut verkauft. Wird es zum Flop, muss man das abfangen können. Da hilft es schon, dass wir zum großen amerikanischen UTC-Konzern gehören. Und trotzdem müssen unsere Zahlen stimmen. Der Wettbewerb ist hart. Viele wollen etwas vom Kuchen abhaben. Schauen Sie nach China: Das enorme Kapital dort und den unbedingten Willen der Menschen nach Erfolg darf man nicht unterschätzen. China und Russland bauen gerade am ersten eigenen Großraumflugzeug. Da wollen wir natürlich auch dabei sein. Also müssen wir aufpassen, wie sich Deutschland entwickelt.

Das heißt?

Wir müssen die Kosten am Standort im Griff behalten und zum Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit Produkte und Prozesse ständig verbessen. Auch das ist für alle anstrengend, aber es geht nicht anders. Bei Nord-Micro wird ständig optimiert, ob in der Fertigung oder im Service, wo jedes Werkzeug seinen Platz hat, damit niemand Zeit verliert durch Suchen. So konnten wir uns bisher gut behaupten. In den letzten zehn Jahren konnten wir 130 Arbeitsplätze schaffen. Wir haben gute neue Produkte in der Pipeline, stellen deshalb weiter ein und werden sicher bald die 500-Mitarbeiter-Marke knacken.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?

Den Standort wettbewerbsfähig zu halten. In Bewerbergesprächen fragen schon Berufseinsteiger nach Teilzeitarbeit, die Gewerkschaft bringt in der Tarifrunde die 28-Stunden-Woche ins Spiel. Wir haben bereits tolle Arbeitszeitregelungen, gehen auf Wünsche gerne ein. Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl und werden in guten Jahren großzügig am Erfolg beteiligt. Aber sie wissen: Wir müssen liefern, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr, denn Flugzeuge müssen fliegen. Nur so verdienen sie Geld. Wenn wir noch weiter runtergehen bei der Arbeitszeit, während in anderen Teilen der Welt gerade durchgestartet wird, weiß ich nicht, was passiert.

Zur Person

Ulrich Raab

  • Geboren 1962 in Seligenstadt, verheiratet, drei Kinder
  • Studium der Elektrotechnik mit anschließender Promotion an der Technischen Universität (TU) Darmstadt
  • 1992 Einstieg bei Nord-Micro in Frankfurt
  • Seit 2005 Vorsitzender der Geschäftsleitung von Nord-Micro

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