Starkes Doppel

Chef-Interview mit Tobias Althaus und Christian Gerke vom Stahlbeton-Spezialisten Peikko

Ob Hamburger Elbphilharmonie oder Kraftwerke in aller Welt: Peikko Deutschland aus Waldeck ermöglicht spektakuläre Bauprojekte. AKTIV sprach mit den Chefs Tobias Althaus und Christian Gerke über Teamwork und Herausforderungen.

Eingespieltes Team: Tobias Althaus und Christian Gerke (links) vor einem Stapel frisch geschweißter Stahlbauteile. Foto: Scheffler

Eingespieltes Team: Tobias Althaus und Christian Gerke (links) vor einem Stapel frisch geschweißter Stahlbauteile. Foto: Scheffler

Enger Kontakt zur Belegschaft: Die Geschäftsführer im Gespräch mit Produktionsmitarbeiter Marco Frederics. Foto: Scheffler

Enger Kontakt zur Belegschaft: Die Geschäftsführer im Gespräch mit Produktionsmitarbeiter Marco Frederics. Foto: Scheffler

Waldeck. Ob erdbebensichere Stützenverbindungen, Decken mit extremen Spannweiten, hohe Türme oder Gebäude mit beeindruckenden Rundungen: Wenn Bauherren spektakuläre Ideen realisieren wollen, kommen sie an Peikko nicht vorbei. AKTIV sprach mit Tobias Althaus und Christian Gerke, den Chefs von Peikko Deutschland in Waldeck, die mit ihren Produkten überall in der Welt auch bei ausgefallenen Bauwerken für Bodenhaftung sorgen.

Herr Gerke, Herr Althaus, gibt es Sie beide nur im Doppelpack?

Althaus: Bei öffentlichen Auftritten sind wir so wie jetzt meistens zu zweit, ansonsten geht jeder natürlich alleine seiner Arbeit nach. Christian ist für den kaufmännischen Bereich, ich bin für alles Technische im deutschsprachigen Raum zuständig, und wir beide arbeiten auch in der Peikko-Gruppe mit.

Was macht ein finnisches Unternehmen im nordhessischen Waldeck?

Gerke: Wir liegen in der Mitte Europas. Das ist ein guter Platz, um zu expandieren. Über einen Studentenaustausch hatten die Inhaber gute Kontakte in die Region. Deshalb starteten sie 1997 hier den ersten Betrieb außerhalb Finnlands.

Waren Sie beide gleich dabei?

Althaus: So ziemlich. Ich war Mitarbeiter Nummer vier, Christian Nummer fünf. Damals haben wir alles gemacht, Aufträge an Land gezogen, Mitarbeiter angeworben, geschweißt, Kisten gepackt für den Versand. Jeder von uns sah die Stelle als Sprungbrett, vielleicht für ein Jahr.

Gerke: Aber es hat uns dann beide richtig gepackt.

Was hat sie so gefesselt?

Althaus: Zum einen die Art, wie gut man bei Peikko mit Menschen umgeht. Und zum anderen die Produkte. Wir machen nicht einfach nur Befestigungselemente für den Betonstahlbau. Oft sind wir bei den Projekten von Anfang an dabei. Man findet Teile von uns in der Elbphilharmonie und im über 300 Meter hohen Thyssenkrupp-Testturm in Rottweil. Wir sind auch stark im Kraftwerksbau oder bei Windkraftanlagen. Durch unsere Entwicklungen lassen sich Betonteile in transportierbare Einzelteile zerlegen, die man dann auf der Baustelle verschraubt.

Klingt nach guter Entwicklung …

Gerke: Ganz genau. Aktuell hat Peikko Deutschland 160 Mitarbeiter. Weltweit sind es um die 1.500. Aber wir stehen im unmittelbaren Wettbewerb mit den anderen Peikko-Werken, die zum Beispiel in Litauen, der Slowakei oder gar China unter ganz anderen Rahmenbedingungen produzieren. Deshalb müssen wir unsere Kosten hier gut im Griff behalten.

Wie sehen Sie die von der IG Metall geforderte Arbeitszeitverkürzung?

Althaus: Das kann gar nicht funktionieren. Bei der öffentlichen Hand werden für Bauprojekte bereitgestellte Gelder nicht abgerufen, weil die Menschen fehlen, die die Arbeit erledigen. Der Fachkräftemangel ist doch längst da. Wir können schon jetzt nicht all unsere Stellen besetzen, weil Bewerber fehlen.

Wie reagieren Sie darauf?

Gerke: Durch Investitionen in die Automatisierung. Wir sind als guter Arbeitgeber bekannt, bilden aus und tun wirklich sehr viel für die Beschäftigten. Man hilft unkompliziert, wo Hilfe gebraucht wird. Und dennoch bleiben Stellen frei. Also geben wir jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag aus für die Modernisierung und Automatisierung der Produktion, aber auch für die Weiterbildung, damit alle hier mit der Digitalisierung und Automatisierung Schritt halten können.

Ist die Digitalisierung eine weitere Herausforderung?

Althaus: Ja, und da wird’s richtig spannend, allein schon wegen der Geschwindigkeit, mit der sich Dinge verändern. Wir haben papierlose Büros, Produktionsaufträge laufen über den PC. Wir arbeiten dank Cloud und Skype über Kontinente hinweg mit Kollegen zusammen und begleiten so auch Projekte. Der virtuelle Besuch in einem Gebäude, das es noch gar nicht gibt, ist schon lange möglich. Hinzu kommen nun gigantische Datenmengen durch das Dokumentieren von allen verbauten Einzelteile für deren Rückverfolgung, und schließlich gibt es noch eine Zeitschiene, um ablesen zu können, wann was wo sein muss.

Gerke: Das ist die Welt, in der wir bei Peikko unterwegs sind, und die ist wirklich spannend.

Zur Person

Christian Gerke

  • 1976 in Frankenberg geboren, verheiratet, zwei Kinder
  • Ausbildung zum Bauzeichner
  • Nach dem Wehrdienst Weiterbildung zum Techniker
  • 2001 Einstieg bei Peikko Deutschland im Vertrieb
  • Von 2004 bis 2015 Leiter des Vertriebs
  • Seit 2015 Geschäftsführer von Peikko Deutschland

Zur Person

Tobias Althaus

  • 1972 in Korbach geboren, verheiratet, ein Kind
  • Ausbildung im Handwerk zum Kfz-Mechaniker
  • Studium Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Mittelhessen
  • 2000 Einstieg bei Peikko Deutschland im Vertrieb
  • 2005 Leiter Technisches Büro
  • Seit 2015 Geschäftsführer von Peikko Deutschland

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