Technik-Expertin

Checkt alles doppelt: Barbara Aichele prüft Flugsysteme von Liebherr-Aerospace

Lindenberg. Ein leises Surren, ein kurzer Ruck: Wenn beim Start eines Flugzeugs diese typischen Begleiterscheinungen auftauchen, weil das Fahrwerk eingezogen wird, dann bleibt Barbara Aichele, wenn sie selbst als Passagierin an Bord ist, ganz entspannt.

Das hat auch mit ihrem Beruf zu tun: Die 46-jährige Maschinenbau-Ingenieurin leitet die Abteilung Sicherheit und Zuverlässigkeit bei der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH im Allgäu. Das Unternehmen liefert Fahrwerke und Flugsteuerungssysteme an große Hersteller wie zum Beispiel Airbus, Boeing, Bombardier und Embraer. Aichele und ihr Team sorgen dafür, dass die Komponenten zuverlässig funktionieren.

Bugfahrwerk und Verriegelung, Vorflügel- und Landeklappen – in Flugzeugen wird alles gesteuert von präziser Technik. Jedes dieser Systeme besteht aus vielen Teilen, und der Teufel steckt im Detail.

Sicherheit beginnt in der Entwicklung

Aichele muss sich überall genau auskennen: Sie weiß, dass das Ein- und Ausklappen des Fahrwerks meist hydraulisch funktioniert – und dass es deswegen eben etwas ruckelt. Sie kennt die mechanischen Vorrichtungen zur Verriegelung am Boden und in der Luft, die vielen Sensoren und jede Menge Elektronik und Computer, die sämtliche Bewegungen im Flieger steuern. Nicht zu vergessen die Eingabegeräte für die Piloten. Sie hat alles im Blick. Von Anfang an.

Ein Ventil, das nicht perfekt schließt? So was darf beim Fliegen nie passieren. Deshalb beginnt die Sicherheit schon in der Entwicklung der Produkte. „Je früher man einen Fehler entdeckt, desto besser“, erklärt die Technik-Expertin.

Sie muss nicht nur wie die Konstrukteure wissen, wie die einzelnen Geräte reibungslos funktionieren, sondern auch, was passieren könnte, wenn etwas nicht perfekt läuft. Aichele steht in engem Kontakt mit den Kollegen im Entwicklungsbereich. Immer wieder wird gerechnet und geprüft: „Doppelt genäht hält besser.“ Oft wird, wie beim Fahrwerk, mit zwei technisch verschiedenen Lösungen gearbeitet – einer hydraulischen und einer elektrischen.

Und wenn nach mehreren Prüfschleifen alles passt? „Dann betrachten wir noch mal das fertige Produkt-Design.“

Ein Fahrwerk hat bis zu 2.500 Teile

Eine Sisyphos-Arbeit, wenn man bedenkt, wie komplex die Produktionsprozesse in Lindenberg sind. Das größte hier gefertigte Fahrwerk besteht aus 2.500 Einzelteilen. Auf Aicheles Schreibtisch kommen schnell mal 1.000 Seiten starke Dokumen- te zusammen. In dieser sicherheitskritischen Branche wird eben alles genau festgehalten. Und die Behörden greifen bei der Zulassung auf die Unterlagen zurück.

Zu Liebherr-Aerospace kam Aichele mit Mitte 20. Sieben Jahre arbeitete sie in der Fahrwerksteile-Konstruktion, hatte mit vielen Produktbereichen zu tun, Hubschrauber, Großraumjets, alles war dabei. Sie entwickelte das Bugfahrwerk für ein italienisches Trainingsflugzeug und war an der Entwicklung eines Fahrwerkssystems für einen Regionaljet beteiligt.

Als eine Stelle in der Sicherheit frei wurde, hat Aichele spontan zugegriffen, kümmerte sich erst um Fahrwerke, später als Gruppenleiterin auch um Flugsteuerungen. „Das ist genau das, was ich machen will“, habe sie sich damals gesagt. „Und daran hat sich bis heute nichts geändert.“

Wenn sie im Flugzeug sitzt und abhebt, ist das für sie ein stolzer Augenblick: „Ich lehne mich zurück – weil ich weiß, dass ich dazu beigetragen habe, dass dieses Flugzeug fliegen darf und sicher ist.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich mag Mathe und Physik, meine Leistungskurse in der Schule. Im Studium wollte ich daraus etwas Praktisches machen: Das war für mich die Fliegerei.

Was reizt Sie daran?

Es dreht sich alles um das sichere Zusammenwirken von Technik. Man muss die Details, aber auch das große Ganze im Blick haben. Das macht es spannend.

Worauf kommt es an?

Wir Sicherheitsleute arbeiten in einer Nische. Da ist viel Fachwissen gefordert. Und man muss sehr, sehr genau arbeiten.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang