Automobil-Zulieferer

Cabrio: Verdeck besteht aus 400 Einzelteilen


Osnabrück. Vorsicht! Eine ungeschickte Bewegung, und der Stich geht daneben! Uta Henkel weiß, worauf es ankommt, wenn sie den dreilagigen Stoffbezug für ein Cabrio-Dach mit einer Kante versieht. Zehn Minuten braucht sie dafür – und fixiert dabei auch Kunststoffelemente, die den Bezug am Dachgestell befestigen. „Die Kante gibt dem Dach den letzten Schliff“, erklärt die erfahrene Näherin. „Sie muss absolut stimmen!“

Präzision – das zieht sich bei dem Autozulieferer Valmet Automotive GmbH in Osnabrück wie ein roter Faden durch alle Bereiche. Nicht nur hier in der Textilbearbeitung, auch weiter hinten am sogenannten Standplatz, wo die Fertigungsspezialisten Fatih Acar und Deniz Uckan aus rund 400 Einzelteilen ein Verdeck montieren. „Wir versorgen Premiumhersteller wie Daimler, Bentley, BMW und auch Renault mit Stoff- und Blechverdecken für ihre Cabrios“, berichtet Geschäftsführer Holger Schramm. Rund 100.000 Stück verließen letztes Jahr das Werk.

Seit gut einem Jahrhundert ist Osnabrück Autostandort. Von 1901 bis zur Insolvenz im Jahr 2009 fertigte hier die Karmann-Gruppe Fahrzeugkomponenten. Dann kam ein Käufer für die Dachsparte: der finnische Autobauer Valmet Automotive. Mit der Übernahme verfolgte er eine klare Wachstumsstrategie: „In Osnabrück ­gab es von jeher eine eigene Entwicklungs- und Vertriebsabteilung“, erklärt Schramm. „Das kommt nun dem ganzen Konzern zugute.“

Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte der Diplom-Ingenieur Schramm für Karmann gearbeitet, zuletzt leitete er die Entwicklung. Nun lenkt er als Geschäftsführer die Geschicke von Valmet Automotive Osnabrück.

Die meisten der heute 420 Mitarbeiter der Stammbelegschaft (Produktionsspitzen werden über Zeitarbeit abgefangen) sind langjährige Kollegen. Ihr geballtes Know-how ist auch unter der finnischen Regie hochgeschätzt. Darauf ruht sich der Konzern aber nicht aus: Er investiert im Gegenteil kräftig. 2011 wurde der Dienstleister CAE Automotive übernommen, um die Entwicklung zu stärken. In moderne Maschinen hat Valmet Automotive Osnabrück bislang 3,5 Millionen Euro gesteckt. „Mit dem neuen Schüttelstand können wir unsere Dächer selbst auf Dichtigkeit prüfen“, so Schramm.

Die Zahl der Ingenieure soll verdoppelt werden

Im September haben in Osnabrück fünf Auszubildende in den Berufen Produktdesign, Mechatronik und Industriekaufwesen angefangen. „Wir entwickeln eigene Mitarbeiter, um innovationsstark und handlungsfähig zu bleiben“, betont Schramm.

Der Bereich Entwicklung soll in den nächsten Jahren erheblich ausgebaut, die Zahl der Ingenieure verdoppelt werden. Um nah dran zu sein am Kunden, will das Unternehmen zusätzliche Büros in München und Wolfsburg einrichten. In Kürze gehen zwei Dachsysteme in Produktion, nach drei Jahren Entwicklung. „Wir konzentrieren uns auf Entwicklung und Bau von Fahrzeugmodulen“, so der Geschäftsführer, „denn das können wir am besten.“

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