Hier sitzt jeder Handgriff

C. & E. Fein: Der Erfinder des ersten Elektrowerkzeugs fertigt heute noch alles in Deutschland


Schwäbisch Gmünd. Wenn Richard E. Geitner über seine Firma spricht, kommt er schnell auf die „urschwäbischen Tugenden“: „Ideenreichtum und Tüftlergeist liegen uns in den Genen“, sagt der Geschäftsführer von C. & E. Fein. Das vor über 145 Jahren gegründete Unternehmen entwickelte 1895 die elektrische Handbohrmaschine: das erste Elektrowerkzeug der Welt.

Bis heute stellt Fein für Handwerk und Industrie hochwertige Elektrowerkzeuge her – ausschließlich am Standort Deutschland. Das Bekenntnis zur Tradition sei eben auch eine schwäbische Tugend, doch keineswegs selbstverständlich: „Wir können als Nischenanbieter nur wettbewerbsfähig sein, wenn wir uns ständig verbessern“, erklärt Geitner.

Bei Fein beteiligen sich alle Mitarbeiter an besseren Abläufen

Wie das geht? Abläufe optimieren und Verschwendung vermeiden – das gehört einfach zum Alltag im Unternehmen. Es sind viele kleine Verbesserungen, die den Betrieb produktiver machen. Darauf kommt es an: Hohe Lohnkosten lassen sich nur ausgleichen, wenn gleichzeitig hochwertig und effi­zient produziert wird.

Das gilt auch für die neuen „Compact“-Winkelschleifer, die im Januar auf den Markt kommen. Sie tragen in der gleichen Zeit 30 Prozent mehr Material ab als vergleichbare Modelle. Denn der Motor sorgt für eine stabile Drehzahl. Ein Vollmetall-Getriebekopf macht die Maschinen langlebig.

Alles made in Germany. „Wir sind der einzige Hersteller, der sein gesamtes Winkelschleifer-Sortiment in Deutschland entwickelt, fertigt und montiert“, erklärt Geitner. Das Herzstück und die Kernkompetenz von Fein sind die Elektromotoren. Damit sie immer haltbarer und leistungsfähiger werden, wurde ein zentrales Thema überall im Betrieb verankert: der Prozess der kontinuierlichen Verbesserung. In mehrtägigen Workshops wird ausgetüftelt, wie beispielsweise das Umrüsten der Maschinen reibungsloser gehen könnte. Das geschieht gemeinsam mit den Mitarbeitern, die an den Fertigungslinien stehen.

In dieser Runde bringen Facharbeiter und Teamleiter eigene Ideen ein und präsentieren auch ihre Ergebnisse. Dafür werden sie vom laufenden Betrieb freigestellt. Rund 50 solcher Workshops gibt es jährlich.

„Wir investieren in gut geschulte Fachkräfte“, sagt Geitner. Er selbst sei überrascht von der enormen Wirkung der Methode: „Unsere Mitarbeiter sind motivierter, sie haben ein besseres Verständnis für Qualität entwickelt und sind sensibler für Verschwendung.“ Es gehöre zwar auch zu den schwäbischen Tugenden, nicht über Zahlen zu sprechen, doch so viel gibt Geitner preis: „Der Produktivitätsgewinn liegt über den angepeilten 5 Prozent pro Jahr.“

Zur Strategie gehört es ebenso, dass heute alles, von der Entwicklung bis zur Montage sowie Verwaltung und Marketing, an einem Standort in Schwäbisch Gmünd-Bargau gebündelt ist.

Hier hat Fein im Sommer dieses Jahres einen 2.600 Quadratmeter großen Erweiterungsbau bezogen, wo unter anderem die neue Ausbildungswerkstatt untergebracht ist. Für Geitner ist das eine naheliegende Entscheidung: „Produkte müssen da entstehen, wo auch die Konzepte dafür gemacht werden.“

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