Dazulernen – auch noch mit 70!

Bundespräsident Gauck fordert „mehr Tatkraft“ bei der Weiterbildung Älterer

Berlin. Wenn der erste Mann im Staate die Festrede bei einem Jubiläum hält, blickt er natürlich nicht nur lobend zurück – sondern auch nachdenklich nach vorne. Und so hat Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich der 125-Jahr-Feier des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall auch dazu aufgerufen, lebenslanges Lernen noch selbstverständlicher zu machen.

Die alte Weisheit „man lernt nie aus“ hänge manchem ja schon zum Hals heraus, so Gauck vor rund 450 geladenen Gästen im Berliner Theater am Schiffbauerdamm. „Aber es stimmt ja! Und wir sollten unsere Entfaltungsmöglichkeiten nutzen – ob wir nun 20, 50 oder 70 Jahre alt sind.“

Die Lebensgeschichten der Eltern oder Großeltern dürfe man nicht als Blaupause für das eigene Altern nehmen: Die meisten von uns werden länger leben – „und länger die Kraft und die Fähigkeit haben, aktiv zu bleiben“. Wer im Rentenalter noch arbeite, tue dies „in den allermeisten Fällen nicht aus finanzieller Not“.

Der Bundespräsident lobte die Ausgaben der Metall- und Elektro-Industrie in die Aus- und Weiterbildung: 8 Milliarden Euro im Jahr – „das ist eine stolze Summe“. Und Gauck nannte es „ermutigend“, dass immer mehr Firmen das Dazulernen älterer Mitarbeiter fördern.

Allerdings: „Die betriebliche Weiterbildung gerade für Ältere, aber auch für Geringqualifizierte bleibt eine Aufgabe, für die ich mir noch mehr Tatkraft und Entschlossenheit wünsche.“

Nicht zuletzt mit Blick auf den rasanten digitalen Wandel betonte er: „Wir brauchen mehr Dynamik und mehr Flexibilität, um die kostbare Ressource Arbeitskraft zu nutzen.“

„Die Sozialpartnerschaft hat unserem Land Wohlstand und sozialen Frieden beschert“

Eine neue Herausforderung für die Tarifparteien – deren historische Bedeutung für unser Gemeinwesen Gauck zuvor ausführlich herausgestellt hatte. Im Mit- und Gegeneinander hätten Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften wie Gesamtmetall und IG Metall „Meilensteine der Tarifpartnerschaft“ gesetzt. Zum Beispiel durch das Pforzheimer Abkommen 2004, das es kriselnden Unternehmen ermöglicht, vom Flächentarif abzuweichen.

„Erfolgsgeheimnis der Sozialpartnerschaft ist die gemeinsame Suche nach dem Kompromiss und das Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung“, lobte Gauck. Dies habe „unserem Land Wohlstand und sozialen Frieden beschert“.

Auf diese besondere Bedeutung der Tarifautonomie ging auch Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger ein. Die friedliche Konfliktbeilegung ohne staatliche Eingriffe sei „eines der wichtigsten Kennzeichen unserer Sozialen Marktwirtschaft – und ein echter Standortvorteil“. Den es allerdings auch zu schützen gelte: „Jeder Gang zur Politik, jede Einmischung von außen führt dazu, dass unser in 125 Jahren errichtetes gemeinsames Fundament Stück für Stück zerbröckelt.“

Geschichte im Internet

  • Die Gesamtmetall-Historie ist in zwei wuchtigen Bänden mit vielen Bildern nachzulesen, die unter gesamtmetall.de kostenlos zum Download bereitstehen.
  • Band 1, „Perspektiven aus Tradition“, behandelt die Jahre von 1890 bis 1990.
  • Band 2, „Der lange Weg zur Tarifpartnerschaft“, beschreibt die Entwicklung von 1990 bis 2015.

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