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Ausbildung bei Metall & Elektro

Bürolehre abgebrochen: Wie einer jungen Frau bei Viega der berufliche Neustart gelang

„Stille ist nichts für mich“, sagt Aline Venhaus. Also schmiss sie ihre Bürolehre, heuerte bei einer Zeitarbeitsfirma an – und landete schließlich bei Viega. Hier macht die junge Frau jetzt eine Metaller-Ausbildung.

Viega Holding GmbH & Co.KGAlina Venhaus, Zerspanungsmechanikerin im 3. Lehrjahr und Ulrich Schmidt, Leiter gewerblich-technische Ausbildung. Foto: Wirtz

Viega Holding GmbH & Co.KGAlina Venhaus, Zerspanungsmechanikerin im 3. Lehrjahr und Ulrich Schmidt, Leiter gewerblich-technische Ausbildung. Foto: Wirtz

Viega Holding GmbH & Co.KGAlina Venhaus, Zerspanungsmechanikerin im 3. Lehrjahr. Foto: Wirtz

Viega Holding GmbH & Co.KGAlina Venhaus, Zerspanungsmechanikerin im 3. Lehrjahr. Foto: Wirtz

Attendorn. Metall knirscht auf Metall. Hinter den Glasscheiben rotieren Rohlinge auf einem Band, werden in Form gefräst und geschliffen. Nach mehreren Fertigungsschritten holt ein Roboterarm glänzende Kugelhähne aus dem Zerspanungsautomaten. Gesteuert und überwacht wird die moderne Anlage von einer jungen Frau: „Ich mag Technik, ich brauche diese Geräusche um mich herum“, sagt Aline Venhaus.

Sie macht hier bei Viega im sauerländischen Attendorn ihre Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin. Das Unternehmen ist Weltmarktführer in Sachen Installationstechnik für Sanitär und Heizung, vor allem bei Rohrleitungssystemen. Diese kommen weltweit zum Einsatz, wie etwa in der Hamburger Elbphilharmonie, dem US-Verteidigungsministerium Pentagon oder einer Forschungsstation in der Antarktis.

Verkürzung der Ausbildung um ein halbes Jahr

Weil Aline Venhaus schon im dritten Lehrjahr ist, darf die 24-Jährige den Automaten ab und an auch allein bedienen, die Maße einstellen und die Qualität prüfen. Noch mehr als die neueste Technologie liebt sie allerdings die ältere Anlage, an der viel von Hand zu machen ist: „Hier kann man noch mehr lernen.“

Im Sommer ist sie mit der Ausbildung fertig. Aline Venhaus verkürzt sie um ein halbes Jahr. „Sie hat auch den nötigen Ehrgeiz dafür“, lobt Ulrich Schmidt, Ausbildungsleiter für gewerblich-technische Berufe. Nicht jede Firma würde das ermöglichen, weil es die Personalplanung durcheinanderbringe: „Aber Aline hat sich schon früh positiv hervorgetan.“

In der Schule Möbelstücke getischlert

Dabei ist ihr beruflicher Werdegang eher ungewöhnlich. Sie kam als Produktionshelferin einer Zeitarbeitsfirma zu Viega, hatte zuvor ihre Ausbildung zur Industriekauffrau abgebrochen. Die Arbeit am PC mochte sie zwar, aber „Stille ist nichts für mich“. Dafür Handfestes: In der Schule hatte sie in der Technik-AG Möbelstücke getischlert, weil es „Spaß macht, Dinge in Form zu bringen“.

Im Büro hielt sie es nur zwei Jahre aus. Dann heuerte sie als Helferin an, weil sie glaubte, sie sei mit Anfang 20 schon zu alt für eine neue Ausbildung. Doch ihr Teamleiter bei Viega sah schnell, dass sie alle Fähigkeiten dafür mitbrachte. Das Unternehmen legt Wert auf qualifizierte Fachkräfte: Es gibt knapp 200 Azubis bei rund 3.000 Mitarbeitern an den fünf deutschen Standorten. „Wir wachsen stark und brauchen die richtigen Leute dafür“, sagt Personalchef Peter Schöler.

Viega-Azubis machen regelmäßig bei den WorldSkills mit

Die Nachwuchs-Industriemechaniker etwa nehmen regelmäßig an den WorldSkills teil, den Weltmeisterschaften der Berufe: Das ist die Chance, sich mit den Besten zu messen.

In einer Young Factory des Unternehmens können die Azubis verschiedener Abteilungen beispielsweise Werbegeschenke für die Firma entwerfen und fertigen. Sie bekommen Englischunterricht – und werden in Versicherungsfragen beraten. Außerdem schulen Trainer sie im Umgang mit Konflikten und Kommunikation. Und es gibt ein Austauschprogramm mit China.

Installationstechnik-Firma hat elf gewerbliche "Azubinen"

Aline Venhaus steckt derweil die Nase in die Lehrbücher. Da bleibt nicht mehr viel Freizeit. „Wenn ich nach Hause komme, gehe ich mit dem Hund spazieren und lege mich auf die Couch.“ Am Wochenende jobbt sie an einer Tankstelle. Bei Viega erlernen noch weitere zehn Frauen gewerblich-technische Berufe. „In unseren Schulkooperationen sprechen wir die Mädchen an, versuchen, sie so zu beraten, dass sie keinen Fehlstart wie Aline hinlegen. Dafür müssen wir vor allem die Eltern erreichen, denn sie geben oft die Richtung vor“, erzählt Ausbildungsleiter Schmidt.

Schmutzig, laut und die Maniküre nimmt Schaden: Venhaus kennt die Vorurteile gegen Industrie-Jobs. Was sie vielmehr befürchtete: „Dass ich mit Samthandschuhen angefasst werde.“ Ist nicht passiert, Unterstützung gibt es dennoch: „Die Kollegen erklären mir alles, wenn nötig bis ins kleinste Detail.“ Selbst ist die Frau: „Wenn ich mit schwerem Werkzeug arbeite, hole ich mir ein Kantholz und stütze den Arm darauf ab. Man muss sich halt zu helfen wissen.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Eine Zeitarbeitsfirma hat mich zu Viega vermittelt. Mein Teamleiter überredete mich dann, eine Ausbildung als Zerspanungsmechanikerin zu machen.

Was reizt Sie am meisten?

Es ist faszinierend, was die Maschinen alles können. Wenn ich das sehe, steigen bei mir die Glückshormone.

Worauf kommt es an?

Sich mit den Kollegen zu verstehen und zusammen an Problemen zu arbeiten. Und natürlich, sich an Terminabsprachen zu halten.

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