Weiterbildung

Büffeln für den Aufstieg


Absolventen der Textiltechnik-Fachschule Münchberg sind in der Branche gefragt

Andreas Wich reicht Maik Kretschmer Garnspule um Garnspule. Die beiden bestücken eine Maschine, die aus ihrem Projekt ein richtiges Produkt machen soll: „Ein Funktionsgestrick für Membran-Laminate“, verrät Kretschmer.

Mit diesem Vorhaben sind die beiden 23-Jährigen typisch für die jungen Leute, die sich an der Staatlichen Fachschule für Textiltechnik im fränkischen Münchberg fortbilden. Fachlehrer Harald Schaller erklärt: „Im Projekt wenden sie selbstständig das Gelernte auf konkrete Aufgaben an – genau das müssen sie später ja auch im Unternehmen.“

Zwei Jahre Vollzeit-Plackerei

Schaller weiß das aus Erfahrung. Der Spezialist für technische Textilien kommt, wie viele seiner Lehrer-Kollegen, aus der Wirtschaft, er hat als Konstrukteur und Bereichsleiter gearbeitet.

Auf dem Weg zu ihrem Gestrick müssen Wich und Kretschmer einige Nüsse knacken: Wie muss das Textil konstruiert sein, damit es die vorgegebene Belastung aushält? Welche Faserart nimmt man, welche Fertigungsverfahren? Und: Wie wird die Produktion rentabel?

Etwa 30 junge Facharbeiter aus allen Bereichen der Branche beginnen hier Jahr um Jahr das Fachschulstudium. Das Abi müssen sie dafür nicht mitbringen, aber eine Ausbildung und mindestens ein Jahr Berufserfahrung.

„Sie kommen aus allen Teilen Deutschlands – denn nur bei uns gibt es diesen Studiengang“, betont die Schulleiterin Monika Nestvogel, „und wir haben als Lehrkräfte Spitzenleute mit jahrelanger Erfahrung aus der Praxis.“

Neben Deutsch und Mathe, Physik und Chemie wird Berufsbezogenes gelernt: Faserstofflehre etwa, Textilanalyse, Maschinenkunde und Verfahrenstechnik. „Das Vollzeit-Studium mit einer Schwerpunkt-Ausbildung etwa für Vliesstoffe, für die Spinnerei oder die Weberei dauert zwei Jahre.“ Eine berufsbegleitende Fortbildung sei wegen der meist großen Entfernung zum Wohnort nicht möglich.

Das ist eine echte Herausforderung für die angehenden Textiltechniker: Kurz nach der Lehre geben sie oft ihren Arbeitsplatz auf, leben fern der Heimat von Bafög oder Aushilfsjobs. Aber eben für ein lohnendes Ziel: mit dem Extra-Abschluss aufzusteigen.

Tatsächlich bekommen sie oft schon vor dem Examen interessante Job-Angebote – und ohne Arbeit bleibt keiner.

Mancher Betrieb hilft finanziell

Dominik Dill (24) zum Beispiel macht sich denn auch keine Sorgen. Er ist von Haus aus Industriemechaniker, hat bei einem Hersteller von Wirkmaschinen gelernt. „Ich habe dann aber begonnen, mich für technische Textilien zu interessieren“, sagt er. Und so wechselte Dill sozusagen auf die andere Seite der Maschine.

Kai Röttgers (23) wiederum hat bei Ado Gardinen in Aschendorf (Niedersachsen) gelernt. „Nach einem Jahr in der Produktion habe ich gemerkt, dass mir das nicht genug war.“ Also schaute Röttgers sich um und lernt nun in Münchberg. Ado unterstützt ihn dabei finanziell, wie Röttgers schildert – und würde ihn als Techniker gerne wieder einstellen.

 

Übrigens: In sechs staatlichen Schulen an drei Standorten in Münchberg und dem Nachbarort Naila lernen insgesamt 650 junge Leute alle möglichen textilen Berufe. Am Samstag, 9. April, kann man sich vor Ort über Angebote der Textilfachschule und der Bekleidungsfachschule informieren. www.textilschule.de

 

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