Hier ist der Mensch gefragt

BSH Hausgeräte startet vernetzte Produktionslinie

Giengen an der Brenz. Kühlschränke aus Deutschland für die ganze Welt: Bei BSH Hausgeräte in Giengen werden sie produziert. 1,6 Millionen Kühl- und Gefriergeräte laufen hier jedes Jahr vom Band. „Qualität, Flexibilität und eine hohe Produktivität sind die Voraussetzungen für unsere Wettbewerbsfähigkeit an diesem Standort“, sagt Roland Weber, Abteilungsleiter für die Fertigungsplanung auf der Ostalb.

Damit das so bleibt, investiert das Unternehmen in die Modernisierung. „Industrie 4.0“ heißt das Schlagwort: die vernetzte Produktion. Im Januar ging die erste Montagelinie an den Start, die nach diesem Prinzip funktioniert.

350 Meter lange Produktionsstraße

Rund 250.000 energieeffiziente Kühlschränke werden hier pro Jahr gebaut. Auf der 350 Meter langen Produktionsstraße sind etwa 40 Maschinen mit einem unabhägigen Glasfaserkabel verbunden. Über diese Verbindung tauschen die einzelnen Stationen Informationen untereinander aus. Die Maschinen können beispielsweise bei Störungen automatisch eine Nachricht senden.

Und die Montagemitarbeiter können per Knopfdruck an der Linie direkt ihren Vorarbeiter anfragen, der per SMS darüber informiert wird, wo Hilfe gebraucht wird. „Wir können sofort eingreifen, und wir erhalten genaue Prozess-Daten, mit denen wir analysieren können, was wann passiert ist“, erläutert Weber.

„Die Produktionsprozesse werden immer komplexer. Mithilfe der Digitalisierung können wir sie besser steuern“, so erläutert Weber das Ziel von „Industrie 4.0“.

Auch bei der Produktivität erwartet das Unternehmen einen Sprung, der ohne Digitalisierung in diesem Ausmaß nicht möglich wäre: „Industrie 4.0 leistet einen wichtigen Beitrag zu einer wettbewerbsfähigen Produktion in Deutschland“, so Standortleiter Jochen Heel.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Maschine den Menschen ersetzt. Pro Schicht sind an der neuen Linie 60 Mitarbeiter im Einsatz. Weber: „Die Maschinenbediener fühlen sich mit dem neuen System wohl, weil sie bei Fragen sofort Unterstützung erhalten.“

Vor allem bei der Auswertung von Informationen braucht es Manpower: „Bei Fehleranalyse und Problemlösung ist der Mensch gefragt“, betont der Fertigungsplaner. Durch den Einsatz von Industrie 4.0 seien die Mitarbeiter stärker in Änderungen im Produktionsablauf eingebunden. Lebenslange Weiterbildung werde deshalb wichtiger.

Nächste Schritte bis Ende des Jahres

Für die 2.600 Mitarbeiter in Giengen ist die neue „Linie 82“ erst der Anfang: „Die Digitalisierung betrifft die komplette Organisation auf allen Ebenen“, so Weber. In den kommenden Jahren wird dies Einfluss auf das ganze Unternehmen haben, vom Auftragseingang bis zur Auslieferung.

Die nächsten Schritte sollen bis zum Jahresende folgen. Dann soll die neue Montagelinie in der Lage sein, sich, wo technisch möglich, selbstständig umzurüsten, wenn etwa Kühlschränke mit anderen Maßen geordert werden. Die Maschinen sollen die neue Variante erkennen und danach ihre Einstellungen selbst anpassen.

Außerdem wird die Qualitätskontrolle automatisiert. Wenn ein Gerät beispielsweise fehlerhaft ist, wird es in einen spezifischen Nacharbeitsbereich gelotst. Die intelligente Fabrik also, die sich selbst steuert. Das klingt nach Zukunftsmusik, soll jedoch schon bald Wirklichkeit werden.


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