Konjunktur

Brückenschlag in die Zukunft


Der Stahlbauer Donges war insolvent - und hat heute sogar mehr Mitarbeiter

Darmstadt. So sieht es in den Produktionshallen eines Betriebs aus, der vor knapp zwei Jahren insolvent wurde: Funken fliegen, es wird geschweißt und geschliffen. 370 Mitarbeiter haben gut zu tun. Ein Ungetüm mit vielen Rädern manövriert riesige Stahlteile. Daraus entstehen Bauwerke von filigraner Schönheit – wie das Parkhaus der Neuen Messe Stuttgart über der Autobahn 8.

In den Hallen des Stahlbauers Donges SteelTec in Darmstadt erinnert nichts daran, dass der ehemalige Familienbetrieb Anfang 2008 ein Riesenproblem hatte. Er war trotz voller Auftragsbücher in die Insolvenz geraten. Der Stahlpreis war explodiert. Und die Preise für zugekaufte Dienstleistungen auch. Eine Entwicklung, die das Unternehmen bei seinen Großprojekten nicht einkalkuliert hatte. Im Rückblick sagt der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Weick: „Das hat mir etliche graue Haare bereitet.“

Die Rettung: ein Investor

Doch das Bangen dauerte nicht lange. Sechs Wochen nach der Anmeldung der Insolvenz kaufte das in Duisburg ansässige Unternehmen Hitachi Power Europe den Betrieb im Rahmen eines sogenannten Asset-Deals. Der Investor, auf Kraftwerksanlagenbau spezialisiert, brachte frisches Geld und sichere Aufträge mit. Er verzichtete auf Entlassungen, stellte sogar ein. 60 feste Mitarbeiter sind bis heute dazugekommen.

Betriebsrat Weick freut sich, wenn er an die Zeit nach der Übernahme denkt: „Während überall Krise war, gab es bei uns sogar erhebliche Überstunden in der Fertigung und Montage.“

Auch die weiteren Aussichten sind gut. Zusammen mit Hitachi Power Europe baut Donges zurzeit vier Kohlekraftwerke in Deutschland und zwei in den Niederlanden. Mit Kesselgerüsten, Maschinenhäusern und Nebengebäuden für solche Anlagen machen die Darmstädter  etwa die Hälfte ihrer Betriebsleistung – diese liegt jährlich bei 80 bis 100 Millionen Euro.

Schon jetzt Aufträge bis Ende 2010

Geschäftsführer Oliver Stein ist zuversichtlich: Neue Kraftwerke würden gebraucht, zumal sie heute mit viel höherem Wirkungsgrad Kohle in Elektrizität verwandeln könnten. Die deutschen Stromversorger wollen viele ihrer Kraftwerke erneuern. Davon will Donges profitieren. Potenzial sieht der Geschäftsführer auch in Osteuropa. Dort gibt es große Kohle-Vorräte, aber die Kraftwerke sind veraltet.

Die Betriebsleistung von Donges hat zugelegt. Und: „Bis Ende 2010 sind wir gut ausgelastet“, so Stein. Die Konjunkturpakete der Regierung könnten weitere Aufträge bringen.

Die Firma profitiert auch vom großen Neubau- und Sanierungsbedarf bei Brücken. Zuletzt hat sie etwa die riesige Niederrheinbrücke Wesel gebaut. Um viel befahrene Strecken unter Brücken-Baustellen nicht sperren zu müssen, schieben die Ingenieure die Brückenteile mit Hilfe von Hydraulik über glatte Teflon-Flächen auf die Pfeiler.

Die Insolvenz hat den Brückenschlag in die Zukunft ermöglicht. Und die Belegschaft hat die Sorgen von damals schon gut weggesteckt. Wie der Schlosser Klaus Keller. Wenn er an einem Bauwerk von Donges vorbeifährt, kann er sich nicht daran sattsehen: „Da lacht das Herz! Denn es steckt etwas von mir drin.“

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