Marode Infrastruktur erschwert Export

Brückenschäden zwingen Liebherr-Kräne zu großen Umwegen

Ehingen. 702 Kilometer sind es auf dem direkten Weg von Ehingen bei Ulm zum Hamburger Hafen. „Doch der kommt schon seit langem nicht mehr infrage, wenn wir unsere Mobilkräne für den Export aufs Schiff bringen“, sagt Bruno Seele, Versandleiter beim Baumaschinenkonzern Liebherr. Denn immer mehr Brücken auf deutschen Fernstraßen sind so kaputt, dass sie von Schwertransportern nicht mehr oder nur unter hohen Auflagen überquert werden dürfen.

Schwer sind die Produkte aus dem 3.000-Mitarbeiter-Werk im oberschwäbischen Ehingen, sehr schwer. Das Fahrgestell des größten Fahrzeugkrans der Welt wiegt 108 Tonnen, Raupenkrane mit Gittermasten bringen es auf bis zu 1.800 Tonnen. Sie werden zerlegt auf Tiefladern mit bis zu 120 Tonnen Gesamtgewicht transportiert.

Wenn die besonders schweren Teile auf die Reise gehen, führt die Route zur Nord- oder Ostsee, wo sie aufs Schiff verladen werden, heute im großen Bogen durch Deutschland. Statt über Frankfurt oder Würzburg geht es über Nürnberg, Leipzig und Magdeburg. „Seit wenigen Wochen müssen viele Transporte sogar bis nach Potsdam ausweichen, weil auch die A 14 in Sachsen-Anhalt durch Baustellen zum Nadelöhr geworden ist“, berichtet Seele.

Die Folge: Der Weg ist mit 987 Kilometern rund 40 Prozent länger, die Kosten für Diesel, Personal und Maut sind entsprechend höher. Und die Fahrzeit verlängert sich um ein bis zwei Tage, weil die Schwertransporte tagsüber meist nicht auf die Straße dürfen. „Das schlägt sich natürlich in der Kalkulation nieder“, sagt Seele.

Liebherr ist mit diesem Problem nicht allein. Der Branchenverband VDMA in Berlin hatte schon im Herbst vergangenen Jahres davor gewarnt, dass der schlechte Zustand der Straßen im Lande die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährdet.

Für Güterzüge und Bahntunnel ist die Fracht viel zu groß

Für Bruno Seele und sein Team wird es immer schwieriger, geeignete Transportrouten zu finden. Die A 8 in Richtung Stuttgart falle praktisch völlig aus, sagt Seele. Auf der A 7 geht es nur bis zum Autobahnkreuz Feuchtwangen/Crailsheim.

Kurzfristig eingerichtete Baustellen und neue Beschränkungen werfen die Tourenplanungen immer wieder um. Und sie werden zunehmend bürokratischer. „Früher mussten für einen Transport nach Norden acht behördliche Stellen angehört werden, heute sind es durch die Umleitungen doppelt so viele“, erläutert Seele.

Weil die Ämter oft unterbesetzt sind, dauert es häufig statt zwei bis zu vier Wochen, bis die Genehmigungen da sind. Dabei hat die Industrie schon selbst auf die Straßenmisere reagiert. Früher seien die Transporte bis zu 140 Tonnen schwer gewesen. Nun werde bei der Konstruktion darauf geachtet, dass kein Einzelteil schwerer als etwa 70 Tonnen ist, erklärt Liebherr-Logistikexperte Seele.

Auf die Bahn kann der Kranhersteller nicht ausweichen, zumindest nicht im Inland. Die Kräne sind für deutsche Züge und Bahntunnel schlicht zu groß.

Besserung bringen also nur bessere Straßen und Brücken. Die muss es aber gar nicht flächendeckend geben, meint Bruno Seele: „Uns reicht ein Korridor, auf dem wir sicher und schnell zu den Häfen oder ins benachbarte Ausland kommen.“


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