Das rollende Wohnzimmer

Bosch tüftelt am Auto, das Konferenzen ermöglicht, Termine organisiert, Filme zeigt

Hildesheim. In einer Werkhalle tief im Hildesheimer Wald arbeitet Bosch an dem Auto, das unser persönlicher Assistent werden soll. Das Projekt lautet „TechX202x“. Das Auto soll mit dem Fahrer vernetzt sein, es erfasst biometrische Daten und passt die Klimaanlage an. Es organisiert Termine, verbindet den Insassen mit Kollegen zur Videokonferenz oder lässt ihn einen Kinofilm anschauen. Als Bildschirm fungiert die Fensterfront auf der Fahrerseite.

Verrenken ist überflüssig: Die erste Sitzreihe ist komplett drehbar. Als Arbeitstisch lässt sich ein weiterer Bildschirm ausklappen zum Bearbeiten von Dokumenten. Und zum Abendessen schlägt das Auto noch ein Restaurant vor – und steuert es von selbst an.

Dass man auf diese Zukunft nicht allzu lange warten muss, hat Bosch bereits gezeigt. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat das Unternehmen den Herstellern seine Vision der selbstfahrenden Autos präsentiert. Die Branche erwartet 2025 den Durchbruch.

Bei dieser Zukunftsmusik sind die Hildesheimer mit ihrer Sparte Car Multimedia innerhalb Boschs zuständig für den Datenkontakt zur Außenwelt, für Bedien-Komponenten sowie Software-Dienstleistungen. Geschäftsführer Manfred Baden sieht seine Sparte gegenüber Konkurrenten im Vorteil: Schließlich verfüge man nicht nur über weit mehr Automobil-Erfahrung, Bosch beherrsche auch die Verbindung von Soft- und Hardware sowie die Integration der Komponenten ins Gesamtsystem.

Die zunehmende Digitalisierung hat den Standort Hildesheim wieder stärker in den Bosch-Fokus rücken lassen. Wo einst Millionen Autoradios und Navigationsgeräte vom Band liefen, tüfteln die Entwickler heute am rollenden Wohnzimmer der Zukunft. „Das Fahrzeug wird neben Wohnung und Arbeitsplatz zum dritten zentralen Lebensbereich“, stellt Geschäftsführer Baden fest.

Bordcomputer liest SMS vom Smartphone vor

Die Digitalisierung spielt den Hildesheimern in die Karten. Starke Auftragszuwächse etwa für interaktive Bedienungsoberflächen oder Multimedia-Cockpits lassen Umsätze und Personalbedarf wachsen. „Wir sind zur strategischen Säule im Konzern gewachsen“, so Geschäftsführer Baden.

2015 übersprang die Bosch-Sparte die Umsatzmarke von 2 Milliarden Euro. Für 2016 und 2017 rechnet Baden mit zweistelligen Zuwächsen. Die gute Auftragslage hat die Zahl der Beschäftigten um mehr als 100 auf fast 1.500 steigen lassen. 60 Stellen hat der Standort derzeit zu besetzen.

So fördert Bosch den Nachwuchs und plant weitere Kooperationen mit den Hochschulen Hildesheim und Hannover. In Hildesheim soll das Fach Datenanalyse eingeführt werden, in Hannover Datensicherheit. „In der Region gibt es viele Talente“, so Baden. „Man muss sie nur so früh wie möglich binden.“

Boschs Tochter Beyond will gemeinsam mit dem Land Start-ups zum Thema Mobilität fördern. Einer Gruppe von sechs Studenten aus Hannover und Hildesheim hat Bosch Büros auf dem Werkgelände zur Verfügung gestellt. Sie basteln daran, wie das Auto SMS vorlesen kann, um Unfälle durch lesende Fahrer zu vermeiden.


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