Arbeitsmarkt

Blitzblanke Erfolgsbilanz


Mini-Jobs boomen – aber auch die regulären Stellen haben zugelegt

Berlin. Die Mini-Jobs sind gefragt: In Deutschland gibt es 7,3 Millionen Menschen, die einer abgabenfreien Beschäftigung für höchstens 400 Euro im Monat nachgehen, fast 1,6 Millionen mehr als im September 2003.

Gewerkschafter und auch einige Politiker kritisieren das. Es sei ein Indiz für „Verrohung am Arbeitsmarkt“, sagte etwa Berthold Huber, der Chef der Industriegewerkschaft Metall, auf einer Kundgebung am 1. Mai. Wenn immer mehr Arbeit in Mini-Jobs gepackt werde, „verstößt das gegen das Sozialstaatsgebot unseres Grundgesetzes“.

Attraktiver Zuverdienst

Dahinter steht der Vorwurf: Reguläre Stammkräfte würden durch Niedrig­löhner ersetzt. Doch die Zahl der Arbeitnehmer mit klassischen Jobs ist in der gleichen Zeit nicht etwa gesunken, sondern ebenso gestiegen.

Und die Zunahme der Mini-Jobs geht ja vor allem auf eine gesetzliche Änderung zurück: 2003 hatte die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder festgelegt, dass der Lohn aus dem ersten nebenberuflich ausgeübten Mini-Job nicht mehr zusammen mit dem Haupteinkommen versteuert werden muss. Das Geld fließt also immer komplett in die Haushaltskasse, auch wenn es sich oft nur um ein attraktives Zubrot handelt. Jeder dritte Mini-Jobber fällt laut Bundesagentur für Arbeit in diese Kategorie.

Mit materieller Not hat das nicht zwangsläufig zu tun – so wenig wie bei den Millionen von Schülern, Studenten und Hausfrauen, die ausschließlich minijobben und meistens anders abgesichert sind, etwa über die Familie oder Bafög.

In unseren Fabriken fällt der Anteil der Mini-Jobber kaum ins Gewicht. Im größten Industriezweig Metall und Elektro beträgt er aktuell nur 3 Prozent.

Viele Putzhilfen arbeiten jetzt legal

Auch anderswo lässt sich Verdrängung nicht belegen. In Gaststätten und Hotels gibt es laut Branchenverband Dehoga zwar 300.000 Mini-Jobs mehr als 2003, aber auch fast 100.000 klassische Arbeitsplätze mehr. Der Einzelhandel stellte laut Verband HDE allein letztes Jahr 10.600 Mini-Jobber zusätzlich ein – aber doppelt so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Übrigens: 2003 wurde auch das „Haushaltscheck-Verfahren“ eingeführt, das die Schwarzarbeit etwa von Putzhilfen eindämmen sollte. 222.000 Mini-Jobs in Haushalten wurden seitdem angemeldet – was den Anstieg um insgesamt fast 1,6 Millionen zu einem Siebtel erklärt.

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