Anlagenbau

Blick fürs Detail


Wie entsteht eigentlich eine Fabrik? In Millimeterarbeit! Etwa von Linde-KCA-Dresden

Hier ist das Fundament neun Millimeter höher als da hinten“, stellt Horst Skrade fest. „Das muss exakt ausgeglichen werden.“ Zusätzliche Arbeit also. Denn das tonnenschwere Mahlwerk, das hier stehen soll, braucht einen exakt planen Untergrund. „Sonst“, erklärt der Industrie-Mechaniker Skrade dem AKTIV-Reporter, „wären beim ersten Probebetrieb böse Überraschungen zu erwarten.“

Während Skrade und seine Kollegen ihr  weiteres Vorgehen  beraten, verschrauben an­dere Monteure Treppen im Stahlgerüst des künftigen Werks. Nebenan in der Lagerhalle setzt ein Kran die letzten Deckenelemente ein.

Fabrikrundgang im Computer

Für 50 Millionen Euro errichtet die Linde-KCA-Dresden GmbH hier, im Chemie- und Indus­triepark Zeitz südlich von Leip­zig, eine neue Weizenstärke-Fabrik. Zusammen mit dem Bau-Partner Kaefer Construction GmbH aus Bremerhafen. Die Baustelle wirkt wie ein riesiges Puzzle, in dem zu viele Spieler herumwerkeln – aber der Schein trügt: „Alles ist vom ersten bis zum letzten Tag detailliert durchgeplant“, er­klärt Linde-KCA-Geschäftsführer Michael Schäffer. „Jeder weiß, was er wann und wo zu tun hat.“

Für Mai 2009 ist die Fertigstellung des Werks geplant, im dritten Quartal soll die Produktion beginnen. Auftraggeber ist die Firma Food Retail and Production CS GmbH.

 

Nur gut zwei Jahre, so berichtet Schäffer, dauert es in diesem Projekt von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Übergabe. „Zu­nächst erstellen wir ein Angebot anhand der in der Ausschreibung geforderten Parameter. Darin wird be­schrieben, wie man das Projekt technisch und kommerziell umsetzen will.“

Ist der Kunde überzeugt und der Auftrag erteilt, be­ginnt die große Zeit der Ingenieure. Sie projektieren das Werk bis ins letzte Schräubchen. Nicht mehr wie früher am Zeichentisch, sondern am Computer als „begehbares“ 3-D-Modell.

Zugleich sind weitere Aufgaben zu lösen: Dazu gehört der minutiöse Zeitplan für den Bau genauso wie der Einkauf von Baumaterial und Ausrüs­tungsteilen – und die perfekte Logistik, damit auch wirklich alles genau zum richtigen Zeitpunkt auf der Baustelle ist.

Kunden in Sibirien und Saudi-Arabien

Dabei arbeitet die Engineering-Firma Linde-KCA mit Partnern zusammen. Den Beton- und Stahlbau sowie die Errichtung einer Mühle schultert in diesem Fall Kaefer. Und mit der Installation der Produktionsanlagen werden Spezial-Unternehmen wie die IMO Merseburg GmbH beauftragt, für die auch der Monteur Horst Skrade arbeitet.

Mit dem Bau allein ist es noch nicht getan, betont Geschäftsführer Schäffer. „Wir nehmen für den Kunden das Werk auch in Betrieb und schulen das Personal.“

Projektierung, Planung und Bau-Organisation von Chemie-, Gas- oder Biotechnologie-Anlagen sind das tägliche Brot der rund 500 Mitarbeiter von Linde-KCA. Erfolgreiche Projekte in aller Welt sorgten etwa im Jahr 2007 für einen Umsatz von 314 Millionen Euro. Und einen guten Ruf: Zurzeit arbeitet Linde-KCA etwa an Großprojekten in Sibirien und Saudi-Arabien.

Uwe Rempe

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