Pharma-Forschung

Biotechnologie lässt Träume wahr werden


Scil Proteins entwickelt Arznei gegen Krebs

Halle. Ein kleiner Dreh am Hahn, schon fließt eine gold­gelbe Flüssigkeit in ein großes Becherglas. Anja Katzschmann schwenkt es kurz und wirft einen Blick auf das wogende Gelb: „Das ist Nährflüssigkeit mit Milliarden von Escherichia-coli-Bakterien. Wir haben sie dazu gebracht, ein Eiweiß herzustellen, das sich als Arznei eignet.“

Zielgenauere Behandlung

Was die Biochemikerin so knapp und einfach beschreibt, dürfte in der Zukunft Krebskranken Hoffnung machen: Ein Eiweiß-Molekül namens „Affilin“. Das kleine Hallenser Unternehmen Scil Proteins hat die Bakterien für dessen Produktion gezüchtet und will den Wirkstoff in einigen Jahren als Medikament in den Handel bringen.

Frank Ubags, der kaufmännische Leiter der Biotech-Firma, ist zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass unsere Affilin-Moleküle Krebszellen genauer orten und bekämpfen können als bislang übliche Therapien.“

Wie das geht? „Weil sie so klein sind, können die Eiweiß-Moleküle tief in den Tumor eindringen“, erklärt Ubags. „Dann docken sie mithilfe speziell designter Kupplungsstellen an die Krebszellen an und beginnen sie zu zerstören.“ Und weil die Behandlung derart zielgerichtet sei, lasse sie auch nur wenige Nebenwirkungen erwarten.

Bis zu einer möglichen Zulassung werden aber noch acht bis zehn Jahre vergehen. Denn wie alle neuen Arzneien muss die Affilin-Therapie in einem aufwendigen und teuren Verfahren klinisch getestet werden. Voraussichtlich wird das Eiweiß als Wirkstoff gegen Darmkrebs geprüft.

„2013 sollen die ersten Tests beginnen“, sagt Ubags. Bis dahin ist für die Teams von Scil Proteins noch einiges zu tun: Mediziner wählen Kliniken aus und besprechen mit ihren Kollegen dort, wie die Untersuchungen ablaufen sollen. Und Biochemiker verfeinern das Herstell-Verfahren, damit beim Wirkstoff stets gleichbleibende Qualität geliefert wird.

Schwarze Zahlen und 120 Mitarbeiter

Die Aussichten auf einen Erfolg der klinischen Versuche sind hoch, so Ubags. Dafür spreche die durchweg positive Resonanz bei Medizinern. Zuversichtlich stimmt aber auch, dass die Finanzierung der ersten Testphase sehr rasch geklappt hat. „24 Millionen Euro hat unser Investor bereitgestellt“, berichtet Ubags. Der Geldgeber vertraut also voll auf das Konzept der Hallenser Wissenschaftler.

Dass die Forschungsfirma einiges drauf hat, hat sie schon bewiesen. 1999 begann das Unternehmen mit einer kleinen Gruppe Wissenschaftler der Universität Halle. Inzwischen schreibt Scil Proteins schwarze Zahlen und hat 120 Mitarbeiter.

Die sind nicht nur in der Forschung erfolgreich: Das Unternehmen hat sich auch als Dienstleister für Pharmafirmen etabliert. So produzieren die Hallenser seit einiger Zeit den Wirkstoff für ein wichtiges Herz-Medikament.

 

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