Natürlicher Weichmacher

Bio-Substanz von Jungbunzlauer aus Ladenburg verleiht Kunststoffen Flexibilität

Er steckt in Folien, Spielzeug und Fußbodenbelägen: Weichmacher für Kunststoffe. Die Substanz ist umstritten. Jetzt hat Jungbunzlauer aus Ladenburg einen Ersatz auf Basis von Citronensäure und Alkohol entwickelt.

Wachsam: Chemikant Marcel Weiß nimmt eine Probe an der Produktionsanlage. Foto: Sandro

Wachsam: Chemikant Marcel Weiß nimmt eine Probe an der Produktionsanlage. Foto: Sandro

Im Labor: Stefan Sieber, Assistent der Laborleitung, bei der Restsäure-Analyse. Foto: Sandro

Im Labor: Stefan Sieber, Assistent der Laborleitung, bei der Restsäure-Analyse. Foto: Sandro

Ladenburg. Plastik gehört zum Alltag. Doch man muss sich das Material „gefügig“ machen: „Einige Kunststoffe an sich sind hart und spröde wie Glas“, erklärt Hans-Peter Froschauer, Produkt Group Manager bei Jungbunzlauer in Ladenburg. „Erst durch Weichmacher werden sie – je nach Anwendungszweck und Anforderung – flexibel und weich.“

Das Chemie-Unternehmen stellt davon am Standort Ladenburg mit rund 250 Mitarbeitern pro Jahr mehrere Zehntausend Tonnen auf Basis von Citronensäure her – und ist damit Weltmarktführer. Die Substanz steckt in Folien, Spielzeugen, Fußbodenbelägen, Kunstleder und vielem mehr.

„Unsere natürlichen Weichmacher eignen sich für Produkte, zu denen Menschen direkten Kontakt haben, etwa Spielzeug, Folien für Lebensmittelverpackungen oder medizinische Artikel“, so der Experte. „Oder für Folien, die sich schnell und rückstandslos abbauen sollen.“

Die Citronensäure, die verwendet wird, ist als natürlicher Zusatz in Lebensmitteln bekannt. „Sie wird nicht synthetisch hergestellt, sondern durch Fermentation von Rohstoffen aus Mais“, sagt Froschauer. Kombiniert man sie mit einem Alkohol, entsteht ein Ester. Der kann die umstrittenen Phthalate in Kunststoff als Weichmacher ersetzen.

Und so geht’s: In einem großen Kessel wird Citronensäure mit Alkohol vermischt und erhitzt, bei der sogenannten Veresterung reagiert die Säure mit dem Alkohol. In einem Glaszylinder wäscht man den Ester, zwei durchsichtige Flüssigkeiten treten anschließend in getrennten Rohrleitungen wieder aus: das Waschwasser und der begehrte Citronensäureester. Es folgen weitere Verarbeitungsschritte, zum Beispiel die Destillation.

Und wie wirkt das Produkt? „Der Weichmacher schiebt sich zwischen die Molekülketten des Kunststoffs“, sagt Froschauer. „Das vergrößert deren Abstand zueinander und macht die Polymere gegeneinander beweglich.“

Was die Substanz zudem kann: Im Deo verhindert sie Schweißgeruch, sie wird in Druckfarben für Lebensmittelverpackungen und Dichtungen für Twist-off-Gläser oder Tablettenummantelungen eingesetzt und dient in Knicklichtern als Lösungsmittel.


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