Computerspiele

Bildschirm statt Tafel


Auszubildende lernen immer häufiger mit Computerspielen

Düsseldorf. Derya trägt ein rotes Muskelshirt mit einem Totenkopf darauf. Die 19-jährige Türkin ist die weibliche Stimme der Band „The Skillz“. Sie macht gerade eine Malerlehre und experimentiert auch in ihrer Freizeit gern mit Mustern und Farben.

Chantal Weinacht trägt Jeans, weiße Bluse, darüber Pullover mit V-Ausschnitt. Auch sie ist 19 Jahre alt und kreativ. Seit einem Jahr macht sie bei der Landesgewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Chantal gibt es wirklich. Derya ist eine Computerzeichnung.

Der Spaß steht im Vordergrund

Erfunden hat sie unter anderem Oliver Steinke. Der Diplompädagoge bei der LGH hat in einem Team mit dem Software-Unternehmen Daedalic Entertainment das digitale Lernspiel „The Skillz“ entwickelt. Es soll interkulturelle Kompetenz fördern.

„Serious Games“ heißen diese Spiele, bei denen Lerninhalte am PC vermittelt werden. In den USA schon länger in der Berufsausbildung etabliert, finden sie hier auch mehr und mehr Einzug in die Klassenzimmer der Berufsschulen.

Die Helden von „The Skillz“ sind neben Derya die drei virtuellen Charaktere Antonio, Theo und Claas. „Jeden dieser Typen gibt es so ähnlich in meinem Freundeskreis“, erzählt Chantal.

Wenn sie sich durch den Alltag der verschiedenen Charaktere klickt, muss sie sowohl fachliche Aufgaben und Rätsel lösen als auch ihre soziale und kulturelle Kompetenz in Dialogen mit Chef, Kunden und Freunden unter Beweis stellen. „In allererster Linie muss das Spiel aber Spaß machen“, erklärt Steinke.

Anfang dieses Schuljahres wird es Teil vom Unterricht zunächst in Schulen in Nordrhein-Westfalen. Ab Mitte September kann sich jeder das Spiel kostenlos herunterladen (www.the-skillz.de) und gleich loslegen.

Experten bescheinigen Serious Games wachsendes Marktpotenzial. Nach einer Umfrage des MBB-Institutes für Medien- und Kompetenzforschung hielten 2009 im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele der befragten Experten diese Lernform für zukunftsträchtig.

Jugendliche als Geheim-Agenten

Und was ist dabei wichtig? „Ein effektives Serious Game sollte sowohl auf technologischer als auch auf inhaltlicher Seite authentisch sein“, erklärt Ruth Lemmen vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware.

Die Vielfalt auf dem Markt ist groß: Auszubildende der Metall- und Elektro-Industrie sollen zum Beispiel bei „Techforce“ lernen, anspruchsvolle Technologien zu entwickeln. Bei „Qualiboxx“ erfahren die Lehrlinge für kaufmännische Berufe, wie man richtig mit der Kasse umgeht.

„Sharkworld“ heißt der Spaß, bei dem Projektleiter lernen sollen, effektvoll Zeit, Qualität und Kosten zu managen. Jugendliche schlüpfen bei „Agent Attack II“ in die Rolle von Geheimagenten und eignen sich so spielend IT-Kenntnisse an.

Wer lieber auf Lerninhalte verzichtet und pure Unterhaltung genießen möchte, kann sich auf der Computerspielemesse Gamescom (18. bis 22. August in Köln) austoben.

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Schlagwörter: Ausbildung

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