Ausbildung

Betriebe warten auf neuen Beruf

Seltener Einblick: Die angehende Edelmetallprüferin Katrin Hieber bei der Arbeit. Die „Strichprobe“ gibt Aufschluss über den Feingehalt einer Legierung. Foto: Eppler

"Fachkraft für Metalltechnik" löst 2013 ältere Ausbildungen ab

Pforzheim/Berlin. Ein Metallberuf, den nur Frauen lernen? Obwohl er viel mit Chemie und Physik zu tun hat? Doch, so was gibt es: „Edelmetallprüfer/-in“ heißt der Beruf. Er ist freilich sehr selten: Bundesweit haben 2011 genau drei junge Frauen (und kein Mann) diese Lehre begonnen.

Eine von ihnen ist Katrin Hieber (21). Chemie war ihr Lieblingsfach, jetzt lernt sie beim Pforzheimer Unternehmen Heimerle+Meule, das als älteste Gold- und Silberscheideanstalt im Lande gilt. Edelmetallprüfer untersuchen Rohmaterial auf edle Inhalte: „Proben köcheln, Material klopfen, glühen lassen, zusammenrollen, nochmals glühen lassen“, so beschreibt Hieber einen Teil ihrer Tätigkeit.

Ziemlich speziell – und damit wohl auf Dauer eine eigene Ausbildung wert. Andere seltene Berufsbilder werden aber bald durch einen neuen Beruf ersetzt.

Der Kabeljungwerker ist bald Geschichte

Drahtwaren- und Federmacher nämlich, Gerätezusammensetzer, Kabeljungwerker und andere mehr: „Insgesamt elf zweijährige Ausbildungen werden 2013 abgelöst durch einen einzigen zweijährigen Ausbildungsberuf“, sagt Sven-Uwe Räß, Referatsleiter für Berufsbildung beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

„Fachkaft für Metalltechnik“ heißt die neue Lehre, für die das Wirtschaftsministerium schon grünes Licht gegeben hat. „Zielgruppe sind ausbildungsreife, aber eher praktisch begabte Jugendliche“, so Räß. Im zweiten Lehrjahr stehen vier Fachrichtungen (etwa Zerspanungstechnik) zur Wahl. Nach dem Abschluss kann man als junge Fachkraft arbeiten: „Der Bedarf in den Betrieben ist da“, betont Räß, „die Unternehmen warten auf die neue Ausbildung. Heute arbeiten auf solchen Stellen ja oft Quereinsteiger.“

Wer aber will und kann, lernt weiter: Der Abschluss wird auf schwierigere Ausbildungen (wie den Zerspanungsmechaniker) angerechnet. „Die neue Lehre soll keine Einbahnstraße sein.“ Befürchtungen der Gewerkschaft, hier werde eine Ausbildung für Billig-Jobs geschaffen, versteht Räß nicht: „Die Entgelt-Einstufung richtet sich ja inzwischen vor allem nach dem, was man tatsächlich im Betrieb tut.“

Andere zweijährige Lehrberufe, etwa der 2009 geschaffene Industrie-Elektriker, stoßen „auf großes Interesse bei eher praktisch begabten Jugendlichen“: Das bestätigt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Oft fehlen passende Bewerber

Seine Statistik zeigt: Die zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer steht aktuell auf Platz 5 der Metall-Lehrberufe.

Was ist eigentlich das größte Problem, wenn es um die Ausbildung geht? Da muss Experte Räß nicht lange nachdenken: „Etwa ein Zehntel der von den Betrieben angebotenen Ausbildungsstellen kann nicht besetzt werden – oft, weil geeignete Bewerber fehlen.“

Ob die Nachwuchssicherung bald auch für die Pforzheimer Spezialfirma Heimerle+Meule schwierig wird? Für ihren raren Lehrberuf macht die angehende Edelmetallprüferin Hieber jedenfalls gerne Werbung: „Ich bin begeistert!“, sagt sie. „Jetzt will ich mich voll auf die Ausbildung konzentrieren – und einen möglichst guten Abschluss machen.“


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